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Modelle des Religionsunterrichts und das Thema Islam

Models of Religious Education and the topic of Islam

Martin Rothgangel (ORCID: 0000-0001-5663-5791)
  • Grant-DOI 10.55776/I4898
  • Förderprogramm Einzelprojekte International
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.09.2021
  • Projektende 31.03.2025
  • Bewilligungssumme 365.249 €
  • Projekt-Website

DACH: Österreich - Deutschland - Schweiz

Wissenschaftsdisziplinen

Philosophie, Ethik, Religion (100%)

Keywords

    Models Of Religious Education, Topic Islam, Comparative Approach, Empirical Study, Techer Interviews, Student Group Interviews

Abstract Endbericht

Das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen spielt eine wichtige Rolle, um ein friedliches Zusammenleben in Europa zu ermöglichen. In diesem Sinne sind Toleranz und gegenseitiger Respekt zentrale Herausforderungen für den Religionsunterricht, damit Schülerinnen und Schüler einen verantwortungsbewussten Umgang mit religiöser Vielfalt lernen. Zwar werden in dieser Hinsicht nicht selten kritische Anfragen an islamischen Religionsunterricht gestellt, jedoch könnte es durchaus sein, dass sich z.B. evangelischer Religionsunterricht nicht weniger kritischen Fragen stellen muss. Was leistet insbesondere evangelischer Religionsunterricht zur Förderung von Toleranz und Respekt, wenn er das Thema Islam behandelt? Bislang gibt es keine wissenschaftlichen Studien, in der diese Thematik untersucht worden ist. Vielmehr stand bislang diesbezüglich eher der islamische Religionsunterricht im Vordergrund oder wurden allgemeine Fragen hinsichtlich der unterschiedlichen Modelle von Religionsunterricht untersucht und wird diskutiert, ob der traditionelle konfessionelle Religionsunterricht durch eine neutrale Religionskunde ersetzt werden sollte. Gleichwohl gibt es praktisch keine empirischen Untersuchungen, welches Modell von religionsbezogenen Unterricht besser zur Förderung von Toleranz und gegenseitigen Respekt ist. Dementsprechend lautet die übergreifende Forschungsfrage dieses Projekts, wie das Thema Islam in zwei verschiedenen Modellen religiösen Unterrichts (evangelischer Religionsunterricht; Religionskunde) didaktisch gestaltet wird. Dabei erfolgt aus methodischen Gründen zunächst eine Begrenzung auf den deutschsprachigen Raum (D-A- CH), genauer gesagt einerseits auf evangelischen Religionsunterricht in Deutschland (Großraum Stuttgart) und Österreich (Großraum Wien), andererseits auf das neu eingeführte Fach Religion, Kultur, Ethik in der Schweiz (Großraum Zürich) sowie Lebensgestaltung, Ethik, Religionskunde in Deutschland (Großraum Berlin/Brandenburg). Verantwortlich für diese Studie sind für Deutschland Prof.in Raters (Potsdam) sowie Prof. Schweitzer (Tübingen), für Österreich Prof. Rothgangel (Wien) und für die Schweiz Prof. Schlag (Zürich). Aufgrund der zahlreichen und verschiedenen Bedingungen, die es für die Thematisierung des Islam im Religionsunterricht gibt, wird sich die vorliegende Untersuchung auf die Erhebung und Analyse der Sichtweisen von LehrerInnen und SchülerInnen sowie deren Erfahrungen im Unterricht konzentrieren. Als Vorbereitung für dieses Projekt wurden bereits Analysen zu Bildungsplänen und Unterrichtsmaterialien durchgeführt und fanden auch erste Befragungen von LehrerInnen und SchülerInnen statt, um die entwickelten Fragen für die Interviews zu überprüfen. Damit konkretisiert sich die Forschungsfrage zur Thematisierung des Islam in unterschiedlichen Modellen des Religionsunterrichts darauf, dass untersucht werden soll, wie LehrerInnen und SchülerInnen sich dazu äußern.

