Behandlungsentscheidung anhand von Organoiden bei Magenkrebs (REDESIGN)
Treatment decision based on organoids in gastric cancer
Wissenschaftsdisziplinen
Gesundheitswissenschaften (20%); Informatik (20%); Klinische Medizin (30%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (30%)
Keywords
-
Gastric cancer,
Patient-Derived Cancer Organoids,
Personalised Treatment,
Drug Resistance,
Patient Perspectives,
Ethics And Organisation
Magenkarzinome sind mit einer geschätzten Häufigkeit von mehr als 1 Million neuer Fälle pro Jahr weltweit im Zunehmen. Selbst in Europa liegt die 5-Jahres Überlebensprognose trotz der guten medizinischen Versorgung nur bei einem Viertel. Magenkarzinome werden hauptsächlich mit klassischer Chemotherapie (Zytostatika) behandelt, und es besteht dringender Bedarf an effizienteren Therapien, die auf den einzelnen Patienten abgestimmt sind. In unserem Forschungsprogramm gewinnen wir Organoide aus den Tumor-Biopsien der Patienten (PDOs). Mithilfe dieser Mini-Organe in einer Petrischale können wir den Individuellen Tumor eines Patienten abbilden um ein individuelles Behandlungsgrogramm zu entwickeln und Zytostatika-Resistenzen der Krebszellen vorherzusagen. Mithilfe unserer PDOs können wir auch den dynamischen Aspekt der klonalen Evolution abbilden, bei dem einzelne Krebszellen der Behandlung durch räumliche Abkapselung oder Entwicklung zusätzlicher Behandlungs-Resistenzen entkommen. Dadurch kann die Therapie des einzelnen Patienten laufend angepasst werden, um eine bestmögliche Behandlung zu gewährleisten. Das multi-disziplinäre REDESIGN-Konsortium besteht aus vier Forschungsgruppen unter der Leitung von Dr. Daniel Stange vom Universitätsklinikum Dresden. Sein Team hat in den letzten Jahren eine umfassende Biobank mit PDOs von gastrointestinalen Tumoren etabliert, wobei jedes Organoid die Eigenschaften des primären Patiententumors rekapituliert und deshalb als Modell dafür dient. Dr. Bon Kyoung Koos Team vom IMBA in Wien verwendet Organoide, um das klonale Verhalten von Krebszellen näher zu untersuchen, und wird uns ermöglichen, auftretende Mutationen zu bestimmen und nachzuverfolgen, und so Behandlungsresistenzen aufzuzeigen. Dr. Steffen Rulands vom MPI für Physik komplexer Systeme Dresden arbeitet an theoretischen Vorhersagemodellen der klonalen Evolution, und an der Analyse von Next-Generation-Sequenzierdaten. Unser Team wird von Dr. Mette Nordahl Svendsen von der Universität Kopenhagen vervollständigt. Dr. Svendsen leitet eine der grössten sozialwissenschaftlichen Forschungsagenden auf dem Gebiet der Ethik in der personalisierten Medizin. Laufende klinische Studien berücksichtigen die Patienten nur sehr eingeschränkt. Dr. Svendsens Team wird Patient*innen, medizinisches Personal und Forscher*innen während der Studie interviewen und die unterschiedlichen Sichtweisen einbringen. Das übergeordnete Ziel unserer Studie ist es, die personalisierte Behandlung zu verbessern, indem die gewonnenen Erkenntnisse über Entstehung und Mechanismen der Therapieresistenz mit der Sichtweise der Patienten kombiniert werden. Somit fließen ethische und soziale Herausforderungen bei der Verwendung von PDOs zur Unterstützung der klinischen Entscheidungsfindung im Zeitalter der Präzisionsmedizin in die Patiententherapie ein.
- Steffen Rulands, Max-Planck-Gesellschaft - Deutschland
- Mette N. Svendsen, University of Copenhagen - Dänemark