Suszeptibilität und Plastizität nach pränataler Infektion
Susceptibility and Plasticity following Prenatal Infection
DACH: Österreich - Deutschland - Schweiz
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (100%)
Keywords
-
Prenatal Infection,
Animal Model,
Amygdala,
Susceptibility,
Transgenerational
Lead: Zahlreiche epidemiologische Studien bestätigen den Zusammenhang zwischen pränatalen Infektionen und einem erhöhten Risiko für die Entstehung von psychiatrischen Erkrankungen, die auf Störungen der Gehirnentwicklung beruhen, wie beispielsweise Schizophrenie , Depression oder Autismus. Es ist jedoch unklar, weshalb eine pränatale Infektion in manchen Fällen zu der Entstehung solcher Krankheiten führt, während andere Individuen keine negativen Veränderungen aufweisen, sondern sozusagen resilient scheinen. Ziel dieses Projekts ist die Untersuchung der biologischen Grundlagen dieser sogenannten Resilienz, sowie deren generationsübergreifende Plastizität. Aims of the research project: Unsere Forschung in einem etablierten Mausmodell hat gezeigt, dass auch bei genetisch homogenen Mäusen nicht alle gleichermassen von den Folgen einer pränatalen Infektion betroffen sind, sondern auch hier resiliente Individuen vorkommen. Aus früheren Arbeiten wissen wir ausserdem, dass die Folgen pränatale Infektionen nicht nur in den direkten Nachkommen, sondern auch in weiteren Generationen auftreten. Auf diese Erkenntnisse aufbauend, wollen wir im Rahmen des hier vorliegenden Projekts die molekularen Signaturen der Resilienz erforschen und konzentrieren uns hierbei auf epigenetische Veränderungen und die Struktur des Chromatins. Darüber hinaus, beschäftigen wir uns mit der Plastizität solcher Veränderungen über Generationen und in Reaktion auf weitere Umwelteinflüsse. Scientific and societal context of the research project: Die Therapiemöglichkeiten für psychiatrischen Erkrankungen wie Schizophrenie, Depression und Autismus sind nach wie vor nicht zufriedenstellend und gehen häufig mit Nebenwirkungen einher. Die Erforschung der molekularen Veränderungen nach pränataler Infektion, speziell auch in resilienten, gegenüber anfälligen Individuen, ist daher von grösster Bedeutung für die Entwicklung neuer, personalisierter und möglicherweise präventiver Therapieansätze. Präventive Ansätze könnten in diesem Zusammenhang das Entstehen von Krankheiten über mehrere Generationen verhindern und sind somit von grosser soziökonomischer Relevanz.
Der Ort und die Bedingungen, unter denen ein Experiment durchgeführt wird, können die Ergebnisse stark beeinflussen - selbst bei standardisierten Methoden und Materialien. In diesem Projekt wurde untersucht, wie eine gereinigte Form der Substanz Poly(I:C), die häufig in Tiermodellen eingesetzt wird, um Virusinfektionen während der Schwangerschaft nachzuahmen, die Entwicklung des Gehirns und Verhaltens von Nachkommen beeinflusst. Ziel war es, besser zu verstehen, wie Infektionen während der Schwangerschaft später zu psychischen Erkrankungen wie Autismus oder Schizophrenie führen können. Die Forscher verwendeten eine spezielle, niedrigmolekulare Version von Poly(I:C), die als verlässlicher und weniger belastend für die Tiere gilt. Diese wurde parallel in zwei erfahrenen Labors - eines in Wien, das andere in Zürich - getestet. Erwartet wurde, dass beide Standorte ähnliche Ergebnisse erzielen würden. Tatsächlich zeigten die trächtigen Mäuse in beiden Labors vergleichbare körperliche Reaktionen wie Krankheitssymptome und erhöhte Immunwerte (Zytokine) sowie Veränderungen im Gehirn der ungeborenen Nachkommen. Doch nur in Zürich zeigten die erwachsenen Nachkommen später Verhaltensänderungen, insbesondere eine verringerte soziale Interaktion - ein typisches Merkmal bei neuropsychiatrischen Störungen. In Wien hingegen blieben solche Effekte völlig aus - selbst bei höherer Dosierung und über mehrere Generationen hinweg. Diese Unterschiede deuten darauf hin, dass feine Umwelteinflüsse - etwa Käfigsysteme, Lichtverhältnisse, Futter, Keimflora oder andere Haltungseinflüsse - entscheidend beeinflussen können, wie das sich entwickelnde Gehirn auf eine Immunaktivierung reagiert. Selbst bei größtmöglicher Standardisierung können solche "unsichtbaren" Faktoren zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen führen. Die Studie ist bedeutend für Wissenschaft und Medizin: Sie zeigt, dass man sich bei der Entwicklung von Tiermodellen nicht nur auf die Immunreaktion von Mutter und Fötus verlassen darf. Entscheidend ist auch, ob sich die erwarteten Verhaltensveränderungen tatsächlich zeigen. Nur so können verlässliche Modelle entstehen, um psychische Erkrankungen zu erforschen. Mögliche praktische Anwendungen: Entwicklung besserer Tiermodelle für psychische Erkrankungen. Verbesserte Vergleichbarkeit und Reproduzierbarkeit von Forschungsergebnissen. Neue Erkenntnisse über den Einfluss von Schwangerschaft und Umwelt auf die psychische Gesundheit.
