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Berufliche Gleichstellungspolitik in der Schweiz

Development & governance of Swiss equal opportunity policies

Andrea Leitner (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/I554
  • Förderprogramm Einzelprojekte International
  • Status beendet
  • Projektbeginn 09.01.2011
  • Projektende 08.01.2014
  • Bewilligungssumme 18.910 €
  • Projekt-Website

DACH: Österreich - Deutschland - Schweiz

Wissenschaftsdisziplinen

Politikwissenschaften (70%); Soziologie (30%)

Keywords

    Equal Opportunity Policy, Comparative Policy, Governance, Switzerland, Austria, Germany

Abstract Endbericht

Erwerbsarbeit ist ein zentrales Feld für die Gleichstellung der Geschlechter, weil sie eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für eigenständige Existenzsicherung und Autonomie ist. Der Anstieg weiblicher Erwerbsquoten und des Bildungsniveaus in der Schweiz hat sich jedoch nicht egalitäreren Verhältnissen bei Lohn, Laufbahn und Führungspositionen niedergeschlagen. Im Erwerbsleben wirken offenbar unabhängige Diskriminierungsmechanismen, weshalb für die berufliche Gleichstellung politische Interventionen erforderlich sind. Trotz politischer Bekenntnisse und vielfältiger Massnahmen fehlen allerdings durchschlagende Erfolg. Ziel des Projektes ist es, Grundlagenwissen zu Herkunft, Dynamik und dem Zusammenspiel von Massnahmen im Bereich beruflicher Gleichstellungspolitik in der Schweiz zu schaffen. Mit einer über Einzelmassnahmen hinausgehenden Perspektive werden Steuerungsmechanismen analysiert. Mit diesem Wissen ist es für staatliche Akteure möglich, Programme künftig adäquater zu konzipieren und abzustimmen. Forschungsgegenstand sind Kernbereiche expliziter beruflicher Gleichstellungspolicies, also Entwürfe, Gesetze und Programme, die auf eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männer an bezahlter Arbeit zielen und Adressatengruppen im Wohlfahrtsdreieck Staat, Markt und Familie ansprechen. Für die Schweiz werden Antidiskriminierung und aktive Gleichstellungsförderung bei privaten Arbeitgebern, die Gestaltung von Rahmenbedingungen und Programmen zur Vereinbarkeit sowie die aktive Gleichstellungsförderung öffentlicher Arbeitgeber am Beispiel des Bundesprogramms Chancengleichheit an Universitäten seit Mitte der 1990er Jahre untersucht. Hier sind Agenda-Setting, Politikformulierung und die Steuerung der Policies kaum erforscht. Zentrale Merkmale von Gleichstellungspolitik, nämlich ihre Verknüpfung mit normativen, auch widersprüchlichen Leitbildern, häufig unklare Zielbestimmungen und Interdependenzen mit anderen Politikbereichen schlagen sich in der vielschichtigen Wahl und Kombination von Steuerungsprinzipien (aktive oder passive hierarchische Regulierung, "Promoting" mit Sensibilisierung und Beratung sowie Rahmensteuerung) nieder, die im Ergebnis eine sanftere oder stärkere Steuerung bedeuten. Wir gehen davon aus, dass Politikformulierung und die Herausbildung von Steuerungsmuster durch Framing der Themen, Ideen und Interessen, politische Kräfteverhältnisse und institutionelle Rahmenbedingungen beeinflusst werden. Wir fragen nach Problem- und Lösungsformulierungen, Akteurskonstellationen und den Steuerungsprinzipien. Dazu werden politische Initiativen und Massnahmen in den drei Bereichen in Bund und Kantonen erhoben und klassifiziert. Es wird ein Spektrum relevanter Fälle ausgewählt, die sich in ihren Steuerungsmustern möglichst unterscheiden für eine genauere Prozessrekonstruktion. Diese erfolgt mit standardisierten Befragungen, Experteninterviews und Analyse von Policydokumenten. Die so erhaltenen Fallstudien werden mit dem sog. Actor Process Event Scheme standardisiert, einer sozialen Netzwerkanalyse unterworfen und so vergleichend analysiert. Komparative Expertisen zur Steuerung der gleichen Politiken in Deutschland und Österreich sind Teil des Projekts. In diesem most similar systems design verfügen die Nachbarländer über sehr ähnliche Kontextbedingungen hinsichtlich ihrer Geschlechterarrangements, doch sind in letzter Zeit unterschiedliche politische Antworten und Entwicklungspfade sichtbar, so dass heute tendenziell dem "Antidiskriminierungsprofil" der Schweiz ein "Vereinbarkeitsprofil" in Deutschland und Österreich gegenübersteht. Wir werden herausarbeiten, welche der genannten Einflussfaktoren ausschlaggebend für die Herausbildung verschiedener Profile sein könnten und durch eine differenziertere Betrachtung der schweizerischen Besonderheiten Erfolg versprechende Handlungsmöglichkeiten für die Schweiz herauszuarbeiten. Schliesslich lassen sich aus einem Vergleich Potentiale und Verbesserungsmöglichkeiten internationalen politischen Lernens herausarbeiten.

