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Demokratische Kontrolle von kapitalfundierten Pensionen

Democratic Governance of Funded Pension Schemes

Tobias Wiß (ORCID: 0000-0003-2882-0636)
  • Grant-DOI 10.55776/I4821
  • Förderprogramm International - Multilaterale Initiativen
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.10.2020
  • Projektende 31.12.2023
  • Bewilligungssumme 152.230 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Sozialwissenschaften (30%); Politikwissenschaften (30%); Soziologie (20%); Wirtschaftswissenschaften (20%)

Keywords

    Occupational Pensions, Democratic legitimacy, Governance, Funded Pensions, Public Attitudes, Welfare States

Abstract Endbericht

Das Projekt Demokratische Kontrolle von kapitalfundierten Pensionen untersucht, inwiefern die Bevölkerung eines Landes Entscheidungen zu kapitalfundierten Pensionen beeinflussen kann. Nahezu jeder Mensch in Europa wird ab einem bestimmten Zeitpunkt im Leben Pensionszahlungen erhalten. Die meisten Regierungen in Europa haben, aus verschiedenen Gründen, beschlossen, dass künftige Pensionsleistungen in wesentlich stärkerem Ausmaß als heute von Finanzmärkten abhängen werden. Dies wird höchstwahrscheinlich mit einem geringeren Einfluss jeder/s Einzelnen und auch von Regierungen auf Investitionen und Leistungshöhe von Pensionen einhergehen, da sich Finanzmarktakteure häufig einer demokratischen Kontrolle entziehen. Die Menschen zahlen ihre Beiträge zu kapitalfundierten Pensionseinrichtungen, haben aber keinen Einfluss darauf, was in der Zwischenzeit bis zum Pensionsbezug passiert. Die Bevölkerung in Europa kann daher nicht (mit)entscheiden, wo und wie ihre Beiträge investiert werden (z.B. ob in Unternehmen oder Staaten, ob in Unternehmen die Waffen oder Solarzellen produzieren etc.), noch kann sie ihrer Unzufriedenheit z. B. über geringere als erhoffte Pensionszahlungen Ausdruck verleihen. Wenn die Bevölkerung den Eindruck hat, keinerlei Einfluss auf Entscheidungsprozesse und ihr Alterseinkommen nehmen zu können, birgt dies eine erhebliche Gefahr für ein Land und seine Demokratie. Daher ist das Wissen darüber, welche Formen von kapitalfundierten Pensionen mit welchen Entscheidungsprozessen existieren und wie die Menschen diese beurteilen, von entscheidender Hilfe, um individuelle Zufriedenheit mit kapitalfundierten Pensionen und dem Sozialstaat sowie der Qualität der Demokratie eines Landes zu verbessern. Wir interessieren uns hierbei für die Input-Legitimität d.h. der Einfluss jeder/s Einzelnen auf Entscheidungen und die Output-Legitimität d.h. individuelle Zufriedenheit mit dem Ergebnis (z.B. Höhe der Pensionszahlungen). Unsere Forschungsfragen sind: Inwiefern können die Menschen an Entscheidungsprozessen von kapitalfundierten Pensionen partizipieren und diese beeinflussen und machen sie von diesen Möglichkeiten auch Gebrauch? Weiterhin untersucht unser Projekt das Ergebnis von kapitalfundierten Pensionen und möchte herausfinden, ob dieses mit den Präferenzen der Bevölkerung übereinstimmt bzw. zu welchem Ausmaß die Bevölkerung kapitalfundierte Pensionen unterstützt. Dieses Projekt ist die erste Untersuchung, die Informationen der Bevölkerung, von Pensionseinrichtungen und Ländern zur demokratischen Legitimität von kapitalfundierten Sozialleistungen sammelt und zusammenführt. Ein besseres Verständnis darüber, wie die Bevölkerung die verstärkte Abhängigkeit ihrer Pensionszahlungen von Finanzmärkten wahrnimmt und beurteilt ist zentral für die aktuelle und künftige Entwicklung von Pensionssystemen in Europa sowie für die politische Legitimität des Sozialstaates im 21. Jahrhundert. Das Projekt kombiniert Fallstudien von sechs Ländern und fünf kapitalfundierten Pensionseinrichtungen pro Land, basierend auf Interviews mit Expertinnen und Experten sowie Dokumentenanalysen, mit einer Auswertung von Daten z.B. zur Höhe von Pensionszahlungen. Zusätzlich werden wir die individuellen Präferenzen der Bevölkerung berücksichtigen, indem wir diese mit einem Onlinefragebogen zu ihren Einstellungen bezüglich kapitalfundierter Pensionen befragen, da sich bestehende Daten vorrangig auf staatliche Pensionen beziehen. Unsere Untersuchungen konzentrieren sich hierbei auf Österreich, Deutschland, Dänemark, die Niederlande, Irland und Spanien, da diese Länder sich in den wesentlichen Eigenschaften zu Kapitalfundierung und demokratischer Kontrolle unterscheiden.

