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Journalismus unter Druck

Journalism under Duress

Josef Seethaler (ORCID: 0000-0001-8857-3935)
  • Grant-DOI 10.55776/I4912
  • Förderprogramm Einzelprojekte International
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.04.2021
  • Projektende 31.03.2025
  • Bewilligungssumme 169.680 €

DACH: Österreich - Deutschland - Schweiz

Wissenschaftsdisziplinen

Medien- und Kommunikationswissenschaften (100%)

Keywords

    Journalism, Professional Orientations, Media Transformation, International Comparison

Abstract Endbericht

Das Projekt widmet sich Risiken und Unsicherheiten, mit denen sich Journalisten in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie weltweit konfrontiert sehen. Ziel der Studie ist ein besseres Verständnis davon, wie Journalisten in unterschiedlichen politischen, sozio-ökonomischen und kulturellen Kontexten jeweils Risiken und Unsicherheiten wahrnehmen, welche Copingstrategien sie entwickeln und wie sie sich anpassen. Hierfür werden die Befunde aus drei deutschsprachigen Ländern sowie aus einem breiten Spektrum von Ländern aus der ganzen Welt verglichen und Entwicklungen im Zeitverlauf analysiert. Damit setzt das Projekt die Arbeit fort, die auf eine Zustandsbeschreibung des Journalismus in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie weltweit abzielt. Konzeptionell verstehen wir Risiken und Unsicherheiten im Journalismus als eine komplexe und dynami- sche Beziehung zwischen Bereichen von Risiken (areas of threats), Formen von Risiken (manifestations of risk) und Wahrnehmung von Risiken durch Journalisten (areas of uncertainty). Dabei behandeln wir Risiken im Hinblick auf vier Kontexte: Politik, Wirtschaft, Technologie und Kultur. Die Entwicklungen in diesen Kontexten gehen für Journalist*innen, Medienorganisationen und den Journalismus insgesamt mit erheblichen Risiken und Unsicherheiten einher. Mit Blick auf die Wahrnehmung von Risiken durch Journalist*innen fokussieren wir auf sieben Schlüsselbereiche: redaktionelle Autonomie, wahrgenommene Einflüsse auf Journalismus, journalistische Rollen, journalistische Epistemologien, Berufsethik, Sicherheit von Journalist*innen und journalistische Arbeitsbedingungen. Das Projekt besteht aus zwei Komponenten: (1) ein regionaler Fokus auf Deutschland, Österreich und die Schweiz und (2) ein global vergleichender Fokus. Auf regionaler Ebene zielt die Studie darauf ab, die Wahrnehmung von Risiken durch Journalisten in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu erheben. Auf der komparativen Ebene geht es um eine globale Zustandsbeschreibung von Journalismus, um die Analyse von Veränderungen im Zeitverlauf sowie um die Unterschiede zwischen verschiedenen kulturellen Kontexten weltweit. Im Rahmen des Projekts werden in jedem Land repräsentative Umfragen von Journalist*innen in zwei Gruppen durchgeführt: unter hauptberuflichen Journalist*innen sowie unter so genannten peripheren Akteuren, die eher am Rande des etablierten Journalismus agieren. Um den Ländervergleich zu ermöglichen, erfolgt die Befragung auf Grundlage eines einheitlichen methodischen Designs. Es umfasst einen gemeinsamen Fragebogen sowie Instruktionen zur Definition der Populationen, Stichprobenziehung, Durchführung der Datenerhebung sowie der Erfassung und Verarbeitung von Umfragedaten. Projektpartner: Prof. Dr. Thomas Hanitzsch, Ludwig-Maximilians-Universität München (Deutschland) Prof. Dr. Wiebke Loosen, Leibniz Institut für MedienforschungHans-Bredow-Institut (Deutschland) Prof. Dr. Vinzenz Wyss, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (Schweiz) Dr. Josef Seethaler, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Vienna (Österreich) Prof. Dr. Folker Hanusch, Universität Wien (Österreich)

