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Effekte der (Dis-)Integration in Österreich und Tschechien

Effects of (dis-)integrations at the Austrian-Czech Border

Peter Egger (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/I4608
  • Förderprogramm Einzelprojekte International
  • Status beendet
  • Projektbeginn 23.06.2020
  • Projektende 22.06.2024
  • Bewilligungssumme 129.854 €
  • Projekt-Website

Bilaterale Ausschreibung: Tschechien

Wissenschaftsdisziplinen

Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (85%); Wirtschaftswissenschaften (15%)

Keywords

    Regional development, Border regions, Economic (dis-)integration

Abstract Endbericht

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts war die österreichisch-tschechische Grenzregion immer wieder großen und unvorhergesehenen Episoden wirtschaftlicher Integration und Desintegration ausgesetzt. Diese beinhalteten die Trennung des österreichisch-ungarischen Reiches und die Bildung eines tschechoslowakischen Staates (1919), die Errichtung des Eisernen Vorhangs (nach 1948), den Fall des Eisernen Vorhangs (1989), den tschechischen Beitritt zur EU ( 2004) und das Ende der Ausnahmeregelungen in Bezug auf die Freizügigkeit der Arbeitskräfte und den Handel mit Dienstleistungen innerhalb der EU (2011). Aufgrund der Vielfalt dieser Ereignisse ist die Österreichisch-Tschechische Grenzregion ein reichhaltiges Testfeld, um die Auswirkungen der (Des- )Integration von Volkswirtschaften mit großen Einkommensunterschieden auf die regionale Entwicklung zu analysieren, die ein wiederkehrendes Thema in den politischen Debatten über die regionalen Auswirkungen der Globalisierung und der europäischen Integration sind. Dieses Projekt nutzt diese reichhaltigen Erfahrungen, um ökonomische Theorien der (Des-) Integration zu testen und damit politische Entscheidungsträger und die öffentliche Debatte über die regionalen Auswirkungen einer möglichen zukünftigen wirtschaftlichen Integration und Globalisierung zu informieren. Ein wichtiger innovativer Aspekt des Projekts ist, dass die analysierten historischen Erfahrungen Länder betrafen, die durch ziemlich unterschiedliche politische Regime und große und ehebliche über die Zeit schwankende Einkommens- und Kostenunterschiede sowie eine Vielzahl unterschiedlicher Regionen gekennzeichnet waren. So war beispielsweise die heutige Tschechische Republik 1919 höher entwickelt als Österreich, während 1989 das Gegenteil der Fall war. In ähnlicher Weise umfassen die nahe der Grenze gelegenen Regionen eine große Anzahl von peripher-ländlichen Regionen sowie die städtischen Zentren von Brno und Wien. Wir erwarten daher, dass die Ergebnisse aufgrund der Heterogenität der analysierten Regionen und (Dis-)Integrationsepisoden ein sehr differenziertes Bild der Auswirkungen der wirtschaftlichen (Dis-) Integration auf die Regionalentwicklung liefern werden. Als weiterer innovativer Aspekt wird das Projekt auch einige der methodischen angehen, indem Daten mit einer ungewöhnlich geringen regionalen Aggregation verwendet werden (die für einen Teil der Analyse auf einer Rastertiefe von 250 x 250 Metern angesiedelt sein wird). Dies ermöglicht eine Bewertung des potenziellen Messfehlers aufgrund der regionalen Aggregation, die in weiten Teilen der bisherigen Literatur ein Problem darstellt.

