Langfristige Variabilität extremer Hochwasserereignisse
Decadal changes of flood probabilities
DACH: Österreich - Deutschland - Schweiz
Wissenschaftsdisziplinen
Geowissenschaften (100%)
Keywords
-
Climate Change,
Land Use Change,
Hydrology,
Flood Change
In letzter Zeit sind in Europa eine Reihe großer Hochwässer aufgetreten, die vermuten lassen, dass wir in eine hochwasserreiche Periode eingetreten sind, d.h. eine Periode, in der Hochwässer häufiger und größer als gewöhnlich sind. Um abzuklären, ob und warum dies der Fall ist, sind neue Methoden und Analysen erforderlich. Spezifische Fragen sind, ob sich die Wahrscheinlichkeiten extremer Hochwässer in den letzten Jahren geändert haben, was die Prozessursachen solcher Änderungen sind und welche Auswirkungen sie auf extreme Hochwässer in der Zukunft haben. In der ersten Förderperiode wurden Methoden zur Bestimmung hochwasserreicher Perioden auf der Grundlage beobachteter Hochwasserdaten in Österreich und Deutschland entwickelt. Potenzielle Prozessursachen für sich ändernde Hochwässer wie Klimawandel, Landnutzungsänderungen und Wasserbauten wurden identifiziert. Ziel der zweiten Förderperiode ist es, die Hochwasseränderungen diesen Prozessursachen räumlich verteilt zuzuweisen. In kleinen landwirtschaftlichen Gebieten in Norddeutschland dürfte beispielsweise die Landnutzungsänderung wichtig sein, während in den österreichischen Alpen Klimaprozesse möglicherweise relevanter sind. Dafür wird eine Methode entwickelt, die die räumlich unterschiedlichen Abflussprozesse wie kurze konvektive Niederschläge, lange Frontalniederschläge und Schneeschmelze berücksichtigt. Da große Hochwässer gesellschaftlich besonders relevant sind, wird untersucht, wie Hochwasseränderungen und Prozessursachen von der Größe der Hochwässer abhängen. Durch historische Informationen werden die Hochwasserdaten bis in das 16. Jahrhundert zurück verlängert, wodurch z.B. untersucht werden kann, ob Hochwässer in kalten oder warmen Perioden häufiger auftraten. Wir entwickeln ein probabilistisches Modell der Hochwasseränderungen , das explizit die Mechanismen beschreibt, wie z.B. Bodenverdichtung, Verlust der Hochwasserrückhalteflächen und ÜbergangvonSchnee aufRegen bei Extremniederschlägen. Anhand des Modells soll untersucht werden, wie sich die Prozessursachen auf zukünftige Hochwasserwahrscheinlichkeiten auswirken könnten. Das Projekt beschreitet wissenschaftliches Neuland wie folgt: (a) Entwicklung neuer Methoden um Hochwasseränderungen ihren Prozessursachen in heterogenen Regionen zuzuordnen. (b) Untersuchung der Abhängigkeit der Hochwasseränderungen und ihrer Prozessursachen vom Wiederkehrintervall, d.h. ob kleine und große Hochwässer ein ähnliches Verhalten aufweisen. (c) Entwicklung eines probabilistischen Modells für Hochwasseränderungen, das die Änderungsmechanismen explizit erfasst und Vorhersagen über potenzielle zukünftige Hochwasseränderungen und deren Unsicherheiten ermöglicht. Das von Prof. Günter Blöschl und Dr. Andrea Kiss geleitete Projekt wird zu einem verbesserten Verständnis von Hochwasseränderungen und deren Prozessursachen führen, wodurch eine Grundlage für genauere Berechnungsmethoden in Gebieten mit und ohne Abflussmessungen gelegt wird.
