Innovationen im Journalismus in demokratischen Gesellschaften
Journalism Innovation in Democratic Societies (JoIn-DemoS)
DACH: Österreich - Deutschland - Schweiz
Wissenschaftsdisziplinen
Medien- und Kommunikationswissenschaften (70%); Politikwissenschaften (20%); Wirtschaftswissenschaften (10%)
Keywords
-
Journalistic Quality,
International Index,
Media Systems,
Innovation in Journalism,
Democratic Society
Welcher Journalismus hat Zukunft und Relevanz? Wie beeinflussen Innovationen im Journalismus die Qualität von Berichterstattung und damit die Öffentlichkeit in der demokratischen Gesellschaft? Solche zentralen Fragen stellt ein neues, großes Forschungsprojekt, das ab Herbst 2020 drei Jahre lang in Deutschland, Österreich und der Schweiz Journalismusentwicklung untersucht. Träger dieser Forschungsarbeit sind die Journalismus-Institute der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt in Deutschland, der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in der Schweiz und das CMC- Institut an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften / Universität Klagenfurt sowie die Forschungsgesellschaft Medienhaus Wien in Österreich. Gefördert wird das Projekt durch die nationalen Fonds für Grundlagenforschung DFG, FWF und SNF. Die Projektleiter Klaus Meier (D), Andy Kaltenbrunner und Matthias Karmasin (A) und Vinzenz Wyss (CH) beschreiben: Wir erleben zerrissene Öffentlichkeiten, zersplitterte Demokratien und sogenannte postfaktische Politikdiskussionen. Das sind große Herausforderungen. Mit praxisnaher Grundlagenforschung wollen wir analysieren, wie Innovationen den professionellen Qualitätsjournalismus voranbringen können. Zu solchen Innovationen zählen das Forschungsteam zum Beispiel investigative Rechercheteams, journalistische Startups, die ihre Arbeit über Mitgliedermodelle finanzieren, neue Formen des Datenjournalismus oder auch die Nutzung von Plattformen wie Facebook, Instagram und Youtube als Quellen, aber auch Foren für unabhängigen Journalismus mit allen Chancen und Risiken. Geplant sind mehrere Dutzend Case-Studies und ExpertInnenrunden im deutschsprachigen Raum, aber auch ein Vergleich mit Nord- und Südeuropa und die Einordnung nach klar definierten Innovations- und Qualitätskriterien. Unterstützt wird das D-A-CH-Konsortium vom spanischen Journalismusforscher Jose Garca-Avilés und seinem Team der Universidad Miguel Hernndez/Valencia. Die dortigen ForscherInnen gehörten weltweit zu den Ersten, die ein wissenschaftlich fundiertes, nationales Journalismus-Innovationsranking erstellt hatten. Insgesamt werden ab Herbst 2020 mehr als ein Dutzend WissenschafterInnen in diesem Projekt tätig sein. Die Forschungsergebnisse sollen international Orientierungshilfe und Ratschläge sowohl für Medienpolitik, als auch für die Organisation von Medien und Redaktionen anbieten, um Innovationen zu befördern, die die Qualität des Journalismus und seine Rolle in der Gesellschaft stärken.
