Der Codex Manesse. Sammlungsaufbau und Kontextualisierung
The Codex Manesse. Collection Structure, Contextualisation
DACH: Österreich - Deutschland - Schweiz
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (30%); Sprach- und Literaturwissenschaften (70%)
Keywords
-
Medieval German Poetry,
Codex Manesse,
Manuscript Studies,
Text Philology,
Reception History,
Transmission History
Der Codex Manesse ist eine von der UNESCO 2019 zum Weltdokumentenerbe nominierte, um 1300 entstandene Handschrift, die mit den Werken von 140 Autoren und 137 Miniaturen die umfangreichste Sammlung mittelhochdeutscher Lyrik darstellt. Das Projekt hat das Ziel, den Sammlungsaufbau der Handschrift zu erforschen. Gefragt wird, wie die Anordnung der Autoren und ihrer Werke überlieferungsgeschichtlich zustande kommt, um davon ausgehend Aussagen zu den Gliederungs- und Sammelprinzipien, die in der Handschrift wirksam sind, zu treffen sowie zum literaturgeschichtlichen Wissen, das sich darin abbildet. Zwar gibt es handschriftenkundliche und kunsthistorische Untersuchungen, die Aufschluss über die Entstehungsgeschichte des Codex geben, inhaltlich ist die Textsammlung jedoch nur unzureichend untersucht. Die literaturwissenschaftliche Forschung hat sich bisher hauptsächlich aufbestimmteAutorenkonzentriert unddiese losgelöst vom Sammlungskontext betrachtet. Die Überlieferungsgeschichte wurde (wenn überhaupt) isoliert in Hinblick auf einzelne Autoren bzw. Texte erforscht; die schrift- und buchkundlichen Befunde wurden in literaturwissenschaftlichen Arbeiten zumeist nicht berücksichtigt. Das geplante Projekt möchte diesem Desiderat abhelfen und die genannten Disziplinen zusammenführen. Ausgangspunkt dafür sind jüngere buchkundliche Untersuchungen, die zeigen, dass die Gliederung nach dem Ständeprinzip nicht das einzige Anordnungskriterium der Sammlung ist. Im Zug der Herstellung des Buches wurden die Pergamentlagen umgeordnet, z.T. auseinandergetrennt und neu zusammengefügt; etliche Doppelblätter wurden zerschnitten und in anderer Anordnung wieder zusammengenäht. Die Rekonstruktion dieser herstellungstechnischen Vorgänge macht einen Gestaltungswillen sichtbar, der inhaltlich bislang unerforscht ist. Im geplanten Projekt werden einzelne Handschriftensegmente herausgegriffen und es wird nach dem Zustandekommen der Gruppierungen gefragt. Hierfür werden verschiedene Deutungsperspektiven eingenommen, indem die Autoren und ihre Werke in Hinblick auf überlieferungsgeschichtliche, historische, poetologosiche und rezeptionsgeschichtliche Relationen untersucht werden. Diese Kontextualisierung wird grundlegende Erkenntnisse über den Sammlungsaufbau sowie das literaturgeschichtliche Wissen, das sich darin abbildet, hervorbringen. Des Weiteren sind Hinweise auf Vorlagen dieser Handschrift zu erwarten. Das Projekt wird damit einen maßgeblichen Beitrag zur Entstehungsgeschichte des Codex leisten. Die Ergebnisse werden im TEI-XML-Dateiformat angelegt, das den Grundstein für einen digitalen Gesamtkommentar des Codex Manesse legt. Sie werden zudem in einer von der Antragstellerin und dem Antragssteller gemeinsam mit den Projektmitarbeiter*innen verfassten Monografie veröffentlicht, die die textphilologische und literaturwissenschaftliche Untersuchung der ausgewählten Handschriftensegmente in Hinblick auf die Frage nach dem Sammlungsaufbau des Codex Manesse auswertet.
