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Hund oder Herrl? Koprolithen aus einer Pfahlbausiedlung

Dog or its master? Coprolites from a Slovenian pile dwelling

Alfred Galik (ORCID: 0000-0002-7070-1035)
  • Grant-DOI 10.55776/I4977
  • Förderprogramm Einzelprojekte International
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.01.2021
  • Projektende 31.12.2024
  • Bewilligungssumme 95.639 €
  • Projekt-Website

Bilaterale Ausschreibung: Slowenien

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Naturwissenschaften (20%); Biologie (50%); Geschichte, Archäologie (30%)

Keywords

    Ichthyoarchaeology, Prehistory, Coprolite, Pile-Dwelling, Hygiene, Biomarker

Abstract Endbericht

Das wissenschaftliche Projekt beschäftigt sich mit prähistorischen archäologischen Funden aus Stare gmajne in Slowenien. Die Seeufer-Siedlung befindet sich in der Region Ljubljansko barje, wo vierzig solcher prähistorischen Fundstellen dokumentiert sind. Ausgrabungen förderten viele organische Reste aus dem Feuchtboden zu Tage, die unter normalen Erhaltungsbedingungen in der Erde nur in verkohltem Zustand erhalten bleiben und sie gestatten einen interessanten Einblick in die täglichen Aktivitäten und Ernährung der Menschen. Die verschiedenen pflanzlichen Groß- und Kleinreste sind nicht nur Nahrungsreste, sondern auch Schnüre oder hölzerne Gebrauchsgegenstände. Die Tierreste sind außerordentlich gut erhalten geblieben und stammen von Nutz- und Wildtieren. In dieser Fundstelle konnten bis dato sechzehn sehr gut erhaltene Faeces, sogenannte Koprolithen, gefunden werden. Diese Kot-Funde enthalten direkte Informationen über die Ernährungsweise der Individuen. Allerdings kann anhand der Form der Koprolithen nicht entschieden werden, ob sie von Menschen oder Hunden stammen. Daher muss der unverdaute Rückstand der Koprolithen genau untersucht werden. In multidisziplinären Untersuchungen werden Pollen, archäobotanische, archäozoologische wie auch paläoparasitologische Reste analysiert. Die aus den Koprolithen isolierten organischen Überreste müssen möglichst genau bestimmt werden, um die Faeces-Produzenten zu identifizieren. Ein auffällig hoher Anteil an Fischkopf Knochen neben anderen tierischen Resten könnte allerdings darauf hinweisen, dass die Hunde damit gefüttert worden wären. Zusätzlich werden fäkale chemische Biomarker im Labor untersucht. Anhand der verschiedenen in den Koprolithen enthaltenen Fettsäuren können Rückschlüsse gewonnen werden, ob die Ernährung hauptsächlich aus Fleisch oder aus Pflanzen bestanden hat. Die erhaltenen pflanzlichen Reste geben ebenfalls über die Art der Ernährung Auskunft und können allenfalls auch Informationen über die Jahreszeit bieten. Die Studien der Magen- und Darm-Parasiten bieten großes Potential zur Identifikation ihres Wirtes. Gemeinsam mit aDNA Analysen und einer radiometrischen Datierung von Koprolithen-Inhalten kann voraussichtlich abgeleitet werden, ob die Faeces menschlichen Ursprunges sind und wie alt sie sind. Das jungsteinzeitliche Fundmaterial ist wichtig, da derartig Koprolithen sehr selten so gut erhalten sind. Die Ergebnisse bieten eine außerordentliche Möglichkeit, die Ernährung der Individuen zu studieren und andererseits durch die multidisziplinäre Forschung auch wissenschaftlich fundierte und objektive Kriterien für die Unterscheidung von tierischen und menschlichen Koprolithen zu setzen.