Dieses Projekt nutzt die reichhaltige historische Erfahrung mit groß angelegten und unvor-hergesehenen Episoden wirtschaftlicher Integration und Desintegration in der Tschechisch-Österreichischen Grenzregion (z. B. die Trennung des österreichisch-ungarischen Reiches (1919), die Errichtung (nach 1948) und den Fall (1989) des Eisernen Vorhangs), um Vorher-sagen von Theorien der regionalen Entwicklung und der politischen Ökonomie zu testen. In dem Aufsatz mit dem Titel "Borders and Population Growth: Evidence from a Century of Border Regime Changes on the Austrian-Czech Border" analysieren wir die Auswirkungen von drei großen unerwarteten Grenzregimewechseln, die im Laufe des 20. Jahrhunderts auf das Bevölkerungswachstum entlang der österreichisch-tschechischen Grenze stattfanden, aus einer grenzüberschreitenden Perspektive. Anhand von Volkszählungsdaten auf Gemeinde-ebene, die bis ins Jahr 1880 zurückreichen, sowohl für die tschechische als auch für die ös-terreichische Grenzregion, stellen wir keine Auswirkungen des Zerfalls der österreichisch-ungarischen Monarchie (1919) fest, aber starke und gegensätzliche Auswirkungen des Her-unterziehens (1948) und des Falls (1989) des Eisernen Vorhangs in beiden Ländern. Ände-rungen der Grenzregime beeinflussten das Bevölkerungswachstum ebenfalls über wirtschaft-liche und nichtwirtschaftliche Mechanismen, waren auf Gemeinden bis zu einer Entfernung von 30 Kilometern von der Grenze beschränkt und (im österreichischen Fall) waren die Auswirkungen in Gemeinden mit guter Infrastrukturanbindung größer. In dem Artikel mit dem Titel ""The impact of market potential and competition on regional enterprise creation: Evidence from the fall of the Iron Curtain" analysieren wir die Auswir-kungen von Änderungen des Marktzugangs und Wettbewerbs aufgrund des Falls des Eiser-nen Vorhangs auf die Gründung neuer Unternehmen im Einzelhandelsmarkt der österreichi-schen und tschechischen Grenzregion. Wir stellen einen erheblichen Einfluss auf die Grün-dung neuer Unternehmen im privaten Einzelhandel in der Tschechischen Republik fest, aber kaum Hinweise auf nachteilige Auswirkungen in den österreichischen Grenzgemeinden. Die-se Ergebnisse könnten jedoch auch in einem breiteren politischen Kontext interessant sein, da die Entwicklung des privaten Sektors auch in anderen Ländern oft ein Hauptziel markt-orientierter Reformprogramme ist. Unsere Ergebnisse weisen auf eine Komplementarität zwischen den Zielen der Liberalisierung des grenzüberschreitenden Austauschs und der Ent-wicklung des privaten Sektors hin. In der Arbeit ""Does Democracy Flourish in the Dark? Regional Development and Democ-racy Building" nutzen wir die Unterschiede in der relativen wirtschaftlichen Entwicklung der tschechischen Gemeinden, die durch die Integration nach dem Fall des Eisernen Vorhangs entstanden sind, um den kausalen Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und Demokratisierung zu untersuchen. Wir stellen fest, dass die wirtschaftliche Entwicklung die politische Beteiligung (d. h. die Wahlbeteiligung bei Parlamentswahlen) erhöht. Sie ist auch mit einer erhöhten Unterstützung für systemfreundliche, prodemokratische Parteien verbunden. Umgekehrt stellen wir keinen Einfluss der regionalen Entwicklung auf die Wahl-unterstützung für den direkten Nachfolger der Kommunistischen Partei vor 1989 fest. Dies deutet darauf hin, dass die regionale Entwicklung zwar die antisystemische Stimmung ab-mildern kann, die Nostalgie für das gefallene autokratische Regime jedoch nicht beseitigt.

Forschungsstätte(n)
  • Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung – WIFO - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Stepan Mikula, Masarykova Univerzita - Tschechien

Research Output

  • 48 Zitationen
  • 7 Publikationen
  • 1 Datasets & Models
  • 3 Disseminationen
Publikationen
  • 2024
    Titel Borders and Population Growth: Evidence from a Century of Border Regime Changes on the Austrian-Czech Border
    DOI 10.5817/wp_muni_econ_2024-03
    Typ Journal Article
    Autor Coufalová L
    Journal MUNI ECON Working Papers
    Link Publikation
  • 2024
    Titel Does Democracy Flourish in the Dark? Regional Development and Democracy Building
    DOI 10.5817/wp_muni_econ_2024-04
    Typ Journal Article
    Autor Coufalová L
    Journal MUNI ECON Working Papers
    Link Publikation
  • 2022
    Titel The grass is not greener on the other side: the role of attention in voting behavior
    DOI 10.1007/s11127-022-01030-z
    Typ Journal Article
    Autor Coufalová L
    Journal Public Choice
    Seiten 205-223
  • 2023
    Titel Homophily in voting behavior: Evidence from preferential voting
    DOI 10.1111/kykl.12328
    Typ Journal Article
    Autor Coufalová L
    Journal Kyklos
  • 2023
    Titel Expected transport accessibility improvement and house prices: Evidence from the construction of an undersea road tunnel system
    DOI 10.1016/j.jtrangeo.2023.103649
    Typ Journal Article
    Autor Mikula Š
    Journal Journal of Transport Geography
    Seiten 103649
  • 0
    Titel Commuting, Migration and Trade among Regions in Response to the Termination of the Derogation Period after EU Enlargement
    Typ Other
    Autor Peter H. Egger
    Link Publikation
  • 0
    Titel How Aggregate Uncertainty Shapes the Spatial Economy
    Typ Other
    Autor Katharina Erhardt
    Link Publikation
Datasets & Models
  • 2023 Link
    Titel Replication package for the paper homophily in voting behavior
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
Disseminationen
  • 2023
    Titel Presentation of How Aggregate Uncertainty Shapes the Spatial Economy at Worldbank
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
  • 2023
    Titel Presentation of How Aggregate Uncertainty Shapes the Spatial Economy at a CEPR Workshop
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
  • 2023
    Titel Presentation of How Aggregate Uncertainty Shapes the Spatial Economy in Yale
    Typ Participation in an activity, workshop or similar

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