Der Codex Manesse, der im Mai 2023 von der UNESCO zum Weltdokumentenerbe ernannt wurde, ist eine um 1300 entstandene Handschrift, die mit den Werken von 140 Autoren und 137 Autorbildern die umfangreichste Sammlung mittelhochdeutscher Lyrik darstellt. Das Projekt hat in seiner ersten Förderphase (3/2021-10/2025) zwei Ziele verfolgt: Zum einen setzte es eine literatur- und philologiegeschichtliche Fragestellung an, indem der Sammlungsaufbau des Codex Manesse ausgehend von den handschriftenkundlichen Befunden untersucht wurde. Die Rekonstruktion der herstellungstechnischen Vorgänge macht einen Gestaltungswillen sichtbar, der inhaltlich vormals weitgehend unerforscht war. Im Projekt wurde das Zustandekommen der Anordnung der Liedtexte und der Werke exemplarisch für einzelne Handschriftensegmente untersucht. Hierfür wurden verschiedene Deutungsperspektiven eingenommen, indem die in diesen Segmenten enthaltenen Autoren und deren Texte in Hinblick auf überlieferungsgeschichtliche, historiographische, poetologische und rezeptionsgeschichtliche Relationen untersucht wurden. Zum anderen hatte das Projekt einen digitalen Schwerpunkt: Für die Texte der untersuchten Segmente (= ca. ein Viertel des Gesamtbestands des Codex Manesse) wurden auf der Transkriptionsplattform Transkribus Transkriptionen erstellt und als TEI/XML exportiert. Die im Projekt erarbeiteten kodikologischen, paläographischen und überlieferungsgeschichtlichen Befunde wurden mithilfe eines speziell angepassten Annotationsworkflows (Oxygen+ediarum) annotiert. Die Transkription der einbezogenen Textsegmente wurde so für die annotierten Daten durchsuch- und analysierbar. Auf dieser Basis wurde das inhaltliche und technische Konzept für eine Forschungsdatenbank zum Codex Manesse entwickelt und ausgearbeitet. Mit dem Ende der Laufzeit des DACH-Projekts lagen folgende Ergebnisse vor, die die Grundlage für die Fertigstellung der Forschungsdatenbank (zweite Förderphase, DFG) bilden: Erkenntnisse zum Sammlungsaufbau und zur Lagenstruktur der Handschrift, zur Anordnung der Oeuvres, zu den Schreibern, Illuminatoren und Malern, zur Überlieferungsgeschichte der Texte sowie zu einer Vielzahl an weiteren kodikologischen, paläographischen und überlieferungsgeschichtlichen Aspekten. Transkription und Annotation der kodikologischen, paläografischen und überlieferungsgeschichtlichen Befunde von ca. einem Viertel des Gesamtbestands des Codex Manesse Entwicklung des technischen und inhaltlichen Konzepts für die Forschungsdatenbank sowie des Hostings und der Langzeitarchivierung Die Ergebnisse der Projektarbeit wurden in regelmäßigen Abständen auf Projektworkshops mit den Kooperationspartner*innen diskutiert. Des Weiteren wurden sie auf zahlreichen Tagungen sowie im Rahmen von Gastvorträgen und Workshops einer breiteren Fachöffentlichkeit vorgestellt und in verschiedenen Formaten und Reihen publiziert. Auf der Basis dieser umfangreichen Vorarbeiten wird die Forschungsdatenbank in der derzeit bei der DFG beantragten zweiten Förderphase fertiggestellt.
- Universität Augsburg - 100%
- Andreas Hammer, Universität Köln - Deutschland
Research Output
- 4 Publikationen
- 1 Policies
- 2 Disseminationen
- 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
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2026
Titel Neidhart im Codex Manesse. Untersuchung zum poetischen Profil des Autorcorpus in Handschrift C unter Berücksichtigung des Blattverlustes sowie des Überlieferungskontextes. Typ PhD Thesis Autor Claudia Maria Kraml -
2026
Titel Nießl, Dominik Andreas: Die Kleine Liederhandschrift A (CPG. 357). Untersuchungen zu Vorlagensituation, Corpusanlage und Sammlungsaufbau nebst zeichengetreuer Transkription der gesamten Kleinen Hei Typ PhD Thesis Autor Dominik Andreas Kiel -
2025
Titel Überlegungen zur zeitlichen Abfolge der Liedeinträge und zum Sammlungsaufbau des Codex Manesse. Statistische Auswertung der Abbreviaturen in ausgewählten Corpora des Grundstocks Typ Journal Article Autor Sünder Journal Euphorion 119 (2025) -
2024
Titel Johann Jakob Bodmers anthologische Ausgaben des Codex Manesse (Zürich 1748; 1758/59) Typ Conference Proceeding Abstract Autor Bleuler Konferenz Anthologien der Frühen Neuzeit im europäischen Kontext (Innsbruck 2022)
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2024
Titel AKB Typ Influenced training of practitioners or researchers
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2023
Titel AKB Typ A broadcast e.g. TV/radio/film/podcast (other than news/press) -
2023
Titel AKB Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
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2024
Titel Festvortrag Promotionsfeier Universität Augsburg Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Regional (any country)