Biobasierte Makroporöse Materialien als Schwermetalabsorber
BIObased MAcroporous MAterials for Heavy Metal Adsorption
Bilaterale Ausschreibung: Luxemburg
Wissenschaftsdisziplinen
Chemie (33%); Werkstofftechnik (67%)
Keywords
-
Biobased Materials,
Macroporous Materials,
Lignocellulose,
Polymer Foam,
Emulsion Templating
Schwermetalle im Wasserkreislauf sind eine Auswirkung des ständig anwachsenden negativen Einflusses des Menschen auf die Umwelt durch industrielle Prozesse und werden zunehmend zur Belastung. Aus Wasserströmen gehen Schwermetalle in die Nahrungskette über und landen letztendlich auch im menschlichen Körper, wo sie gesundheitliche Probleme verursachen können. Reinigung von (Ab-)Wasserströmen, bspw. mittels Adsorptionsmitteln, ist daher ein wichtiger Beitrag nicht nur zum Erhalt der Umwelt sondern auch zum Gesundheitszustand der Bevölkerung im Allgemeinen. Herkömmliche Adsorbentien bestehen aus synthetischen, erdölbasierenden Polymeren oder anorganischen Stoffen, zu deren Herstellung oftmals aufwändige industrielle Prozesse notwendig sind, die ihrerseits mit gefährlichen Abwässern, und damit Wiederverschmutzung von Wasserströmen, einhergehen. Zudem können Bestandteile des Adsorbens sowie adsorbierte Schmutzpartikel wieder ausgewaschen werden. Aus diesem Grund legen Prof. Alexander Bismarck (Universität Wien) sowie Dr. Youssef Habibi (Luxemburg Institute of Science and Technology) ein Gemeinschaftsprojekt zur Untersuchung, Entwicklung und Produktion von natürlichen, porösen Adsorbens für die Entfernung von Schwermetallen aus Wasserströmen vor. Mittels einer Technologie namens foam/emulsion templating steuert die Gruppe von Prof. Bismarck die Herstellung der Adsorbens bei, wobei die Porosität und Poren-Größe gezielt kontrolliert und an die Anforderungen an Adsorbens für Wasserströme angepasst werden. Diese Adsorbens basieren auf natürlichen Rohstoffen wie Lignin und Nanozellulose, die in der Gruppe von Dr. Habibi durch geeignete Modifizierungen fit für den Einsatz als Adsorbens gemacht werden. Diese Naturstoffe tragen nicht nur zur mechanischen Stabilität der Adsorbens bei sondern fungieren auch als Adsorptionsmedium in den fertigen Adsorbens. Alles in allem visiert das Projekt die Fertigung von porösen Adsorbens aus nachwachsenden Rohstoffen an, die bei gleicher Effizienz eine weitaus geringere Umweltbelastung während Herstellung und Betrieb im Vergleich zu synthetischen Adsorbens aufweisen. Des Weiteren kann dank der im Übermaß vorhandenen natürlichen und nachwachsenden Rohstoffe, und den damit einhergehenden geringen Kosten, davon ausgegangen werden, dass sich diese Adsorbens auf großer Skala industriell fertigen und einsetzen lassen werden. Das könnte zu einer Verringerung der Belastung von Wasserströmen mit Schwermetallen auf weltweiter Ebene beitragen.
Das BioMaMa-Projekt konzentrierte sich auf die Entwicklung nachhaltiger, biobasierter makroporöser Materialien für die Adsorption von Schwermetallen und anderen Schadstoffen aus Wasser. Unter Verwendung erneuerbarer Ressourcen wie Lignin und Zellulose wurden im Rahmen des Projekts erfolgreich funktionelle Materialien mit hoher Adsorptionskapazität und Durchlässigkeit entwickelt, die eine umweltfreundliche Alternative zu herkömmlichen Adsorptionsmitteln darstellen, die auf aus Erdöl hergestellten Polymeren (oder mit anderen Worten: fossilem Kohlenstoff) basieren. Die Ergebnisse des Projekts zeigen ein erhebliches Potenzial für industrielle Anwendungen in der Wasserreinigung, die Verwendung von Lignin für die Herstellung funktioneller Materialien im Allgemeinen und von Lignin-Zellulose-Verbundstoffen, die zur ökologischen Nachhaltigkeit beitragen und das Gebiet der Ligninchemie voranbringen. Es wurde insbesondere gezeigt, dass Schaumstoffe auf Ligninbasis zur Wasserreinigung (sowohl von Schwermetallen als auch von organischen Schadstoffen) verwendet werden können und dass industriell unbehandeltes Lignin in Form von Schwarzlauge (wie sie in Österreich hergestellt wird) direkt für die Herstellung von lignozellulosehaltigen Polymermaterialien und Verbundwerkstoffen auf Basis solcher biologisch gewonnener Polymere eingesetzt werden kann. Über die nachgewiesene Verwendung als Wasserreinigungsplattform für ligninbasierte Materialien hinaus wurde die Wechselwirkung von ligninbasierten Epoxidharzen (und Harzen im Allgemeinen) mit Zelluloseschäumen untersucht. Die Auswirkungen der Benetzung von Harzen