Das Projekt untersuchte die räumliche Variabilität der Hochwasserprozesse und ihre Wahrscheinlichkeiten. Die Grundidee dieses Projekts bestand darin zu analysieren, wie die wichtigsten statistischen Eigenschaften von Hochwasserserien in Europa von der Größe des Einzugsgebiets, dem Klima und von anderen Faktoren abhängen. Es zeigt sich, dass niederschlagsbezogene Variablen die wichtigsten Einflussfaktoren auf die räumliche Verteilung des mittleren jährlichen Hochwassers in den meisten Teilen Europas sind. Eine Ausnahme ist Regionen, in denen Schneeschmelze die Überflutungen bewirkt. Dort spielt die Lufttemperatur eine größere Rolle. Die Variabilität der Überflutungen in Europa kann hingegen durch einen Trockenheitsindex erklärt werden. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass bei Betrachtung von ganz Europe Klimavariablen die räumliche Verteilung der Hochwasser am besten erklären, während die Merkmale der Landoberfläche (z.B. Landnutzung und Bodentyp) weniger entscheidend sind. Es wurde ein neuer statistischer Ansatz entwickelt, um den Beitrag solcher klimatischen Faktoren zu den Hochwasserveränderungen in Abhängigkeit von der Wiederkehrperiode in einem regionalen Kontext zu quantifizieren. Der Ansatz wurde auf europäische Einzugsgebiete angewandt und zeigte, dass in Nordwesteuropa vor allem die Veränderungen extremer Niederschläge die Veränderungen der Hochwassern erklären, während die Beiträge der Bodenfeuchte von untergeordneter Bedeutung sind. In Südeuropa tragen sowohl die Bodenfeuchte als auch die Veränderungen der Niederschläge zu den Hochwasserveränderungen bei. Die Rolle der Bodenfeuchte nimmt mit der Wiederkehrperiode ab. In Osteuropa ist die geringere Schneeschmelze wichtigste Grund für Abnahme sowohl bei kleinen als auch bei großen Hochwassern. Zur Untersuchung zukünftiger Hochwasserwahrscheinlichkeiten wurde ein neuer Ansatz von Intensitäts-Dauer-Häufigkeits-Statistiken der Extremniederschläge und Hochwasser entwickelt. Der Ansatz besteht in der Analyse der prozentualen Änderung des Hochwasserabflusses für eine 1%ige Änderung der extremen Niederschlagsmenge (die sogenannte Elastizität). In niederschlagsreichen Einzugsgebieten sind die Elastizitäten ungefähr eins, d.h. die Kurven der Niederschlags- und Hochwasserhäufigkeit sind aufgrund der anhaltend hohen Bodenfeuchte ähnlich steil. In trockenen Einzugsgebieten sind die Elastizitäten viel höher, was bedeutet, dass die Hochwasserhäufigkeitskurven steiler verlaufen als die Niederschlagskurven, was als schiefere Verteilungen der Ereignisabflusskoeffizienten interpretiert wird. Mit zunehmender Wiederkehrperiode tendieren die Elastizitäten gegen Eins. Während regionale Unterschiede in den Elastizitäten sowohl auf dominante regionale Niederschlagsmechanismen als auch auf regionale Einzugsgebietsmerkmale zurückgeführt werden können, deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass die Einzugsgebietsmerkmale die dominierenden Einflussfaktoren sind. Die Gesamtergebnisse des Projekts liefern neue und umfassende Erkenntnisse über die Ursachen von Hochwasserveränderungen in Europa, ihre räumliche Variabilität und ihre Abhängigkeit von der Wiederkehrperiode. Es hat sich gezeigt, dass klimatische Faktoren die räumliche Variabilität der statistischen Eigenschaften von Hochwasserserien dominieren und auch die Hochwasserveränderungen bei unterschiedlichen Wiederkehrperioden stark beeinflussen. Einzugsgebietseigenschaften hingegen haben einen Einfluss auf die Art und Weise, in der Einzugsgebiete auf Änderungen der Niederschläge reagieren. Dies ist eine wichtige Grundlage für die aussagekräftige Analyse und Prognose von Änderungen der Hochwasserwahrscheinlichkeiten in der Zukunft.
