Hybridgrenzflächen im thermodynamischen Gleichgewicht
Hybrid Interfaces in Thermodynamic Equilibrium
DACH
Wissenschaftsdisziplinen
Physik, Astronomie (100%)
Keywords
- Phase Diagrams,
- Organic-Inorganic,
- Machine Learning,
- Growth
Die Struktur, in der sich organische Moleküle zusammenfügen, ist entscheidend für ihre Eigenschaften. Dies wird in vielen modernen Anwendungen genutzt, insbesondere im Kontext der organischen Elektronik. Ein Beispiel hierfür ist die Leistungsfähigkeit von OLED-Displays (z. B. dem Bildschirm deines Handys), bei denen das Polymorph, in dem die organischen Moleküle kristallisieren, entscheidend die Leistungsaufnahme bestimmt, also wie schnell ein aktiver Bildschirm den Akku leert. Grundsätzlich kann die Struktur des organischen Materials durch die Wachstumsbedingungen beeinflusst werden, z. B. durch Verwendung einer anderen Temperatur, eines anderen Drucks, eines anderen Lösungsmittels oder ähnlichem. Da das Ausprobieren all dieser unterschiedlichen Bedingung en mühsam ist, würde sich die Auswahl der besten idealerweise von theoretischen Vorhersagen leiten lassen. Obwohl diese Vorhersagen, angetrieben durch eine Kombination aus quantenmechanischen Berechnungen und Algorithmen des maschinellen Lernens, in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht haben, ist ihre Genauigkeit praktisch in eine Sackgasse geraten. Dies liegt zum Teil daran, dass die Analyse dieser Daten auf mehreren Näherungen beruht, die ursprünglich für relativ einfache anorganische Materialien (wie Silizium) gemacht wurden, aber nie für komplexere organische Stoffe validiert wurden. Die Situation wird noch dadurch erschwert, dass gute experimentelle Daten, die es erlauben, diese Annahmen zu validieren, rar sind. Das grundlegende Ziel dieses Projekts ist daher zweierlei. Zuerst erstellen wir einen experimentellen Benchmark-Datensatz, in dem wir die Struktur verschiedener organischer Moleküle sammeln, die an verschiedenen organischen Materialien für verschiedene Wachstumsbedingungen abgeschieden wurden. Dabei ist es kritisch, sicher zu stellen, dass das Material seine richtige Struktur finden kann. Um dies zu erreichen, werden wir eine neue, spezialisierte Experimentierkammer bauen, die eine beispiellose Kontrolle über die Bedingungen ermöglicht und gleichzeitig die Struktur vermisst. Parallel dazu werden wir die verschiedenen Näherungen, die für anorganische Materialien gemacht wurden, bewerten und prüfen, inwieweit sie auch für organische Materialien geeignet sind. Dies wird uns neue Einblicke in die Physik geben, die die Struktur organischer Polymorphe bestimmt, und uns helfen, neue, bessere Materialien für technologische Anwendungen zu entwickeln.
Das Projekt HI-TEq untersuchte, wie sich organische Moleküle auf Metalloberflächen anordnen und wie sich solche hybriden Grenzflächen durch die Kombination aus modernen Simulationen und präzisen Experimenten zuverlässiger vorhersagen lassen. Das übergeordnete Ziel bestand darin, Referenzdaten für die Bildung molekularer Phasen zu erzeugen und theoretische Methoden zu verbessern, mit denen vorhergesagt werden kann, welche Grenzflächenstrukturen unter bestimmten experimentellen Bedingungen stabil werden. Im Verlauf des Projekts verband das Konsortium theoretische Entwicklungen in Graz mit speziell entwickelten oberflächenphysikalischen Experimenten in Jena. Auf theoretischer Seite wurden die in der ab-initio-Thermodynamik üblichen Näherungen systematisch überprüft und neue Ansätze entwickelt, um häufig vernachlässigte Beiträge - insbesondere Konfigurations- und Schwingungsbeiträge zur freien Energie - effizienter zu berücksichtigen. Neue rechnergestützte Arbeitsabläufe ermöglichten es, diese Effekte auch für komplexe organisch-metallische Grenzflächen praktikabel zu behandeln. Experimentell wurde eine spezielle Ultrahochvakuum-Plattform aufgebaut, mit der molekulare Schichten unter Bedingungen untersucht werden konnten, die dem thermodynamischen Gleichgewicht deutlich näherkommen als konventionelle Wachstumsverfahren. Erste Benchmark-Systeme lieferten hochaufgelöste Strukturinformationen und ermöglichten einen direkten Vergleich zwischen Experiment und Simulation. Die wissenschaftlichen Ergebnisse gingen über die ursprünglichen Projektziele hinaus. Veröffentlichungen zeigten, wie Gitterkonstanten des Substrats die Ausbildung unterschiedlicher Grenzflächenstrukturen unabhängig von chemischen Effekten beeinflussen, klärten die Rolle von Konfigurations- und Schwingungsbeiträgen für die Stabilität verschiedener Phasen und zeigten, wie kollektive molekulare Kinetik bestimmt, ob thermodynamisch bevorzugte Strukturen unter realistischen Bedingungen tatsächlich entstehen können. Weitere Arbeiten befassten sich mit metastabilen Grenzflächenstrukturen und stärkten die Verbindung zwischen Gleichgewichtsthermodynamik und experimentell zugänglichen Wachstumsprozessen. Insgesamt lieferte HI-TEq ein deutlich verbessertes Verständnis dafür, wie thermodynamische und kinetische Effekte gemeinsam die Strukturbildung an hybriden Grenzflächen bestimmen. Das Projekt schuf methodische Grundlagen und Referenzkonzepte, die künftig die vorausschauende Entwicklung komplexer Grenzflächen verbessern und die Forschung im Bereich des computergestützten Materialdesigns und der Grenzflächenphysik beschleunigen sollen.