auf faserige Verbundstoffvorformen hinsichtlich deren Morphologie wurden untersucht und neue Theorien zu diesem Bereich veröffentlicht. Diese Erkenntnisse ermöglichen es künftigen ForscherInnen, die sich mit der Herstellung von Bioverbundwerkstoffen auf der Basis von Zellulose oder Lignin befassen, spezifische Eigenschaften in der Entwicklung solcher Materiale zu forcieren, wie sie im Zusammenhang mit der Wasserreinigung benötigt werden könnten. Mögliche Anwendungen der allgemeinen Ergebnisse des Projekts sind: i) die Herstellung hochwirksamer Schwermetalladsorptionsmittel auf der Grundlage biogener Ressourcen, ii) die Herstellung von Polymermaterialien auf Ligninbasis, iii) die Herstellung einer neuen Familie poröser Lignin-Zellulose-Verbundwerkstoffe und iv) die Anpassung spezifischer mechanischer und morphologischer Eigenschaften der letzteren. Diese Möglichkeiten sind für die österreichische Industrie angesichts der hoch entwickelten heimischen Zellstoff- und Papierindustrie wirtschaftlich besonders interessant. Reizvoll ist in diesem Zusammenhang die Möglichkeit, den Kreislauf des Kohlenstoffs zu schließen. Ein polymerer Werkstoff wird am Ende seines Lebenszyklus oft verbrannt. Durch die Herstellung von Polymeren aus pflanzlichen Materialien (wie Lignin oder Zellulose) kann Kohlenstoff, der der Atmosphäre entzogen wurde (in Form von CO2 durch pflanzliches Wachstum), zur Herstellung von Polymeren verwendet werden. Auf der Grundlage der im Rahmen des Projekts BioMaMa durchgeführten Forschungsarbeiten wurden Methoden zur Herstellung poröser und nicht poröser Materialien entwickelt, die teilweise oder vollständig auf atmosphärischem Kohlenstoff basieren, der aus in Österreich erzeugter Pflanzenmasse stammt.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 67 Zitationen
- 7 Publikationen
- 1 Patente
- 3 Disseminationen
- 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
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2024
Titel Flexing with lignin: lignin-based elastomers synthesised from untreated kraft black liquor DOI 10.1039/d4py00490f Typ Journal Article Autor Verdross P Journal Polymer Chemistry Seiten 2687-2697 Link Publikation -
2024
Titel Macroporous lignin adsorbents: A bio-sourced tool kit to defuse the Cr(VI) threat in wastewater DOI 10.1016/j.jece.2024.113621 Typ Journal Article Autor Barkan-Öztürk H Journal Journal of Environmental Chemical Engineering Seiten 113621 -
2024
Titel Black liquor thermosets and their role in composites Typ PhD Thesis Autor Philip Verdross Link Publikation -
2023
Titel Black liquor-based epoxy resin: Thermosets from untreated kraft lignin DOI 10.1016/j.cej.2023.145787 Typ Journal Article Autor Verdross P Journal Chemical Engineering Journal Seiten 145787 Link Publikation -
2025
Titel Breaking the ice: Applications of photothermal superhydrophobic materials for efficient deicing strategies DOI 10.1016/j.cis.2025.103489 Typ Journal Article Autor Xue Y Journal Advances in Colloid and Interface Science Seiten 103489 -
2024
Titel Cellulose fibre foam templated porous epoxy composites: Wetting matters DOI 10.1016/j.compositesa.2024.108461 Typ Journal Article Autor Biegler V Journal Composites Part A: Applied Science and Manufacturing Seiten 108461 Link Publikation -
2025
Titel Black liquor derived lignin adsorbents for removal of organic pollutants from water DOI 10.1016/j.reactfunctpolym.2025.106185 Typ Journal Article Autor Öztürk H Journal Reactive and Functional Polymers Seiten 106185 Link Publikation
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2024
Titel BLACK LIQUOR EPOXY RESIN Typ Patent / Patent application Website Link
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2024
Link
Titel Online news paper article, CHEMIE.DE (Germany), "Gewässer günstig und nachhaltig von Schwermetallen reinigen" (27.08.2024, Alois Pumhösel) Typ A magazine, newsletter or online publication Link Link -
2023
Link
Titel Newspaper article, Die Presse (Austria)," Erdöl-Alternative: Schwarzes Gold aus der Papierfabrik" (09.09.2023, Wolfgang Däuble) Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview Link Link -
2022
Titel School visits to our laboratories - public lectures Typ Participation in an open day or visit at my research institution
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2024
Titel Heinzel-Mondi-Sappi Award for Resource Efficiency Typ Research prize Bekanntheitsgrad National (any country)