- Christoph Bock, CeMM – Forschungszentrum für Molekulare Medizin GmbH , nationale:r Kooperationspartner:in
Research Output
- 37 Zitationen
- 14 Publikationen
- 1 Policies
- 1 Methoden & Materialien
- 2 Datasets & Models
- 2 Disseminationen
- 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
-
2024
Titel A brainstem-hypothalamus neuronal circuit reduces feeding upon heat exposure. DOI 10.1038/s41586-024-07232-3 Typ Journal Article Autor Alpár A Journal Nature Seiten 826-834 -
2024
Titel Differential effects of purified low molecular weight Poly(I:C) in the maternal immune activation model depend on the laboratory environment. DOI 10.1038/s41398-024-03014-7 Typ Journal Article Autor Schaer R Journal Translational psychiatry Seiten 300 -
2022
Titel 3D-printed design of a stereotaxic adaptor for the precision targeting of brain structures in infant mice DOI 10.1111/ejn.15588 Typ Journal Article Autor Steffens S Journal European Journal of Neuroscience Seiten 725-732 Link Publikation -
2022
Titel Gestational immune activation disrupts hypothalamic neurocircuits of maternal care behavior DOI 10.1038/s41380-022-01602-x Typ Journal Article Autor Zambon A Journal Molecular Psychiatry Seiten 859-873 Link Publikation -
2023
Titel Early-life iron deficiency persistently disrupts affective behaviour in mice. DOI 10.1080/07853890.2023.2191003 Typ Journal Article Autor Glat M Journal Annals of medicine Seiten 1265-1277 -
2022
Titel Uncoupling Protein-1 Modulates Anxiety-Like Behavior in a Temperature-Dependent Manner DOI 10.1523/jneurosci.2509-21.2022 Typ Journal Article Autor Sideromenos S Journal The Journal of Neuroscience Seiten 7659-7672 Link Publikation -
2023
Titel Interaction of the pre- and postnatal environment in the maternal immune activation model. DOI 10.1007/s44192-023-00042-5 Typ Journal Article Autor Cuenca Rico L Journal Discover mental health Seiten 15 -
2022
Titel An accessory prefrontal cortex–thalamus circuit sculpts maternal behavior in virgin female mice DOI 10.15252/embj.2022111648 Typ Journal Article Autor Glat M Journal The EMBO Journal Link Publikation -
2022
Titel The metabolic regulator USF-1 is involved in the control of affective behaviour in mice DOI 10.1038/s41398-022-02266-5 Typ Journal Article Autor Sideromenos S Journal Translational Psychiatry Seiten 497 Link Publikation -
2022
Titel Exposure to soiled bedding reduces abnormal repetitive behaviors in mice DOI 10.3389/fnbeh.2022.1062864 Typ Journal Article Autor Müller K Journal Frontiers in Behavioral Neuroscience Seiten 1062864 Link Publikation -
2023
Titel Interaction of the pre- and postnatal environment in the maternal immune activation model DOI 10.3929/ethz-b-000639631 Typ Other Autor Gundacker Link Publikation -
2023
Titel Adverse effects of gestational -3 and -6 polyunsaturated fatty acid imbalance on the programming of fetal brain development. DOI 10.1111/jne.13320 Typ Journal Article Autor Cinquina V Journal Journal of neuroendocrinology -
2023
Titel Interaction of the pre- and postnatal environment in the maternal immune activation model DOI 10.5167/uzh-253550 Typ Other Autor Cuenca Rico Link Publikation -
2021
Titel Editorial: The Molecular Mechanisms Controlling Sleep Regulation Across Species DOI 10.3389/fpsyg.2021.702281 Typ Journal Article Autor Partonen T Journal Frontiers in Psychology Seiten 702281 Link Publikation
-
2024
Titel Advice one severity grading animal experiments ethical committee Typ Participation in a guidance/advisory committee
-
2024
Titel Mouse Poly (IC) model DOI 10.1038/s41398-024-03014-7 Typ Model of mechanisms or symptoms - mammalian in vivo Öffentlich zugänglich
-
2024
Titel Poly IC MIA Model DOI 10.1038/s41398-024-03014-7 Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich -
2023
Titel Literature Review DOI 10.1007/s44192-023-00042-5 Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich
-
2022
Titel Long Night or Research, Austria Typ Participation in an open day or visit at my research institution -
2023
Titel Talk at the "Volkshochschule" Typ A talk or presentation
-
2023
Titel Invited named speaker Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International