Entgegen bestimmter Vorbehalte, dass im konfessionellen Religionsunterricht eine objektive Behandlung anderer Religionen nicht möglich sei, zeigen sowohl die Interviews als auch die Unterrichtsbeobachtungen, dass sich die Religionslehrer:innen gerade wegen ihres protestantischen Religionsverständnisses im Unterricht anderen Religionen gegenüber wertschätzend und sensibel verhalten. Die Einstellungen der befragten Lehrer:innen und Schüler:innen sind geprägt vom Wunsch nach Toleranz, Respekt und Offenheit anderen gegenüber. Toleranz ist eine wichtige Basis für gelingendes Miteinander. Die Ziele der Lehrer:innen richten sich im evangelischen Religionsunterricht darauf, Vorurteile der Schüler:innen gegenüber Islam, aber auch gegenüber anderen Religionen, abzubauen und die Toleranzfähigkeit der Schüler:innen zu stärken. Die Vermittlung von Sachwissen als Ziel steht nicht im Vordergrund, wird jedoch häufig als Inhalt genannt; Sachwissen wird als "Weg zum Ziel", als Methode, um Offenheit und Toleranz zu schaffen, verstanden. Es fällt auf, dass das Thema Islam fast ausschließlich im Rahmen der sogenannten Weltreligionen behandelt wird, die im Lehrplan als zu behandelnder Inhalt vorgegeben sind. Drei Grundthemen stehen bei der Behandlung des Themas Islam im Vordergrund: Die Schüler:innen sollen erstens anhand praktischer Bezüge und Beispiele einen Einblick in den Alltag von Muslim:innen erhalten, zweitens wird Islam im Zusammenhang anderer Religionen dargelegt und drittens werden aktuelle Themen im Zusammenhang mit dem Islam aufgegriffen. Dabei zeigt sich, dass v.a. die fünf Säulen sowie Religionsvergleiche bei den Schüler:innen ankommen. In den Interviews wird von Religionslehrer:innen hervorgehoben , dass es "nicht den Islam" gibt, sondern im Islam Diversität zu finden ist. Als herausfordernd am Islam nehmen Lehrer:innen diejenigen Dinge wahr, die beim Islam negativ beurteilt werden: Fundamentalismus, eine patriarchal geprägte Gesellschaftsstruktur, Gewalt und die Rolle der Frauen. Lehrer:innen äußern auch immer wieder eine Unsicherheit, wenn sie das Thema Islam unterrichten sollen; in ihrer Ausbildung spielte das Thema Islam keine Rolle. Schüler:innen bewerten den Religionsunterricht und ihre Lehrer:innen positiv. Der Religionsunterricht wird von den Schüler:innen als interessant empfunden und sie fühlen sich von den Lehrer:innen wahr- und ernst genommen. Wichtig ist ihnen, dass sie ihre Meinung im Religionsunterricht offen artikulieren können und die Religionslehrer:innen Verständnis für sie zeigen. Bemerkenswert ist die Diskrepanz hinsichtlich sozialer Medien. Diese kommen in den Interviews mit den Lehrer:innen als Berührungspunkte der Schüler:innen mit dem Thema Islam gar nicht vor. Für Schüler:innen dagegen sind soziale Medien ein sehr wichtiger Raum, um mit Islam in Berührung zu kommen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Graz - 100%
Nationale Projektbeteiligte
  • Wolfgang Weirer, Universität Graz , assoziierte:r Forschungspartner:in
  • Ednan Aslan, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
  • Wolfram Reiss, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Marie-Luise Raters, Universität Potsdam - Deutschland
  • Friedrich Schweitzer, Universität Tübingen - Deutschland
  • Thomas Schlag, University of Zurich - Schweiz

Research Output

  • 1 Zitationen
  • 2 Publikationen
  • 1 Policies
Publikationen
  • 2024
    Titel Das Thema "Islam" im evangelischen Religionsunterricht der nichtgymnasialen Unterstufe in Ostösterreich
    Typ PhD Thesis
    Autor Claire Weiss
  • 2025
    Titel Models of religion-related education in Germany, Switzerland and Austria and the topic of Islam
    DOI 10.1080/13617672.2025.2488709
    Typ Journal Article
    Autor Ahme B
    Journal Journal of Beliefs & Values
    Seiten 554-566
    Link Publikation
Policies
  • 2024
    Titel Presentation of the study results to scientists and interested members of the public at a two-day project closing conference in Potsdam from July 11 to 12, 2024, and interview with the radio station Deutschlandfunk on July 12, 2024.
    Typ Influenced training of practitioners or researchers

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