Neuedition der Bauberichte von Didyma
New Edition of the Building Reports of Didyma
DACH: Österreich - Deutschland - Schweiz
Wissenschaftsdisziplinen
Bauwesen (30%); Geschichte, Archäologie (70%)
Keywords
-
Ancient Architecture,
Building Accounts,
Greek Epigraphy,
Didyma in Asia Minor,
Ancient Economy,
Ancient legal history
Gut ein halbes Jahrtausend lang, zwischen ca. 300 v.Chr. und ca. 200 n.Chr., wurde für den Gott Apollon im kleinasiatischen Orakelheiligtum von Didyma ein monumentaler Tempel errichtet. Allein schon aufgrund seiner schieren Größe gehört er zu den bedeutendsten Tempeln der griechischen Welt. Darüber hinaus ist es sein außergewöhnlicher Entwurf, der ihn zu einem der wichtigsten griechischen Sakralbauten der antiken Bauforschung macht. Schließlich haben wir es bei diesem Bau nicht mit der herkömmlichen Art eines griechischen Tempels zu tun, denn seine Cella hatte kein Dach, so dass sich hinter dem doppelten Kranz von 120 Säulen ein großer offener Innenhof verbarg, dessen Bodenniveau zudem vier Meter tiefer liegt als das der Peristasis, In diesem Hof, den in der Regel nur die Priester und für das Orakel zuständigen Propheten betreten durfte und der somit das Kultzentrum bildete, stand ein zweiter als Naiskos bezeichneter kleiner Tempel, eigentliche Kultbau. Von dem monumentalen Tempel ist verhältnismäßig viel erhalten geblieben, sodass wir uns eine gute Vorstellung davon machen können, wie er einst ausgesehen hat, wie man ihn erbaut hat und welchen Schwierigkeiten die Architekten begegnet sind. Es ist ein besonderer Glücksfall, dass sich die Verwaltung des Heiligtums gegen 230 v.Chr. entschloss, jährliche Berichte über den Baufortschritt zu publizieren, und zwar als Inschriften, die man in große Steinstelen eingemeißelt hat. Diese Bauberichte hat man bis etwa 100 v.Chr. geschrieben. Die Texte sollten die Besucher des Heiligtums und die Bürger der benachbarten Stadt Milet, die die Aufsicht über das Heiligtum hatte, über die Bauvorgänge informieren. Erfreulicherweise ist eine ganze Reihe von diesen Bauberichten ganz oder fragmentarisch erhalten geblieben. Auch in den letzten Jahren wurden bei den von Deutschen Archäologischen Institut durchgeführten Grabungen in Didyma noch neue Inschriften gefunden. Unser Projekt möchte sich dem Material von zwei Seiten annähern. Auf der einen Seite wollen wir eine neue Textausgabe der Inschriften erstellen, die alle Inschriftenfunde einbezieht: sowohl diejenigen, die vor über 100 Jahren gefunden wurden, als auch die in letzter Zeit entdeckten. Die Texte sollen übersetzt und kommentiert werden. Auf der anderen Seite wollen wir auf Basis dieser Texte und mit Hilfe von Bauhistorikern/Bauforschern die Baugeschichte des Tempels neu verstehen, rekonstruieren und schreiben. In viele Bereiche antiken Lebens und Arbeitens geben die Texte und Bauglieder uns Einblick. Wir können erkennen, wie schnell man gearbeitet hat, wer auf der Baustelle tätig war und wie man die Arbeiten organisiert hat. Und auch in die historischen Ereignisse vor über 2000 Jahren erhalten wir Einblick: Politische Krisen, Kriege und wirtschaftlich gute wie schlechte Phasen haben gleichsam ihre Spuren am Bau und in dessen antiker Dokumentation hinterlassen. Wir wollen in unserem Projekt einen der faszinierendsten antiken Tempel anhand zeitgenössischer Quellen besser verstehen, zugleich wollen wir lernen, was seine Entstehung uns über antike Geschichte lehren/beibringen kann.