Zum mittlerweile dritten Mal wurde 2023 von einem Forscher:innenteam des Instituts für vergleichende Medien- und Kommunikationsforschung der ÖAW und des Instituts für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien die internationale Worlds of Journalism Study (WJS3) in Österreich durchgeführt. 856 österreichische Journalist:innen gaben Auskunft zu Arbeitsbedingungen, journalistischem Selbstverständnis, ethischen Grundsätzen, beruflichen Einflüssen und aktuellen Entwicklungen, die den Berufsstand zunehmend unter Druck setzen. Das erschreckende Ergebnis: Mehr als ein Drittel der österreichischen Journalist:innen haben in den letzten Jahren erniedrigende oder hasserfüllte Äußerungen sowie öffentliche Diskreditierung ihrer Arbeit erlebt. Ein ebenso großer Anteil macht sich Sorgen um das psychische wie körperliche Wohlbefinden. Dazu kommen Zeitdruck und Ressourcenknappheit - zwei Faktoren, die von 64 bzw. 54% der Befragten als starker Einfluss auf ihre Arbeit erlebt werden, Tendenz steigend. Die höchsten Zuwachsraten sind jedoch in Bezug auf die empfundene Einflussnahme durch Vorgesetzte und Redaktionskolleg:innen zu verzeichnen, die weit mehr als ein Drittel der Befragten berichtet haben. Auch das journalistische Selbstverständnis ändert sich. Neben der neutralen Informationsvermittlung wird inzwischen auch der Kampf gegen Desinformation zu den beiden wichtigsten Aufgaben des österreichischen Journalismus gezählt. Der Anspruch, lösungsorientierten Journalismus zu praktizieren, der künftige Auswirkungen von Geschehnissen aufzeigt, aber auch auf gesellschaftliche Missstände hinweist, ist ebenfalls weit verbreitet. Zudem wird der Fokus vermehrt auf die Unterstützung einer selbstständigen Meinungsbildung des Publikums gelegt. Bei den ethischen Einstellungen ist für die große Mehrheit der Journalist:innen eine strikte Selbstbindung an journalistische Ethikstandards festzuhalten. Nur eingeschränkt ist ein Relativismus zu beobachten, der ethische Flexibilität in außergewöhnlichen Situationen offenlässt. Mit 47,3 Jahren sind die österreichischen Journalist:innen im Durchschnitt gut vier Jahre älter als noch in der Vorgängerbefragung aus dem Jahr 2014/15. Der Anteil weiblicher Journalist:innen (50,7%) ist im Berufsstand ebenso gestiegen wie der Anteil von Hochschulabschlüssen (70%). Die meisten Journalist:innen arbeiten im Politikressort (21%), gefolgt von Feuilleton (15,2%), Chronik (14,4%) und Service/Lifestyle (12,8%). Fast zwei Drittel produzieren journalistische Inhalte mittlerweile für ein Web-Outlet, etwas mehr als die Hälfte für ein Printprodukt und immerhin 35% regelmäßig für Social Media.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 44%
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 56%
Nationale Projektbeteiligte
  • Folker Hanusch, Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Wiebke Loosen, Leibniz Gemeinschaft - Deutschland
  • Thomas Hanitzsch, Ludwig Maximilians-Universität München - Deutschland
  • Vinzenz Wyss, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften - Schweiz

