Kreativität und Alternativen zu Geistigem Eigentum
Creativity and Alternatives to Intellectual Property
DACH: Österreich - Deutschland - Schweiz
Wissenschaftsdisziplinen
Soziologie (50%); Wirtschaftswissenschaften (50%)
Keywords
-
Organized Creativity,
Regulatory Uncertainty,
Intellectual Property,
Patents,
Copyright,
Open Licensing
Kritik an dominanten Ansätzen zum rechtlichen Schutz kreativer Outputs mittels Patent- und Urheberrecht hat zur Entstehung alternativer Ansätze wie offenen Lizenzierungsmodellen geführt. Diesen alternativen Ansätzen gemein ist das Ziel, kreative Neuschöpfung im Wege der Rekombination durch einen offeneren und freieren Zugang zu bestehendem Wissen und vorhandenen Werken zu befördern. Dies erfolgt mit Hilfe standardisierter, privatrechtlicher Verträge, Lizenzen und Organisationsformen. In der Forschung zu solchen alternativen regulatorischen Ansätzen dominieren bislang juristische und ökonomische Betrachtungen auf der Makro-Ebene. Wenig Aufmerksamkeit wurde hingegen den kreavitätsformenden Effekten von alternativen Regulierungsansätzen auf der Ebene organisationaler und professioneller Praktiken zum Beispiel in und zwischen Unternehmen oder im Austausch mit öffentlichen (Bildungs-)Einrichtungen geschenkt. Auf Basis aktueller Theorien im Bereich der Management- und Organisationsforschung entwickelt das Projekt mittels einer vergleichenden Analyse der Felder Pharma (Alternativen zu Patenten) und Musik (Alternativen auf Basis von bzw. zum Urheberrecht) einen Ansatz, der Regulierung nicht als statisch-vorgegeben sondern kontinuierlich in der Praxis gestaltet und gestaltbar versteht (ein sogenannter regulation-as-a-practice Ansatz). Das Projekt untersucht, wie organisationale Akteure alternative Regulierungsansätze verstehen, strukturieren sowie anwenden und wie sich die Organisation kreativer Prozesse in solchen Fällen von de njenigen im Kontext klassischer Regulierung von geistigen Eigentumsrechten unterscheidet. Mit dieser Vorgehensweise zielt die Untersuchung auf (1) eine Bestandsaufnahme alternativer Regulierungsansätze, ihrer wahrgenommenen Wirkungen auf regulatorische Unsicherheit sowie ihrer Ins-Werk-Setzung durch Praktiken in kreativen Prozessen, (2) eine vergleichende Analyse kreativer Praktiken und Umgangsformen mit regulatorischer Unsicherheitindominanten und alternativen Regimen geistiger Eigentumsrechte, sowie(3) die Entwicklung eineskonzeptionellen Modells der Wechselwirkung zwischen regulatorischer Unsicherheit und kreativen Prozessen aus der Perspektive eines solchen regulation-as-a-practice Ansatzes. Die Ergebnisse des Projekts werden zu einem besseren Verständnis der Auswirkungen von dominanten und alternativen Regulierungsansätzen für die Erzeugung bzw. Bewältigung von regulatorischer Unsicherheit in kreativen Prozessen beitragen.
Das Projekt "Kreativitat und Alternativen zu geistigem Eigentum" untersuchte die Auswirkungen von regulatorischen Alternativen zu geistigem Eigentum auf die Organisation kreativer Praktiken. Das Forschungsteam, bestehend aus Leonhard Dobusch (Projektleitung, Universität Innsbruck), Sigrid Quack (Projektleitung, Universität Duisburg-Essen), Milena Leybold (Doktorandin, Universität Innsbruck), und Konstantin Hondros (Post-doc, Universität Duisburg-Essen), begann diese Untersuchung mit einer vergleichenden Analyse alternativer Regulierungsansätze in der Pharma- und Musikindustrie. Insgesamt wurden 52 Fälle von Organisationen verglichen, die konventionelle Strategien zur Handhabung geistigen Eigentums kritisieren. Unsere Analyse zeigte, wie die Motivation für die Mobilisierung alternativer Ansätze zur Handhabung geistigen Eigentums in verschiedenen Formen von (moralischer) Kritik begründet ist: (1) Einschränkung des Austauschs von Wissen und des Zugangs zu einem Produkt, (2) nachteilige Auswirkungen auf die Lebensfähigkeit von Märkten und (3) Einschränkung bzw. Verhinderung von Kreativität und Innovation. Kurz nach Beginn unserer Forschungsarbeiten brach die Sars-CoV-2-Pandemie aus und bot unserem Forschungsteam einen außergewöhnlichen, extremen Kontext, um kreative Praktiken der Forschung und Produktentwicklung im pharmazeutischen Bereich zu untersuchen. Der dringende Bedarf an wirksamen Impfstoffen gegen Covid löste nicht nur rasante Innovationsprozesse bei großen Pharmaunternehmen aus, sondern auch kleinere Initiativen griffen diesen Bedarf auf und nutzten alternative Ansätze zur Handhabung geistigen Eigentums, um Impfstoffe zu entwickeln und herzustellen. Dementsprechend konzentrierten wir uns auf fünf der 26 Fälle aus der Pharmaindustrie (siehe vergleichendes Mapping) und untersuchten, wie Open Science als alternativer Regulierungsansatz für den positiven gesellschaftlichen Impact genutzt werden kann. Bei der Untersuchung der Forschungs- und Entwicklungspraktiken für Impfstoffe haben wir festgestellt, dass Unternehmen vorhandenes Wissen wiederverwenden, Impfstoffdesigns nachahmen und Teile der Zulassungsprozesse abkürzen, um eine Anwendbarkeit des generierten Wissens für andere Organisationen zu antizipieren. Als die Sars-CoV-2-Pandemie nachließ und für beendet erklärt wurde, verlagerten einige der von uns untersuchten Organisationen ihren Fokus von Impfstoffen auf andere Produkte, während sie