- Technische Universität Graz - 100%
- Egbert Zojer, Technische Universität Graz , nationale:r Kooperationspartner:in
- Roman Forker, Friedrich Schiller Universität Jena - Deutschland
- Torsten Fritz, Friedrich Schiller Universität Jena - Deutschland
Research Output
- 15 Zitationen
- 10 Publikationen
- 3 Datasets & Models
-
2025
Titel When Aromaticity Falls Short in Molecule–Surface Interactions DOI 10.1021/acs.jpcc.5c05441 Typ Journal Article Autor Brandhoff J Journal The Journal of Physical Chemistry C Seiten 20738-20745 Link Publikation -
2026
Titel Polymorphism of Organic/Inorganic Interfaces Typ PhD Thesis Autor Christoph Wachter Link Publikation -
2026
Titel Optimal Control of Hybrid Interface Polymorph Control Typ PhD Thesis Autor Simon Hollweger -
2023
Titel Interplay of Adsorption Geometry and Work Function Evolution at the TCNE/Cu(111) Interface DOI 10.1021/acs.jpcc.3c06422 Typ Journal Article Autor Niederreiter M Journal The Journal of Physical Chemistry C Seiten 24266-24273 Link Publikation -
2025
Titel Metastable Monolayer Formation through a Connector Structure DOI 10.1021/acs.jpcc.5c02249 Typ Journal Article Autor Hollweger S Journal The Journal of Physical Chemistry C Seiten 13023-13029 Link Publikation -
2024
Titel Lead Phthalocyanine on Graphitic Surfaces: A Case Study of the Determination of Epitaxial Relations DOI 10.1021/acs.cgd.4c01055 Typ Journal Article Autor Forker R Journal Crystal Growth & Design -
2024
Titel Kinetic Trapping of Charge-Transfer Molecules at Metal Interfaces DOI 10.17169/refubium-42572 Typ Other Autor Hollweger S Link Publikation -
2024
Titel Kinetic Trapping of Charge-Transfer Molecules at Metal Interfaces DOI 10.1021/acs.jpcc.3c08262 Typ Journal Article Autor Werkovits A Journal The Journal of Physical Chemistry C Seiten 3082-3089 Link Publikation -
2023
Titel Kinetic trapping of charge-transfer molecules at metal interfaces DOI 10.48550/arxiv.2310.01243 Typ Preprint Autor Werkovits A -
2023
Titel Interplay of Adsorption Geometry and Work Function Evolution at the TCNE/Cu(111) Interface DOI 10.17169/refubium-42071 Typ Other Autor Cartus J Link Publikation
-
0
Link
Titel Data for publication "Impact of the Lattice Constant on the Polymorphism of Organic/Inorganic Interfaces " DOI 10.17172/nomad.9cc5-1wwp Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich Link Link -
2026
Link
Titel kinetic Monte Carlo Simulation for the publication "Metastable Monolayer Formation through a Connector Structure" DOI 10.3217/vkg34-1xy16 Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich Link Link -
2024
Link
Titel DFT data underlying the Publication "Phase diagrams for organic/metal interfaces: Significance of configurational and vibrational energies " by Wachter et al. DOI 10.17172/nomad/2024.12.06-2 Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich Link Link