Das Projekt "Demokratische Kontrolle von kapitalfundierten Pensionen" untersuchte die Input-Legitimität - d.h. der Einfluss jeder/s Einzelnen auf Entscheidungen der betrieblichen Altersversorgung (bAV) (Pensionskassen in Österreich) - und die Output-Legitimität - d.h. individuelle Zufriedenheit mit betrieblicher Altersversorgung (z.B. Leistungen). Die leitenden Forschungsfragen waren: Inwiefern können die Menschen an Entscheidungsprozessen von kapitalfundierten Pensionen partizipieren und diese beeinflussen? Ist die Bevölkerung mit deren Ausgestaltung und den Ergebnissen zufrieden? Zur Beantwortung der Fragen wurden Interviews mit Expert:innen der betrieblichen Altersversorgung geführt, Dokumente gesichtet und eine eigene Online-Umfrage unter der Bevölkerung in sechs Ländern (Dänemark, Deutschland, Irland, Niederlande, Österreich, Spanien) durchgeführt. Im Rahmen des Projekts wurde zunächst untersucht, ob die Menschen über die Pensionsreformen informiert sind. Wir fanden heraus, dass Änderungen an den Pensionsregeln, wie z.B. höhere Leistungen oder Leistungskürzungen, die Aufmerksamkeit der Menschen erregen, unabhängig von Reformdetails. Dies ist wichtig für die Ausübung von demokratischer Kontrolle, da die Menschen die Regierungen nur dann belohnen oder bestrafen können, wenn sie Pensionsreformen überhaupt wahrnehmen. In einem nächsten Schritt untersuchten wir die Art und das Ausmaß der Input-Legitimität. Wir stellten fest, dass in einigen Ländern Vertreter:innen der Versicherten stark in Entscheidungsprozesse der bAV eingebunden sind und deren Rechte mit starker Stimme vertreten (Dänemark und die Niederlande), während in Ländern ohne derartige Vertretungsstrukturen die Versicherten bestimmte Entscheidungen selbst treffen können (Irland und Österreich), wobei sie oft nicht über die Einzelheiten und die Existenz dieser Rechte informiert sind. Verfahren für legitime Entscheidungen, die sich an ein breites Spektrum von Bürger:innen richten, anstatt sie individuellen Entscheidungen zu überlassen, sind ein wichtiges Merkmal für die Steuerung und demokratische Kontrolle der bAV. Außerdem befragten wir die Bürger:innen mit einem Online-Fragebogen zu ihrer Zufriedenheit mit der Beteiligung an Entscheidungsprozessen und mit dem Ergebnis von Entscheidungen. Wir haben festgestellt, dass die Zufriedenheit in allen Ländern ziemlich ähnlich ist und auf einem mittleren Niveau liegt. Wir fanden auch heraus, dass Menschen, die eine aktive Rolle einnehmen - wie z.B. Durchsicht von Informationen (z.B. Lesen von Informationen, die vom bAV-Anbieter bereitgestellt werden) und die in Entscheidungen einbezogen sind (z.B. über Online-Aktivitäten wie das Schreiben von E-Mails und die Teilnahme an Treffen/Diskussionen) - zufriedener sind. Dies ist wichtig, denn wenn die Menschen das Gefühl haben, dass ihr Beitrag nicht zählt, oder wenn sie mit dem Ergebnis nicht zufrieden sind, könnten sie das Vertrauen in das Pensionssystem insgesamt verlieren. Zudem haben wir uns dafür interessiert, was die Menschen dazu bewegt, mehr für den Ruhestand zu sparen. Wir fanden heraus, dass die Menschen eher bereit sind, mehr Geld für den Ruhestand zu sparen, wenn bAV-Pläne gute Renditen erzielen, wenn sie die Versicherten in die Entscheidungsfindung einbeziehen oder wenn sie bei ihren Investitionen ökologische oder soziale Aspekte berücksichtigen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Linz - 100%

Research Output

  • 5 Publikationen
  • 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2 Weitere Förderungen
Publikationen
  • 2026
    Titel Input and Output Legitimacy of Occupational Pension Plans in Six European Countries
    DOI 10.1080/13876988.2025.2599955
    Typ Journal Article
    Autor Fernández J
    Journal Journal of Comparative Policy Analysis: Research and Practice
  • 2025
    Titel Attitudes towards the public-private mix for retirement income in Europe
    DOI 10.1177/09589287251345904
    Typ Journal Article
    Autor Wiß T
    Journal Journal of European Social Policy
    Seiten 51-66
    Link Publikation
  • 2024
    Titel Assessing Input Legitimacy of Occupational Pensions in Europe
    DOI 10.1111/rego.12647
    Typ Journal Article
    Autor Mayer T
    Journal Regulation & Governance
    Seiten 1086-1100
    Link Publikation
  • 2024
    Titel Can pension fund design increase pension savings? Evidence from a conjoint experiment in six European countries
    DOI 10.1093/workar/waae021
    Typ Journal Article
    Autor Fernández J
    Journal Work, Aging and Retirement
    Seiten 36-47
  • 2023
    Titel Issue salience and feedback effects: the case of pension reforms
    DOI 10.1080/13501763.2023.2263051
    Typ Journal Article
    Autor Fernández J
    Journal Journal of European Public Policy
    Seiten 3732-3760
    Link Publikation
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2020
    Titel International Advisory Board member Social Policy & Administration
    Typ Appointed as the editor/advisor to a journal or book series
    Bekanntheitsgrad Continental/International
Weitere Förderungen
  • 2023
    Titel FNA-Stipendium
    Typ Fellowship
    Förderbeginn 2023
    Geldgeber Forschungsnetzwerk Alterssicherung (FNA)
  • 2023
    Titel JKU Förderstipendium
    Typ Travel/small personal
    Förderbeginn 2023
    Geldgeber Johannes Kepler University of Linz

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