Seit der Digitalisierung befindet sich Journalismus in einem Umbruch. Innovationen im Journalismus spielen in diesem Prozess eine Schlüsselrolle. Das Forschungsprojekt "Journalismus Innovationen in Demokratischen Gesellschaften" (Journalism Innovations in Democratic Societies) hat solche Innovationen in einem Fünf-Länder-Vergleich untersucht. Zunächst eruierten die Forschungsteams aus Österreich, Deutschland, Spanien, Schweiz und Großbritannien die 20 wichtigsten Innovationen im jeweiligen Land für den Zeitraum von 2010 bis 2020. Diese wurden dann anhand von - insgesamt 100 - Fallstudien untersucht. Im Fokus standen Zielsetzungen der Innovationen, behindernde und fördernde Rahmenbedingungen bei der Umsetzung sowie gesellschaftliche Auswirkungen. Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick: (1) Zu den wichtigsten Innovationen in Österreich gehörten zum Beispiel kollaborativer, investigativer Journalismus, Datenjournalismus, die Einführung von Paywalls oder Diversitäts-Initiativen. Einige Innovationsbereiche erhielten in allen fünf Ländern hohe Bewertungen wie eben Datenjournalismus, kollaborativer, investigativer Journalismus oder Journalismus in sozialen Medien. (2) Drei Hauptziele wurden identifiziert: (a) Innovationen sollen Journalist:innen mehr kreative Freiheit geben. (b) Innovationen sollen der Medienmarke ermöglichen, besser auf die Herausforderungen des Marktes zu reagieren. (c) Durch Innovationen soll eine stärkere Verbindung zum Publikum hergestellt werden. (3) Zu den Rahmenbedingungen, die Innovationen begünstigen, gehören sowohl interne Faktoren - wie personelle, finanzielle und technologische Ressourcen, Arbeitsprozesse, Wissen und Talent, Praktiken und professionelle Kultur - als auch externe Faktoren - wie der rechtliche Rahmen, der Markt, das Publikum und die Wirtschaftslage. Zu den - externen und internen - Hindernissen für Innovationen gehören neben dem allgemein beklagten Mangel an finanziellen und personellen Ressourcen die knappen Mittel für Forschung und Entwicklung, schwache Führung, geringe Motivation und interne Widerstände in den etablierten Medienmarken. (4) Aus gesellschaftlicher Perspektive betrachtet, adressieren und stärken Innovationsbereiche wie Datenjournalismus, kollaborativer investigativer Journalismus, umfangreichere Interaktion mit dem Publikum und Diversität in Newsrooms und Inhalten die demokratiepolitische Funktion des Journalismus, indem sie Journalismus transparenter machen, Missinformation bekämpfen und ihn näher an sein Publikum bringen. (5) Wechselwirkung mit der Gesellschaft: Wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Voraussetzungen spielen in allen fünf Ländern eine entscheidende Rolle für die Entwicklung von Innovationen im Journalismus. Aber es gibt erhebliche Unterschiede: Die Medienmärkte in Österreich, Deutschland und der Schweiz reagierten langsamer auf die Digitalisierung als Großbritannien und Spanien. In Deutschland und der Schweiz scheiterten Regierungsinitiativen zur Einführung hoher Subventionen, teilweise zur Förderung von Innovationen, politisch. Aber auch starke, direkte wirtschaftliche Eingriffe des Staates, wie im Falle Österreichs, konnten weder die finanziellen Verluste der traditionellen Medien auf-, noch die journalistischen Arbeitsplätze erhalten. In Großbritannien und in Spanien, wo solche direkten staatlichen Subventionen nie eine Rolle gespielt haben, kam es zu einer starken "kreativen Zerstörung", die einen Boom bei journalistischen Start-ups auslöste. Nationale Medienpolitik und das Ausmaß und die Art von Intervention sind damit zu entscheidenden Faktoren für die Zukunft des Journalismus geworden.
- Medienhaus Wien - Forschung und Weiterbildung GmbH - 54%
- Österreichische Akademie der Wissenschaften - 46%
- Andy Kaltenbrunner, Medienhaus Wien - Forschung und Weiterbildung GmbH , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Klaus Meier, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt - Deutschland
- Vinzenz Wyss, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften - Schweiz
Research Output
- 161 Zitationen
- 22 Publikationen
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2024
Titel Innovations in Journalism, Comparative Research in Five European Countries DOI 10.4324/9781032630410 Typ Book Verlag Taylor & Francis -
2024
Titel Introduction DOI 10.4324/9781032630410-1 Typ Book Chapter Autor Meier K Verlag Taylor & Francis Seiten 1-3 Link Publikation -
2024