Research Output

  • 32 Zitationen
  • 24 Publikationen
  • 1 Methoden & Materialien
  • 1 Datasets & Models
  • 4 Disseminationen
  • 3 Wissenschaftliche Auszeichnungen
Publikationen
  • 2025
    Titel Journalismus unter Druck: Österreich-Ergebnisse der dritten Welle der Worlds of Journalism Study. Forschungsberichte des Instituts für vergleichende Medien- und Kommunikationsforschung (CMC) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der...
    DOI 10.5281/zenodo.17160771
    Typ Other
    Autor Meier R
    Link Publikation
  • 2025
    Titel Diversität im journalistischen Selbstverständnis. Eine Analyse des Rollenselbst- und -fremdbildes traditioneller und peripherer Akteur*innen im österreichischen Journalismus
    DOI 10.5771/1615-634x-2025-3-424
    Typ Journal Article
    Autor Löhmann K
    Journal Medien & Kommunikationswissenschaft
  • 2025
    Titel Journalism Under Duress
    DOI 10.5282/ubm/epub.128812
    Typ Other
    Autor Hanitzsch (Ed.) T
    Link Publikation
  • 2025
    Titel Personal background of journalists; In: Journalism Under Duress: Worlds of Journalism Study Report (Wave 3: 2021-2025)
    Typ Book Chapter
    Autor F. Hanusch
    Verlag WJS Center
    Seiten 11-14
    Link Publikation
  • 2025
    Titel Worlds of Journalism Study Wave 3 (2021-2024) Consolidated Dataset
    Typ Other
    Autor C. Lauerer
    Link Publikation
  • 2025
    Titel Employment conditions; In: Journalism Under Duress: Worlds of Journalism Study Report (Wave 3: 2021-2025)
    Typ Book Chapter
    Autor J. Nicoletti
    Verlag WJS Center
    Seiten 14-17
    Link Publikation
  • 2025
    Titel Country freport: Austria; In: Journalism Under Duress: Worlds of Journalism Study Report (Wave 3: 2021-2025)
    Typ Book Chapter
    Autor R. Mitterstainer
    Verlag WJS Center
    Seiten 76-79
    Link Publikation
  • 2025
    Titel Am Rande des Journalismus: Rollenverständnis und Transformationsanspruch peripherer Akteur:innen in der DACH-Region
    Typ Journal Article
    Autor Filip Dingerkus
    Journal Medien & Kommunikationswissenschaft
  • 2025
    Titel Understanding journalist safety in Austria. In: Platform 'Safety of Journalists': A joint initiative between the University of Liverpool and the Worlds of Journalism Study, in co-operation with UNESCO
    Typ Other
    Autor J. Seethaler
    Link Publikation
  • 2025
    Titel Demokratisch wirksamer Journalismus in einer krisengeschüttelten Zeit; In: Medienhandbuch Österreich 2024/25
    Typ Book Chapter
    Autor J. Seethaler
    Verlag StudienVerlag
    Seiten 41-50
    Link Publikation
  • 2025
    Titel Journalistisches Rollenselbstverständnis als Wertorientierungen im Wandel: Beitrag zum Panel "Journalistische Wertorientierungen im DACH-Raum"
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor J. Seethaler
    Konferenz 70. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft (DGPuK)
  • 2025
    Titel Die transformative Kraft der journalistischen Peripherie: Eine vergleichende Analyse von Rand- und Kernbereichen im Berufsfeld Journalismus
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor A. Von Garmissen
    Konferenz Annual conference of the German Communication Association (DGPuK), Berlin
  • 2025
    Titel Transforming journalism? Results from a survey of peripheral journalists' role perceptions and transformational aims
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor F. Dingerkus
    Konferenz Future of Journalism Conference, Cardiff, UK
  • 2025
    Titel Vielfalt am Rand des Journalismus: Eine empirische Untersuchung peripherer Akteursgruppen
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor A. Von Garmissen
    Konferenz Annual conference of the German Communication Association's Journalism and Communication Studies Division
  • 2025
    Titel Journalistic Roles; In: Elgar Encyclopedia of Political Communication
    Typ Book Chapter
    Autor Riedl
    Verlag Edward Elgar Publishing
  • 2024
    Titel Nachrichtenqualität als journalistischer Prozess: Demokratietheoretisch fundierte Performanz zwischen Wollen, Sollen und Können
    Typ PhD Thesis
    Autor Andreas Riedl
    Link Publikation
  • 2024
    Titel Journalismus und Kultur; In: Handbuch Journalismustheorien
    Typ Book Chapter
    Autor Hanusch
    Verlag Springer VS
    Seiten 779-791
    Link Publikation
  • 2022
    Titel “I Can’t Just Pull a Woman Out of a Hat”: A Mixed-Methods Study on Journalistic Drivers of Women’s Representation in Political News
    DOI 10.1177/10776990211073454
    Typ Journal Article
    Autor Riedl A
    Journal Journalism & Mass Communication Quarterly
    Seiten 679-702
    Link Publikation
  • 2024
    Titel Nachrichtenqualität als journalistischer Prozess. Demokratietheoretisch fundierte Performanz zwischen Wollen, Sollen und Können
    DOI 10.25969/mediarep/23223
    Typ Book
    Autor Riedl A
    Verlag Herbert von Halem Verlag
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Dimensions of Peripherality in Journalism: A Typology for Studying New Actors in the Journalistic Field
    DOI 10.1080/21670811.2022.2148549
    Typ Journal Article
    Autor Hanusch F
    Journal Digital Journalism
    Seiten 1292-1310
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Dimensions of peripherality in journalism: An analysis of scholarly discourse on new actors in the journalistic field
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor F. Hanusch
    Konferenz 72th annual conference of the International Communication Association (ICA)
  • 0
    Titel Journalismus unter Druck
    Typ Book
    Autor F. Dingerkus
    editors T. Hanitzsch, F. Dingerkus, A. von Garmissen, F. Hanusch, C. Lauerer, W. Loosen, J. Seethaler, V. Wyss
    Verlag Springer VS
  • 2021
    Titel Mr. Gates and his Boy's Club? Understanding Gender Representations in Political News Coverage
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Riedl A
    Konferenz IAMCR Annual Conference
  • 2021
    Titel Journalistic factors influencing the representation of women in political news coverage: Results of a mixed methods study
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Riedl A
    Konferenz Brown Bag Lunch Lecture Series of the Vienna Centre for Societal Security (VICESSE)
Methoden & Materialien
  • 2025 Link
    Titel WJS-Questionnaire for the DACH region
    Typ Improvements to research infrastructure
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
Datasets & Models
  • 0 Link
    Titel Worlds of Journalism Study Wave 3 (2021-2024) Consolidated Dataset
    DOI 10.5281/zenodo.15280738
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
Disseminationen
  • 2024 Link
    Titel Presentation at a meeting of the "Internationales Forum für Wirtschaftskommunikation"
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
    Link Link
  • 2024 Link
    Titel Science Talk: Was ist die Kunst der Politik? Herausforderungen durch Desinformation und Fake News
    Typ A talk or presentation
    Link Link
  • 2024 Link
    Titel Interview with PI J. Seethaler in the magazine "Wirtschaftsjournalist:in"
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link
  • 2025 Link
    Titel Interview with the online magazine "MENSCHEN MACHEN MEDIEN", ed. by ver.di - Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft
    Typ A magazine, newsletter or online publication
    Link Link
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2025
    Titel Best Panel Award 2025 of the German Communication Association (DGPuK)
    Typ Research prize
    Bekanntheitsgrad National (any country)
  • 2024
    Titel Beste Publikation 2024 - Preis des Jubiläumsfonds der Stadt Wien
    Typ Research prize
    Bekanntheitsgrad National (any country)
  • 2024
    Titel Förderpreis Medienforschung des Verbands Österreichischer Zeitungen
    Typ Research prize
    Bekanntheitsgrad National (any country)

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