Poröses und viskoses Verhalten menschlicher Gehirngewebe
Porous and viscous behaviour of human brain tissue
DACH: Österreich - Deutschland - Schweiz
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Technische Wissenschaften (100%)
Keywords
-
Brain Tissue,
Porous,
Continuum Model,
Viscous,
Comutational
Die computergestützte Modellierung der Biomechanik von Gehirngewebe bietet völlig neue Perspektiven, um Mechanismen, die Hirnerkrankungen zugrunde liegen, zu verstehen aber auch vorherzusagen. Diese gehen weit über die Möglichkeiten herkömmlicher Methoden hinaus. Die Verbesserung gebräuchlicher Diagnose - und Behandlungsmethoden durch numerische Simulationen ist jedoch nur mithilfe biomechanischer Modelle möglich, die das Verhalten von Gehirngewebe unter Belastung zuverlässig vorhersagen. Die Entwicklung solcher Modelle erfordert umfangreiche experimentelle Untersuchungen, die sowohl das mechanische Verhalten des Gewebes als auch dessen Korrelation mit der zugrunde liegenden Mikrostruktur quantifizieren. Das Ziel dieses Forschungsvorhabens ist es, ein zweiphasiges Modell für die biomechanische Antwort von Gehirngewebe zu entwickeln und die hierfür notwendigen umfassenden experimentellen Untersuchungen durchzuführen. Das Arbeitsprogramm gliedert sich in die folgenden vier Arbeitspakete: (1) Zunächst wird ein Versuchsaufbau entwickelt, der es ermöglicht, die porösen und viskosen Eigenschaften von Gehirngewebe unter verschiedenen Belastungsmoden zu bestimmen. Die sehr wenigen Studien, die hierzu in der Literatur zu finden sind, beschränken sich auf einen einzigen Belastungsmodus. Allerdings bedarf die exakte Identifikation von Modellparametern die gleichzeitige Betrachtung unterschiedlicher Belastungsbedingungen. (2) Anschließend wird die Korrelation zwischen der makroskopischen Gewebeantwort und der zugrunde liege nden Mikrostruktur untersucht, um poröse bzw. viskose Effekte auf die entsprechenden mikrostrukturellen Komponenten zurückzuführen. Dies erlaubt idealerweise die Identifikation geeigneter struktureller Parameter, die bei der Modellentwicklung berücksichtigt werden können. (3) Anhand der experimentellen und mikrostrukturellen Erkenntnisse wird ein poro - viskoelastisches Modell entwickelt, das die individuellen Effekte der Fluid - und der Festkörperkomponente des Gewebes sowie deren Interaktion präzise abbildet. Das Modell wird mithilfe der Finite- Elemente-Methode diskretisiert. (4) Es folgt die Kalibrierung der Materialparameter mithilfe eines inversen Identifikationsalgorithmus und die Interpretation der Ergebnisse im Hinblick auf deren physikalische Bedeutung. Schließlich wird dieses Projekt wesentlich zum besseren Verständnis der Mechanik von Gehirngewebe beitragen, welches sich aus dem komplexen Zusammenspiel zwischen porösen und viskosen Effekten ergibt. Durch die Kombination experimenteller, mikrostruktureller und computergestützter Untersuchungen, wird der Zusammenhang zwischen mechanischer Gewebeantwort und Mikrostruktur geklärt. Letztendlich kann das sorgfältig kalibrierte Modell auf klinisch relevante Fragestellungen angewandt werden
Dieses Projekt zielte darauf ab, unser Verständnis des mechanischen Verhaltens des menschlichen Gehirns durch die Kombination von experimentellen Tests, Biomaterialien und Computer-Modellierung zu verbessern. Da das Gehirn ein weiches, poröses und flüssigkeitsgesättigtes Organ ist, wurden im Rahmen des Projekts Hydrogele, die das Gehirngewebe nachahmen, als ethische und abstimmbare Ersatzstoffe für menschliches und tierisches Gewebe verwendet. Für diese Materialien wurde ein poro-viskoelastisches Materialmodell entwickelt und validiert, das die Trennung der porösen und viskosen Beiträge zur Hirnmechanik ermöglicht. Dieser Modellierungsansatz unterstützt die Entwicklung patientenspezifischer digitaler Zwillinge und verbessert unser Verständnis dafür, wie externe Geräte oder Werkzeuge mit dem Hirngewebe interagieren. Neben der Weiterentwicklung von Computersimulationen trug das Projekt zu grundlegenden Erkenntnissen über die Mechanik weicher, poröser und hydrierter Materialien bei und zeigt, wie synthetische Hydrogele das 3R-Prinzip unterstützen können, indem sie in vielen Tests tierisches Gewebe ersetzen. Die Ergebnisse legten auch den Grundstein für künftige Forschungen zu komplexen Gewebeverformungen, Flüssigkeitsströmungen und der Integration medizinischer Geräte.
- Technische Universität Graz - 100%
- Marlene Leoni, Medizinische Universität Graz , nationale:r Kooperationspartner:in
- Martin Asslaber, Medizinische Universität Graz , nationale:r Kooperationspartner:in
- Johannes Haybaeck, Medizinische Universität Innsbruck , nationale:r Kooperationspartner:in
- Friedrich Paulsen, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg - Deutschland
- Paul Steinmann, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg - Deutschland
- Jean-Paul Pelteret, Siemens Industry Software GmbH - Deutschland
- Ester Comellas, Northeastern University - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 2 Publikationen
- 1 Datasets & Models
- 2 Disseminationen
- 3 Wissenschaftliche Auszeichnungen
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2024
Titel Model-driven exploration of poro-viscoelasticity in human brain tissue: be careful with the parameters! DOI 10.1098/rsfs.2024.0026 Typ Journal Article Autor Greiner A Journal Interface focus Seiten 20240026 -
2023
Titel Poro-viscoelastic material parameter identification of brain tissue-mimicking hydrogels. DOI 10.3389/fbioe.2023.1143304 Typ Journal Article Autor Greiner A Journal Frontiers in bioengineering and biotechnology Seiten 1143304
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2025
Link
Titel Brain-tissue mimicking hydrogels to replace biological tissue during experiment/device development DOI 10.1016/j.mtbio.2025.101508 Typ Data analysis technique Öffentlich zugänglich Link Link
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2024
Titel Best Poster Presentation Award (1st place), Styrian Brain Research Initiative, (INGE St. Day 2024) Typ Poster/abstract prize Bekanntheitsgrad Regional (any country) -
2023
Titel Best Poster Presentation Award (1st place) at the Hamlyn Symposium on Medical Robotics 2024 Typ Poster/abstract prize Bekanntheitsgrad Continental/International -
2023
Titel Research Prize of the Styrian Brain Research Initiative (INGE St.) 2023 Typ Research prize DOI 10.3389/fbioe.2023.1143304 Bekanntheitsgrad Regional (any country)