Das Erotetische und das Ästhetische
The Erotetic and the Aesthetic.
DACH: Österreich - Deutschland - Schweiz
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
-
Suspense,
Erotetic Structure,
Discourse Structure,
Narratology,
Questions
Spannend zu sein ist ein wichtiges ästhetisches Merkmal literarischer Texte, das in vielen Fällen zum Erfolg dieser Texte beiträgt. Spannung ist dabei ein psychologisches Erlebnis der Leserin oder des Lesens, das von dem Text ausgelöst wird. Sie ist also ein literarischer Effekt. Schriftstellerinnen und Schriftsteller haben ein teils intuitives Verständnis der Spannung und beherrschen Techniken, mit denen Spannung erzeugt und verstärkt werden kann. In einem literarischen Text, im Unterschied etwa zum Film, steht hierfür als einziges Werkzeug die Sprache zur Verfügung. Ziel des Projektes ist, den Zusammenhang zwischen der Sprache eines literarischen Textes und dem Spannungseffekt zu erforschen. Hierfür muss zunächst zwischen sprachlichem Inhalt und sprachlicher Form unterschieden werden. Sprachliche Inhalte sind das, was erzählt wird. Sprachliche Formen stehen für das Wie des Erzählens. Das Verhältnis zwischen Inhalt und Form ist nicht symmetrisch. Derselbe Inhalt kann mit unterschiedlichen Formen dargestellt werden. So kommunizieren die beiden Sätze Der Hund bellt Maria an. und Maria wird von dem Hund angebellt denselben Inhalt. Dieselbe Form kann aber nicht unterschiedliche Inhalte vermitteln. Insofern ist die Form niemals ganz unabhängig von dem kommunizierten Inhalt. Im Projekt interessiert uns insbesondere die Rolle der Form in der Erzeugung von Spannung. Anders gesagt: es mag inhärent spannende und inhärent nicht spannende Ereignisse geben. Zwischen diesen zu unterscheiden, ist nicht unser Ziel. Aber ein Ereignis oder eine Ereignisreihe kann mehr und weniger spannend erzählt werden. Uns interessiert, was für Techniken des Erzählens dafür sorgen, dass die die von der Leserin oder dem Leser erlebte Spannung stärker wird. Unsere Hypothese ist, dass Spannung von dem Evozieren und der Wahrscheinlichkeit der Beantwortung von Fragen abhängt. Ein spannender Text sorgt dafür, dass der Leser oder die Leserin bestimmte Entscheidungsfragen stellt, die dem Leser oder der Leserin wichtig sind, die aber vom Text erst mit einer gewissen Verzögerung beantwortet werden, so dass die Wahrscheinlichkeit einer positiven und der negativen Antwort im Laufe des Textes fluktuiert. Uns interessieren hierbei drei Fragen: Welche Fragen sind geeignet, Spannung zu erzeugen? Wie genau verzögert ein spannender Text ihre Beantwortung? Was sind die genauen sprachlichen Formulierungen und Merkmale, die dafür sorgen, dass bestimmte Fragen dem Leser oder der Leserin wichtig werden? Um dies zu erfahren vergleichen wir die sprachliche und inhaltliche Struktur spannender und weniger spannender literarischer Texte und führen Experimente durch, bei denen wir genau messen, wie sich das Spannungserlebnis ändert, wenn wir minimale Änderungen im Text vornehmen, die sich auf die sprachliche Form beschränken. Auf diese Weise hoffen wir das intuitive Wissen von Schriftstellerinnen und Schriftstellern mit wissenschaftlicher Präzision (zum Teil) transparent machen zu können.