Titel Collaborative-investigative journalism DOI 10.4324/9781032630410-14 Typ Book Chapter Autor Lugschitz R Verlag Taylor & Francis Seiten 109-117 Link Publikation -
2024
Titel Diversity and inclusion DOI 10.4324/9781032630410-16 Typ Book Chapter Autor Saner M Verlag Taylor & Francis Seiten 126-134 Link Publikation -
2024
Titel Paywalls and paid content DOI 10.4324/9781032630410-19 Typ Book Chapter Autor Klinghardt K Verlag Taylor & Francis Seiten 153-161 Link Publikation -
2023
Titel Dependencia y externalización tecnológica en las innovaciones periodísticas de los medios españoles (2014-2021) DOI 10.31921/doxacom.n37a1834 Typ Journal Article Autor Arias-Robles F Journal Doxa Comunicación. Revista Interdisciplinar de Estudios de Comunicación y Ciencias Soc Seiten 453-478 Link Publikation -
2023
Titel Journalism innovations as a driver for journalistic diversity and inclusion: International examples and editorial institutionalization DOI 10.31921/doxacom.n37a1845 Typ Journal Article Autor Saner M Journal Doxa Comunicación. Revista Interdisciplinar de Estudios de Comunicación y Ciencias Soc Seiten 359-384 Link Publikation -
2023
Titel Transformación del ecosistema mediático post-covid. El teletrabajo y el modelo híbrido como innovación organizacional en las redacciones DOI 10.31921/doxacom.n37a1833 Typ Journal Article Autor De Lara González A Journal Doxa Comunicación. Revista Interdisciplinar de Estudios de Comunicación y Ciencias Soc Seiten 501-522 Link Publikation -
2024
Titel Media systems on the meta-level of change DOI 10.4324/9781032630410-32 Typ Book Chapter Autor Kaltenbrunner A Verlag Taylor & Francis Seiten 251-266 Link Publikation -
2024
Titel Country report Austria DOI 10.4324/9781032630410-7 Typ Book Chapter Autor Kaltenbrunner A Verlag Taylor & Francis Seiten 37-48 Link Publikation -
2024
Titel Innovations in Journalism as Complex Interplay: Supportive and Obstructive Factors in International Comparison DOI 10.17645/mac.7443 Typ Journal Article Autor Graßl M Journal Media and Communication -
2022
Titel Examining the Most Relevant Journalism Innovations: A Comparative Analysis of Five European Countries from 2010 to 2020 DOI 10.3390/journalmedia3040046 Typ Journal Article Autor Meier K Journal Journalism and Media Seiten 698-714 Link Publikation -
2022
Titel The Missing Piece: Ethics and the Ontological Boundaries of Automated Journalism Typ Journal Article Autor Ferri G Journal ISOJ Journal Seiten 71-98 Link Publikation -
2022
Titel Künstliche Intelligenz als Assistenz: Bestandsaufnahme zu KI im Journalismus aus Sicht von Wissenschaft und Praxis Typ Journal Article Autor Graßl M Journal Journalistik. Zeitschrift für Journalismusforschung Seiten 3-27 Link Publikation -
2022
Titel Der Journalismus-Report VII. Lokaljournalismus und Innovation Typ Book Autor Kaltenbrunner A editors Kaltenbrunner A, Luef S, Lugschitz R, Karmasin M, Kraus D Verlag facultas -
2024
Titel Kollaborativer-investigativer Journalismus als Innovation: Ziele, Rahmenbedingungen und (politische) Auswirkungen an den Beispielen Deutschland und Österreich; In: Politischer Journalismus: Konstellationen - Muster - Dynamiken Typ Book Chapter Autor Lugschitz R Verlag Nomos -
2021
Titel Journalism Innovation Labs 2.0 in Media Organisations: A Motor for Transformation and Constant Learning DOI 10.3390/journalmedia2030022 Typ Journal Article Autor Hogh-Janovsky I Journal Journalism and Media Seiten 361-378 Link Publikation -
2021
Titel Review article: Journalism innovation research, a diverse and flourishing field (2000-2020) DOI 10.3145/epi.2021.ene.10 Typ Journal Article Autor García-Avilés C Journal El profesional de la información Link Publikation -
2023
Titel Innovativ ist relativ. Identifikation und Dimensionen von Innovationstypen im Journalismus in Deutschland; In: Innovationen im Journalismus: Theorien - Methoden - Potentiale? Typ Book Chapter Autor Schützeneder J Verlag Springer VS -
2023
Titel Journalism innovations as a driver for journalistic diversity and inclusion : international examples and editorial institutionalization DOI 10.21256/zhaw-27598 Typ Other Autor Saner Link Publikation -
2022
Titel Las innovaciones periodísticas más destacadas en España (2010-2020): características e impacto organizacional, industrial y social DOI 10.3145/epi.2022.may.04 Typ Journal Article Autor Carvajal M Journal El Profesional de la información Link Publikation -
2022
Titel Examining the most relevant journalism innovations : a comparative analysis of five european countries from 2010 to 2020 DOI 10.21256/zhaw-25861 Typ Other Autor Meier Link Publikation