- Technische Universität Wien - 100%
- Bruno Merz, Helmholtz Centre Potsdam - GFZ German Research Centre for Geosciences - Deutschland
- Larisa Tarasova, Helmholtz Centre for Environmental Research - UFZ - Deutschland
- Ralf Merz, Helmholtz Centre for Environmental Research - UFZ - Deutschland
- Sergiy Vorogushyn, Helmholtz Zentrum Potsdam - Deutschland
- Anne Fangmann, Leibniz Universität Hannover - Deutschland
- Andreas H. Schumann, Ruhr-Universität Bochum - Deutschland
- Svenja Fischer, Ruhr-Universität Bochum - Deutschland
- Bodo Ahrens, Universität Frankfurt/Main - Deutschland
- Uwe Haberlandt, Universität Hannover - Deutschland
- Andras Bardossy, Universität Stuttgart - Deutschland
Research Output
- 1256 Zitationen
- 28 Publikationen
- 1 Datasets & Models
- 2 Software
- 3 Wissenschaftliche Auszeichnungen
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2025
Titel Increasing hourly heavy rainfall in Austria reflected in flood changes DOI 10.1038/s41586-025-08647-2 Typ Journal Article Autor Haslinger K Journal Nature Seiten 667-672 Link Publikation -
2021
Titel Causes, impacts and patterns of disastrous river floods DOI 10.1038/s43017-021-00195-3 Typ Journal Article Autor Merz B Journal Nature Reviews Earth & Environment Seiten 592-609 -
2021
Titel Changing summer precipitation variability in the Alpine region: on the role of scale dependent atmospheric drivers DOI 10.1007/s00382-021-05753-5 Typ Journal Article Autor Haslinger K Journal Climate Dynamics Seiten 1009-1021 Link Publikation -
2022
Titel The challenge of unprecedented floods and droughts in risk management DOI 10.1038/s41586-022-04917-5 Typ Journal Article Autor Kreibich H Journal Nature Seiten 80-86 Link Publikation -
2022
Titel Significance testing of rank cross-correlations between autocorrelated time series with short-range dependence DOI 10.1080/02664763.2022.2137115 Typ Journal Article Autor Lun D Journal Journal of Applied Statistics Seiten 2934-2950 Link Publikation -
2022
Titel Climate and land management accelerate the Brazilian water cycle DOI 10.1038/s41467-022-32580-x Typ Journal Article Autor Chagas V Journal Nature Communications Seiten 5136 Link Publikation -
2022
Titel Understanding Heavy Tails of Flood Peak Distributions DOI 10.1029/2021wr030506 Typ Journal Article Autor Merz B Journal Water Resources Research Link Publikation -
2022
Titel Three hypotheses on changing river flood hazards DOI 10.5194/hess-2022-232 Typ Preprint Autor Blöschl G Seiten 1-37 Link Publikation -
2022
Titel Temporal Scaling of Streamflow Elasticity to Precipitation: A Global Analysis DOI 10.1029/2021wr030601 Typ Journal Article Autor Zhang Y Journal Water Resources Research -
2020
Titel From the detection to the attribution of flood changes in Europe Typ PhD Thesis Autor Miriam Bertola Link Publikation -
2020
Titel Do small and large floods have the same drivers of change? A regional attribution analysis in Europe DOI 10.5194/hess-2020-396 Typ Preprint Autor Bertola M Seiten 1-26 Link Publikation -
2024
Titel HESS Opinions: The sword of Damocles of the impossible flood DOI 10.5194/hess-28-2603-2024 Typ Journal Article Autor Montanari A Journal Hydrology and Earth System Sciences Seiten 2603-2615 Link Publikation -
2020
Titel Characteristics and process controls of statistical flood moments in Europe – a data based analysis DOI 10.5194/hess-2020-600 Typ Preprint Autor Lun D Seiten 1-34 Link Publikation -
2020
Titel Extreme dry and wet spells face changes in their duration and timing DOI 10.1088/1748-9326/ab7d05 Typ Journal Article Autor Breinl K Journal Environmental Research Letters Seiten 074040 Link Publikation -
2024