Das Projekt "Das Erotetische und das Ästhetische" hat sich mit der Frage befasst: Wie entsteht Spannung in literarischen Texten? Wenn wir verstehen, wie Spannung entsteht, dann können wir Spannung vorhersagen, modifizieren und als Werkzeug beim Verfassen diverser Textsorten zur Erhöhung ästhetischer und psychologischer Effekte einsetzen. Das Projekt hat deshalb zunächst eine innovative technologische Methode entwickelt, mit der es möglich wurde, auch in längeren Texten die erlebte Spannung von Leserinnen und Lesern in Echtzeit zu messen. Mit dieser Methode wurde die Spannung in einer Vielzahl von Texten gemessen. Dabei wurde festgestellt, dass sich die Intensität der erlebten Spannung zwischen Leserinnen und Lesern zwar durchaus unterscheiden kann, dass aber die Stellen, an denen Spannung empfunden wird, weitgehend übereinstimmen. Aufbauend auf diesen Ergebnissen wurde eine neue Theorie der literarischen, narrativen Spannung entwickelt, die im Kern besagt, dass Spannung im Leseprozess durch noch unbeantwortete, wichtige Fragen über künftige Plotentwicklungen gesteuert wird. Diese Fragen wurden mithilfe der neuesten formal-semantischen und formal-pragmatischen Methodologie analysiert, und es wurde eine neue logische Relation zwischen Fragen entdeckt. Diese Relation führt dazu, dass beim Lesen das Gefühl entstehen kann, man werde die Antwort auf eine wichtige Frage möglicherweise - aber nicht sicher - gerade jetzt, in den nächsten Zeilen, erhalten. Dies steigert das Spannungserleben. Hinzu kommt eine psychologische Erklärung des Spannungserlebnisses, die mit dem sogenannten "Near-miss-Effekt" zusammenhängt, der auch das Verhalten von Spielern etwa in Casinos beeinflussen kann. Hinzu kommt, dass das Projekt auch die Bedeutung des Wortes "Spannung" empirisch untersucht hat, und wie Personen spannende Plots konzipieren. Das Projekt hat zusätzlich eine Reihe von Messungen und statistischen Modellen entwickelt, mit denen alternative Theorien der Spannung überprüft wurden und die letztlich zeigen, dass Spannung am besten an der Schnittstelle zwischen linguistischer und narratologischer Textanalyse zu erfassen ist.
- Universität Graz - 100%
- Tilmann Köppe, Georg-August-Universität Göttingen - Deutschland
- Evelyn Gius, Technische Universität Darmstadt - Deutschland
- Jan Christoph Meister, Universität Hamburg - Deutschland
- Regine Eckardt, Universität Konstanz - Deutschland
- Marisa Bortolussi, University of Alberta - Kanada
- Frank Hakemulder, Utrecht University - Niederlande
Research Output
- 2 Zitationen
- 4 Publikationen
- 1 Künstlerischer Output
- 5 Datasets & Models
- 2 Software
- 6 Disseminationen
- 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
- 1 Weitere Förderungen
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2023
Titel Konturen literarischer Spannung Typ Journal Article Autor Köppe E Journal Textpraxis: digitales Journal für Philologie Seiten 2-4 Link Publikation -
2024
Titel Measuring Suspense in Real Time: A New Experimental Methodology DOI 10.61645/ssol.182 Typ Journal Article Autor Bentz M Journal Scientific Study of Literature Seiten 1-21 Link Publikation -
2024
Titel Was fragt man sich, wenn es spannend ist? Eine Annotationsstudie zur Fragenstruktur spannender Narrationen Typ Journal Article Autor Bentz M Journal PhiN. Philologie im Netz Seiten 1-22 Link Publikation -
2023
Titel The nearly missed account of narrative suspense DOI 10.1515/fns-2023-2018 Typ Journal Article Autor Köppe T Journal Frontiers of Narrative Studies Seiten 273-289 Link Publikation
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2023
Titel Audio recordings of literary short stories Typ Film/Video/Animation
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2024
Link
Titel PITQ annotation data Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich Link Link -
2024
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Titel Suspense intensity rating data Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich Link Link -
2024
Link
Titel Suspense intensity rating data Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich Link Link -
0
Link
Titel flutuating ratings of probabilities of desired and dreaded plot events while reading a narrative Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich Link Link -
0
Link
Titel flutuating ratings of probabilities of desired and dreaded plot events while reading a narrative Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich Link Link
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2023
Link
Titel Interview Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview Link Link -
2023
Titel Presentation at a science slam Typ A talk or presentation -
2023
Titel University Course on the intersection of linguistics and literature Typ A talk or presentation -
2023
Titel Student workshop on suspense Typ Participation in an open day or visit at my research institution -
2022
Link
Titel episode on podcast Typ A broadcast e.g. TV/radio/film/podcast (other than news/press) Link Link -
2022
Link
Titel Stand at a fair Typ Participation in an open day or visit at my research institution Link Link
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2023
Titel Sam Glucksberg prize Typ Poster/abstract prize Bekanntheitsgrad Continental/International
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2021
Titel The erotetic and the aesthetic Typ Research grant (including intramural programme) Förderbeginn 2021