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Vom Nil zum Kaukasus

From the Nile to the Caucasus

Fritz Mitthof (ORCID: 0000-0002-1526-6069)
  • Grant-DOI 10.55776/I4674
  • Förderprogramm Einzelprojekte International
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.09.2020
  • Projektende 31.08.2025
  • Bewilligungssumme 300.428 €
  • Projekt-Website

Bilaterale Ausschreibung: Russland

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (60%); Philosophie, Ethik, Religion (40%)

Keywords

    Papyrus collections, Papyrology, Grigol Zereteli, History of papyrology, Graeco-Roman Egypt, Antiquities trade

Abstract

Das Georgische Nationale Handschriftenzentrum zu Tiflis besitzt eine Sammlung von historischen Schriftstücken aus Ägypten auf Papyrus, dem wichtigsten Schreibmaterial der Antike: Auf welchem Weg und unter welchen Umständen sind diese Papyri vom Nil in den Kaukasus gelangt? Wem ist die Existenz der Sammlung zu verdanken? Wo und wann genau wurden sie gefunden oder erworben? Welche Bedeutung haben sie für die moderne Forschung? Diesen Fragen widmet sich ein Projekt, das von einem österreichisch-russischen Forscher*innen-Team durchgeführt wird. In Form einer kriminalistischen Spurensuche werden die Papyri entziffert, zugehörige Fragmente in anderen Sammlungen aufgespürt, archivalische Aufzeichnungen von Zeitgenossen gesichtet, Inhalt, Herkunftsort und Datum der Papyri bestimmt und diese als Quellen zum einen für die Alte Geschichte, zum anderen die Wissenschaftsgeschichte um 1900 erschlossen. Die Papyri in Tiflis sind vorwiegend in altgriechischer Sprache verfasst und stammen aus einer Epoche, als Ägypten fester Bestandteil der griechisch-römischen Mittelmeerwelt war. Sie sind zwischen der Eroberung des Landes durch Alexander den Großen und der arabisch- islamischen Ausbreitung entstanden (ca. 300 v.-700 n.Chr.) und bieten ein breites Spektrum: Briefe, Verträge, Verwaltungsakten, Abrechnungen, Literatur, etc. Papyri wurden von ägyptischen Bauern (Fellachen) seit der Mitte des 19. Jh. in den Randzonen des Niltals zur Wüste anfangs eher zufällig entdeckt, recht bald aber gezielt gesucht und in riesigen Mengen geborgen. Sie fanden sich in gewaltigen Dünger-Haufen (Sebach), den Überresten der Mülldeponien antiker Siedlungen. Erstaunlicherweise hatte der Schriftträger dank der klimatischen Bedingungen die Jahrtausende weitgehend unbeschadet überdauert. Die Gelehrtenwelt war von der Möglichkeit fasziniert, verlorene antike Literatur wiederzugewinnen und mit den antiken Menschen in direkten Kontakt zu treten. Papyri sind unverfälschte Zeugnisse einer versunkenen Welt, die einen unverstellten Blick auf die fernen Ursprünge unserer eigenen modernen Zivilisation erlauben. Hunderttausende Dokumente wurden damals angekauft und nach Europa und Nordamerika gebracht. Nicht selten wurden dabei zusammenhörige Funde oder sogar Fragmente ein und desselben Textes über die Länder und Kontinente verstreut. Begründer der Sammlung in Tiflis war der russisch-georgische Gelehrte Grigol Zereteli, der zu den Pionieren der Papyrologie zählt. Sein Lebenslauf war wechselvoll (er wirkte zunächst in Russland, ging dann nach Georgien und verstarb als Opfer der Säuberungen Stalins), und die Umstände der Epoche dramatisch (er erlebte die lange Krise und den Kollaps des Zarenreiches, die Geburt Georgiens als Nationalstaat und seine Eingliederung in die Sowjetunion). Das Projekt berührt auch eine Thematik, der in der aktuellen Debatte große Bedeutung zukommt: die physische und intellektuelle Aneignung des historischen Erbes des afrikanischen Kontinents durch die Groß- bzw. Kolonialmächte.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Nationale Projektbeteiligte
  • Bernhard Palme, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
  • Elena Chepel, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
  • Hubert Szemethy, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
  • Claudia Kreuzsaler, Österreichische Nationalbibliothek , nationale:r Kooperationspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Holger Essler, Julius-Maximilians-Universität Würzburg - Deutschland
  • Julia Lougovaya, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg - Deutschland
  • Rodney Ast, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg - Deutschland
  • Nikolaos Gonis, University College London - Vereinigtes Königreich

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