Im slowenischen Laibacher Moor befindet sich die eneolithische Seeufersiedlung Stare Gmajne. Im wassergesättigten Sediment finden sich sehr gute Erhaltungsbedingungen, die hervorragende Überlieferung organischer Funde wie beispielsweise seltene Koprolithen bedingen. Das Hauptforschungsziel des internationalen interdisziplinären Projekts war es den Ursprung dieser Koprolithen herauszufinden - ob sie von Menschen oder Hunden stammen. Nach entsprechender Dokumentation wurden aus den Koprolithen Proben für verschiedene Untersuchungen, wie DNA-Analysen, Paläoparasitolgie, Pollen und biochemische Analysen, genommen. Der Rest der Koprolithen wurde gelöst, durch ein feines Sieb gewaschen und für Makro-Analysen selektiert. Die Forschungsexpertise des österreichischen Parts war hauptsächlich die Untersuchung der Fisch- und anderer Knochenreste sowie der chemischen Untersuchung der Koprolithen. Zusätzlich wurden auch Proben aus Gefäßen, aus Moosansammlungen und Bodenproben in der Ausgrabung geborgen, gesiebt und untersucht. Insgesamt konnten rund 9000 archäozoologische Funde bearbeitet werden, darunter befanden sich auch Knochen von kleinen Enten und anderen nicht genauer bestimmbaren Tieren. Die Fischreste geben einen guten Überblick über die aus einem flachen See gefangene Ichthyofauna im Bereich des Laibacher Moores. Die meisten Fische stammen aus den Sedimentproben und die geringsten Funddichten stammen aus den Koprolithen und sie reflektieren ein großes Artenspektrum. Eher unerwartete und wenige Funde stammen von Aal, Stör und Neunauge. Vereinzelt ließen sich auch Schmerling, Koppen und ein paar Reste kleiner Flusswelse nachweisen. Die häufigste Fischart sind Karpfenartige, worunter Laube, Karpfen, Aitel und Rotauge bestimmt werden konnte. Die zweitgrößte Gruppe sind Hechte, gefolgt von Flussbarschen und wenigen Kaulbarschen. Bis auf einige Hechtfunde stammen der größte Teil von relativ kleinen Fischen. Die kleinen Fische waren offenbar der wichtigste Bestandteil in den Fängen der Bewohner der Seeufersiedlung. Die verschiedenen Fischarten unterscheiden sich nicht nennenswert zwischen den Koprolithen und den anderen Proben. Die äußere Form aller Koprolithen ist sich sehr ähnlich. Die Nahrung der zwei- und vierbeinigen Individuen war betreffend das tierische Protein offenbar gleichartig. Die chemisch untersuchten Proben deuten auf eine gemischte Kost hin, die durch die identifizierbaren Cholesterin-Peaks und durch das Muster der detektierbaren Aminosäuren auf eine zumindest teilweise fleischhaltige Ernährung hindeutet. Allerdings konnte auch ein großer Anteil an pflanzlichen Bestandteilen festgestellt werden. Unterschiede offenbaren sich anhand intestinaler Parasiten und anhand unterschiedlicher Verdauungsintensität, woraus sich ergibt, dass menschliche wie auch Hunde Koprolithen vorliegen könnten. Die Hunde sind wahrscheinlich mit dem Abfall menschlicher Nahrung gefüttert worden und beiderlei Exkremente akkumulierten am Rande der Siedlung. Die Häufigkeit von Moos-Ansammlungen in diesen Fundbereichen könnten ebenfalls auf Fäkalentsorgung hinweisen, da das hydrophile Moos über exzellente hygienische Eigenschaften verfügt.

Forschungsstätte(n)
  • Technische Universität Wien - 15%
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 85%
Nationale Projektbeteiligte
  • Erwin Rosenberg, Technische Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Tjasa Tolar, Sonstige Forschungs- oder Entwicklungseinrichtungen - Slowenien

Research Output

  • 9 Publikationen
  • 2 Disseminationen
Publikationen
  • 2024
    Titel Archaeobotanical analysis of the judgement samples from research of Stare gmajne, an Eneolithic pile-dwelling site: mosses, vessel contents and the analysis of the wooden artefacts / Arheobotanična analiza po presoji odvzetih vzorcev z eneolitskega kolišča Stare gmajne: mah, polnila posod in leseni artefakti
    Typ Journal Article
    Autor Matika D.
    Journal Arheološki vestnik
    Seiten 411-440
  • 2024
    Titel Lars. Le chien ou son matre? : recherche interdisciplinaire sur les coprolithes de lhabitat palafittique néolithique de Stare Gmajne en Slovénie ; The dog or its master? : further interdisciplinary research on coprolites from Site Stare Gmajne Eneollithic pile dwelling site in Slovenia
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Podobnik T.
    Konferenz 44e rencontres internationales d'archéologie et d'histoire de Nice Côte d'Azur : fumier, bouses et guano = dung, manure and guano : ordures ou or brun ? : garbage or brown gold? : 15 - 17 octobre 2024 Auditorium du Parc Phoenix, Nice
    Seiten 40
    Link Publikation
  • 2024
    Titel The dog or its master? : further interdisciplinary research on coprolites from Site Stare Gmajne Eneollithic pile dwelling site in Slovenia
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Galik A.
    Konferenz Persisting with change : abstract book : 30th EAA Annual Meeting, Rome, Italy, 28th - 31st August 2024. Rome
    Seiten 1319
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Pes ali njegov gospodar? Interdisciplinarna študija koprolitov s kolišča Stare gmajne
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Galik A.
    Konferenz THE CONVERGENCE OF MILLENNIA - 2. SKLOP: INTERDISCIPLINARNA POVEZOVANJA STROK V PROCESIH RAZISKOVANJA KULTURNE DEDIŠČINE
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Multi-proxy analysis of waterlogged preserved Late Neolithic canine excrements
    Typ Journal Article
    Autor Galik A.
    Journal Vegetation history and archaeobotany [Print ed.]
    Seiten 107-118
  • 2021
    Titel Fisch und Frosch am Seeufer aus Mooswinkel am Mondsee, Austria
    Typ Journal Article
    Autor Galik A.
    Journal Palafittes News
    Seiten 48-53
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Slovenia Stare gmajne pri Verdu - Arheološko najdišče presežkov Stare gmajne near Verd - An archaeological site of superlatives
    Typ Journal Article
    Autor Leghissa E.
    Journal Palafittes News
    Seiten 100-105
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Coprolites and fish bones from the Ljubljansko barje in Slovenia. Fish remains out of Coprolites
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Galik A.
    Konferenz "pre"-FRWG online meeting in Vienna 23.08.2021
    Link Publikation
  • 2022
    Titel New coprolites and fish bones from the Ljubljansko barje in Slovenia
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Galik A.
    Konferenz ICAZ Fish Remains Working Group meeting in Vienna 22.08. - 27.08.2022
    Seiten 19
    Link Publikation
Disseminationen
  • 2023 Link
    Titel Die Presse
    Typ A magazine, newsletter or online publication
    Link Link
  • 2021 Link
    Titel Unesco World Heritage
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
    Link Link

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