Titel Frequency and Spatial Variability of European Record Floods DOI 10.1029/2023wr036767 Typ Journal Article Autor Bertola M Journal Water Resources Research Link Publikation -
2023
Titel Megafloods in Europe can be anticipated from observations in hydrologically similar catchments DOI 10.34726/5233 Typ Other Autor Bertola M Link Publikation -
2023
Titel Megafloods in Europe can be anticipated from observations in hydrologically similar catchments DOI 10.1038/s41561-023-01300-5 Typ Journal Article Autor Bertola M Journal Nature Geoscience Seiten 982-988 Link Publikation -
2023
Titel HESS Opinions: The Sword of Damocles of the Impossible Flood DOI 10.5194/egusphere-2023-2420 Typ Preprint Autor Montanari A Seiten 1-20 Link Publikation -
2023
Titel Mega Forest Fires Intensify Flood Magnitudes in Southeast Australia DOI 10.1029/2023gl103812 Typ Journal Article Autor Xu Z Journal Geophysical Research Letters Link Publikation -
2023
Titel Panta Rhei benchmark dataset: socio-hydrological data of paired events of floods and droughts DOI 10.5194/essd-2022-330 Typ Preprint Autor Kreibich H -
2023
Titel Shifts in flood generation processes exacerbate regional flood anomalies in Europe DOI 10.25673/103079 Typ Other Autor Lun D Link Publikation -
2020
Titel Joint Trends in Flood Magnitudes and Spatial Extents Across Europe DOI 10.1029/2020gl087464 Typ Journal Article Autor Kemter M Journal Geophysical Research Letters Link Publikation -
2020
Titel The role of flood wave superposition in the severity of large floods DOI 10.5194/hess-24-1633-2020 Typ Journal Article Autor Guse B Journal Hydrology and Earth System Sciences Seiten 1633-1648 Link Publikation -
2021
Titel Understanding the relationship between rainfall and flood probabilities through combined intensity-duration-frequency analysis DOI 10.1016/j.jhydrol.2021.126759 Typ Journal Article Autor Breinl K Journal Journal of Hydrology Seiten 126759 Link Publikation -
2021
Titel Characteristics and process controls of statistical flood moments in Europe – a data-based analysis DOI 10.5194/hess-25-5535-2021 Typ Journal Article Autor Lun D Journal Hydrology and Earth System Sciences Seiten 5535-5560 Link Publikation -
2022
Titel Shifts in flood generation processes exacerbate regional flood anomalies in Europe DOI 10.21203/rs.3.rs-2238190/v1 Typ Preprint Autor Tarasova L Link Publikation -
2022
Titel Detecting flood-type-specific flood-rich and flood-poor periods in peaks-over-threshold series with application to Bavaria (Germany) DOI 10.1007/s00477-022-02350-8 Typ Journal Article Autor Fischer S Journal Stochastic Environmental Research and Risk Assessment Seiten 1395-1413 Link Publikation -
2022
Titel Identifying changes and process controls of regional flood probabilities Typ PhD Thesis Autor David Lun Link Publikation
-
2023
Link
Titel Panta Rhei benchmark dataset: socio-hydrological data of paired events of floods and droughts (version 2) DOI 10.5880/gfz.4.4.2023.001 Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich Link Link
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2024
Link
Titel tuwhydro/megafloods: Data and R code DOI 10.5281/zenodo.13771955 Link Link -
2024
Link
Titel tuwhydro/megafloods: Data and R code DOI 10.5281/zenodo.13771956 Link Link
-
2024
Titel CCCA-Nachwuchspreis / CCCA - Young Researcher Award Typ Research prize Bekanntheitsgrad National (any country) -
2024
Titel Surprising megafloods in Europe - learning from the big picture Typ Personally asked as a key note speaker to a conference DOI 10.5194/egusphere-egu24-5997 Bekanntheitsgrad Continental/International -
2023
Titel Flood changes in Europe: from detection to attribution Typ Personally asked as a key note speaker to a conference DOI 10.5194/egusphere-egu23-5595 Bekanntheitsgrad Continental/International