Inschriften als Zeugnisse frommer Reisen
Epigraphies of Pious Travel
Bilaterale Ausschreibung: Russland
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
-
Epigraphik,
Byzantinistik,
Pilgerwesen,
Griechisch,
Russisch
Mit dem Beginn des 4. Jahrhundert n. Chr., zunächst im Zuge der Tolerierung des Christentums durch Kaiser Konstantin den Großen und dann mit der Aufwertung zur Staatsreligion des Römischen Reiches, sind Pilgerströme zu den heiligen Stätten und anderen Kultorten zu registrieren. Widerhall fanden die Reisen von PilgerInnen in schriftlichen, vor allem der Hagiographie angehörenden Quellen. Sie sind jedoch auch durch die materielle Kultur manifestiert, d.h. durch Bauwerke und Objekte, etwa solchen, die von PilgerInnen auf ihren Reisen mitgenommen oder von den heiligen Stätten quasi als Souvenir und Zeichen der Frömmigkeit nach Hause gebracht wurden. Bislang kaum berücksichtigt wurden inschriftliche Vermerke von PilgerInnen entweder auf der Reise zu und von den Pilgerorten oder in den heiligen Stätten selbst. Während es für den mittelalterlich lateinischen, d.h. westeuropäischen, Bereich und dessen Inschriften größere Forschungen gibt, existieren solche für den griechischsprachigen, d.h. byzantinischen, Osten kaum. Dies trifft auch auf inschriftliche Zeugnisse von PilgerInnen der Rus, d.h. dem mittelalterlich russischen Bereich, zu. Wir finden in den heiligen Stätten des Ostens sowohl griechische als auch altrussische Inschriften, die von PilgerInnen zurückgelassen wurde. Dabei handelt sich um Inschriften informellen Charakters, die als Graffiti und Dipinti charakterisiert werden. Diese reichen von der Nennung bloßer Namen und kurzen Anrufungen an Gott, die Muttergottes oder an Heilige bis zu ausführlicheren in Baustrukturen angebrachten Texten. Wie auch noch heute bestand die Motivation, sich auf diese Weise zu verewigen, mit dem Wunsch in Einklang, seine Präsenz zu demonstrieren bzw. seine Pilgerschaft zu dokumentieren. Die durch das Projekt Inschriften als Zeugnisse frommer Reisen erfasste Dokumentation von griechischen und altrussischen Inschriften dient neben dem Erstellen eines Profils eines/r klassischen PilgerIn vor allem dem Nachvollziehen bzw. der Sichtbarmachung von Pilgerrouten. Die Pilgerrouten führten in erster Linie nach und durch Kleinasien (etwa Ephesos, Aphrodisias und Myra) und die Levante, darüber hinaus aber auch in den Norden: So finden wir in Kirchen der Rus, z.B. der Sophienkirche in Kiev, griechische Pilgerinschriften ebenso wie wir altrussische Pilgerinschriften an byzantinischen Orten wie der Hagia Sophia in Konstantinopel finden. Im Rahmen des Projekts werden die Pilgerinschriften in einer open access Online-Datenbank erfasst. Darüber hinaus sollen in einer ebenso open access interaktiven Landkarte die Pilgerrouten anhand der inschriftlichen Zeugnisse sichtbar gemacht werden. Neben der Erstellung dieser Hilfsmittel umfasst das Projekt ein breites wissenschaftliches Spektrum mit zahlreichen Publikationen und einer größeren Tagung, die in Wien stattfinden wird.
- Ina Eichner, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Andreas Külzer, Österreichische Akademie der Wissenschaften , nationale:r Kooperationspartner:in
- Johannes Preiser-Kapeller, Österreichische Akademie der Wissenschaften , nationale:r Kooperationspartner:in
- Mustafa Sayar, Istanbul University - Türkei
- Ian Rutherford, University of Reading - Vereinigtes Königreich