Gut ein halbes Jahrtausend lang, etwa 300 v.Chr. bis 200 n.Chr., wurde für den Gott Apollon im kleinasiatischen Orakelheiligtum von Didyma ein monumentaler Tempel errichtet. Allein schon aufgrund seiner schieren Größe gehört er zu den bedeutendsten Tempeln der griechischen Welt. Sein außergewöhnlicher Entwurf macht ihn zu einem der wichtigsten griechischen Sakralbauten der Antike. Schließlich haben wir es bei diesem Bau nicht mit der herkömmlichen Art eines griechischen Tempels zu tun, denn seine Cella hatte kein Dach, so dass sich hinter dem doppelten Kranz von 120 Säulen ein großer offener Innenhof verbarg, dessen Bodenniveau vier Meter tiefer liegt als das der Peristasis. In diesem Hof, der das Kultzentrum bildete, stand ein zweiter als "Naiskos" bezeichneter kleinerer Tempel, der eigentliche Kultbau, in dem sich eine den Gott Apollon darstellende Statue befand. Von dem monumentalen Tempel blieb verhältnismäßig viel erhalten, sodass wir uns eine gute Vorstellung machen können, wie er ausgesehen hat, wie man ihn erbaut hat und welchen Schwierigkeiten die Architekten begegnet sind. Es ist ein besonderer Glücksfall, dass sich die Verwaltung des Heiligtums gegen 240 v.Chr. entschloss, jährliche Berichte über den Baufortschritt zu publizieren, und zwar als Inschriften, die man in große Steinstelen eingemeißelt hat. Diese Bauberichte hat man bis etwa 120 v.Chr. geschrieben. Die Texte sollten die Besucher des Heiligtums und die Bürger der benachbarten Stadt Milet, die die Aufsicht über das Heiligtum hatte, über die Bauvorgänge informieren. Unser Projekt hat sich dem Material von zwei Seiten angenähert. Auf der einen Seite haben wir eine neue Textausgabe der Inschriften erstellt, die alle Inschriftenfunde einbezieht. Die Texte wurden übersetzt und kommentiert. Besonders wichtiges Ergebnis ist die Zusammenfügung mehrerer bislang separat publizierter Fragmente zu drei neuen, kompletteren Stelen. Dadurch wird die Textüberlieferung auf eine ganz neue Grundlage gestellt. Außerdem haben wir sämtliche Steinmarken aufgenommen das sind Namenskürzel, die man auf die Marmorquader geschrieben hat. Sie geben an, der den jeweiligen Quader im Steinbruch gebrochen und geliefert hat. Auf der anderen Seite haben wir auf Basis dieser Texte und mit Hilfe von Bauforschern die Baugeschichte des Tempels neu rekonstruiert. Dadurch konnten wir den Bauablauf eines der größten und prächtigsten griechischen Tempels neu verstehen. Zudem geben uns die Texte in viele Bereiche antiken Lebens und Arbeitens Einblick. Wir können erkennen, wie schnell man gearbeitet hat, wer auf der Baustelle tätig war und wie man die Arbeiten organisiert hat. Und auch in die historischen Ereignisse vor über 2000 Jahren erhalten wir Einblick: Politische Krisen, Kriege und wirtschaftlich gute wie schlechte Phasen haben gleichsam ihre Spuren am Bau und in dessen antiker Dokumentation hinterlassen. Wir haben in unserem Projekt einen der faszinierendsten antiken Tempel anhand zeitgenössischer Quellen besser verstanden, und haben gelernt, was seine Entstehung uns über antike Geschichte beibringen kann.
- Gerhard Thür, Universität Graz , nationale:r Kooperationspartner:in
- Thomas Corsten, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Klaus Hallof, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften - Deutschland
- Wolfgang Günther, Ludwig Maximilians-Universität München - Deutschland
- Helga Bumke, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg - Deutschland
- Elgin Von Gaisberg, Technische Universität Berlin - Deutschland
- Thekla Schulz-Brize, Technische Universität Berlin - Deutschland
- Mustafa Sayar, Istanbul University - Türkei
- Lothar Haselberger, University of Pennsylvania - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 2 Publikationen
- 1 Künstlerischer Output
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2023
Titel Architekturforschungen in Didyma II. Die unfertig stehende Säule des Apollontempels: ein Tiefpunkt antiker Säulenplanung Typ Journal Article Autor Elea Königsacker Journal Archäologischer Anzeiger Seiten 267-327 -
2022
Titel Ein Paradeigma für Apollon. Neues zum ältesten erhaltenen Baubericht aus Didyma (I.Didyma 20) Typ Journal Article Autor Helmut Lotz Journal Archäologischer Anzeiger Seiten 102-122
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2023
Titel Drei Panoramen des Tempels von Didyma Typ Artwork