Gleichstellungspolitik für öffentlich Bedienstete ist kaum Forschungsthema, obwohl dem öffentlichen Dienst als politische Institution eine Vorbildfunktion zukommt, durch die Leitideen für die Organisation von Arbeitsprozessen nach außen hin sichtbar gemacht werden und der öffentliche Sektor ein wichtiges Beschäftigungsfeld für Frauen darstellt. Mit dem Vergleich von institutionellen und substantiellen Maßnahmen der Gleichstellungspolitik im Bundesdienst zwischen Schweiz, Deutschland und Österreich werden ähnliche Geschlechterregime aber unterschiedliche Policy- und Steuerungsregime berücksichtigt. Ziel des Vergleichs war die Analyse von Gemeinsamkeiten und Unterschieden der Regelungs- und Koordinierungslösungen in den drei Ländern. Dies ist eingebettet in ein Schweizer Projekt zur Steuerung und Genese von beruflicher Gleichstellungspolitik.Gleichstellungspolitik im Bundesdienst in Österreich ist wie in Deutschland durch eine stark formalisierte Gleichstellungspolitik gekennzeichnet. Dabei sind sowohl Einflüsse von Gender Mainstreaming wie auch Gender Budgeting ersichtlich. Die Frauenförderpläne unterscheiden sich zwar deutlich zwischen den Ressorts und enthalten teilweise Regelungen, die wenig Praxisrelevanz aufweisen, sind aber vor allem durch die darin enthaltenen Berichtspflichten über die Beschäftigungsstruktur, die in Form von Gleichstellungsberichten öffentlich vorliegen, wirksam. Damit erreichen Frauenquoten, die durch das Gleichbehandlungsgesetz vorgegeben werden, eine hohe Verbindlichkeit. Die Institutionalisierung von Gleichbehandlungsbeauftragten und ihre Vernetzung in der IMAG-GMB tragen dazu bei. Inhaltlich unterscheiden sich die Regelungen und Maßnahmen von der Schweiz durch den starken Vereinbarkeitsschwerpunkt. Im Vergleich mit den gleichstellungspolitischen Maßnahmen in der Privatwirtschaft ist der Antidiskriminierungsaspekt bei Einstellungen und Karriereförderung hingegen deutlich stärker ausgebaut. Gemessen an der Privatwirtschaft werden Maßnahmen zur Vereinbarkeit, insbesondere die Möglichkeit der Teilzeit, von Bundesbediensteten weniger stark genutzt. Der positive statistische Befund, nachdem der Frauenanteil im Bundesdienst im Allgemeinen und in leitenden Positionen höher ist als in Deutschland und in der Schweiz, ist aber stärker auf die Zusammensetzung des Bundesdienstes zurückzuführen: In Österreich sind LehrerInnen im Bundesdienst mit einem Anteil von 30% der Beschäftigten mitenthalten, während sie in der Schweiz und in Deutschland organisatorisch ausgeschlossen sind.

Forschungsstätte(n)
  • Institut für Höhere Studien - IHS - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Thomas Widmer, University of Zurich - Schweiz

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