sich weiterhin mit alternativen Ansätzen zur Handhabung geistigen Eigentums beschäftigten. Wir haben einen dieser Fälle eingehend untersucht, um zu verstehen, wie Organisationen in Phasen starker organisationaler Transformationen ihre Identität mit neuen Strategien in Einklang bringen und gleichzeitig ihr Engagement für alternative Ansätze beibehalten. Das Thema alternativer Ansätze zur Handhabung geistigen Eigentums und deren Auswirkung auf die wissenschaftsbasierte Kreativität hätte in den letzten Jahren nicht aktueller sein können. Das Forschungsteam hat im Sinne der Third Mission Erkenntnisse mit der Öffentlichkeit geteilt. Insbesondere Leonhard Dobusch, Milena Leybold und Konstantin Hondros haben zu aktuellen Entwicklungen in der Covid-Pandemie gebloggt und auf Konferenzen für Praktiker:innen gesprochen. Darüber hinaus haben Milena Leybold und Konstantin Hondros ein Diskussionspapier veröffentlicht, das auf Basis ihrer Forschung die Möglichkeit eines modularen Rechtsrahmens in Krisenzeiten aufzeigt. Angesichts der Tatsache, dass Covid-19 wahrscheinlich nicht die letzte Pandemie sein wird, hat unser Projekt nicht nur Erklärungen zu den aktuellen Herausforderungen geliefert, sondern auch Lösungen vorgeschlagen, die Gesellschaften global helfen, sich auf zukünftige Krisen vorzubereiten.
- Universität Innsbruck - 100%
- Sigrid Quack, Universität Duisburg-Essen - Deutschland
Research Output
- 9 Publikationen
- 10 Disseminationen
- 2 Wissenschaftliche Auszeichnungen
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2024
Titel Chapter 15 Searching for Transformative Potential: Comparing Conceptualizations of Open, Inclusive and Alternative Organizations; In: The Handbook of Organizing Economic, Ecological and Societal Transformation DOI 10.1515/9783110986945-015 Typ Book Chapter Verlag De Gruyter -
2024
Titel Barracudas, Piranhas and crowds: making ideas valuable in pharmaceutical innovation through opening and closing practices of valuation DOI 10.1080/14479338.2024.2339257 Typ Journal Article Autor Dobusch L Journal Innovation -
2022
Titel Striving for Societal Impact as an Early-career Researcher: Reflections on Five Common Concerns; In: Organizing for Societal Grand Challenges DOI 10.1108/s0733-558x20220000079022 Typ Book Chapter Verlag Emerald Publishing Limited -
2022
Titel Emerging Novelty through Imitation? Discovering Emulation in Processes of Creating Alikeness; In: The Generation, Recognition and Legitimation of Novelty DOI 10.1108/s0733-558x20220000077009 Typ Book Chapter Verlag Emerald Publishing Limited -
2023
Titel LIMINALE KREATIVITÄT - Praktiken kleinster Transformationen in der Produktion von Soundalikes DOI 10.14631/978-3-96317-897-9 Typ Book Autor Hondros K Verlag Büchner-Verlag eG -
2022
Titel Organizing Openness in (Response to) Grand Challenges: The Case of the Medicines Patent Pool DOI 10.5465/ambpp.2022.15008abstract Typ Journal Article Autor Dobusch L Journal Academy of Management Proceedings -
2023
Titel Recycling, Mimicking, and Sidestepping: How Organizations Strategize Open Science DOI 10.5465/amproc.2023.18462abstract Typ Journal Article Autor Dobusch L Journal Academy of Management Proceedings -
2023
Titel The Text Decides Who's In or Out - A Communication Perspective on Organizing Situational Membership Typ PhD Thesis Autor Milena Leybold Link Publikation -
2021
Titel Between Anxiety and Hope? How Actors Experience Regulatory Uncertainty in Creative Processes in Music and Pharma; In: Organizing Creativity in the Innovation Journey DOI 10.1108/s0733-558x20210000075012 Typ Book Chapter Verlag Emerald Publishing Limited
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2021
Link
Titel Panel Contribution at Practicioner Conference Typ A formal working group, expert panel or dialogue Link Link -
2021
Link
Titel Talk at a practitioner conference Typ A talk or presentation Link Link -
2022
Link
Titel Blogging on Openess in Organizing IP Typ Engagement focused website, blog or social media channel Link Link -
2021
Link
Titel Talk at a publicly broadcasted event Typ A broadcast e.g. TV/radio/film/podcast (other than news/press) Link Link -
2022
Link
Titel Blogging on Open Source Pharma Typ Engagement focused website, blog or social media channel Link Link -
2023
Link
Titel Discussion paper publication incl. interaction with practitioners Typ Engagement focused website, blog or social media channel Link Link -
2021
Link
Titel Blogging on Alternative Approaches to IP Typ Engagement focused website, blog or social media channel Link Link -
2022
Link
Titel Blogging on Open-Source Vaccines Typ Engagement focused website, blog or social media channel Link Link -
2021
Link
Titel Blogging on Open-Source Vaccines Typ Engagement focused website, blog or social media channel Link Link -
2020
Link
Titel Panel Contribution (Industry Session) of a Conference Typ A formal working group, expert panel or dialogue Link Link
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2021
Titel Panel contribution at Open Source Vaccine Summit Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International -
2020
Titel Finalist of the World Open Innovation Conference (WOIC) Best Student Paper Award 2020 Typ Research prize Bekanntheitsgrad Continental/International