Thermische Maschinen in der Quantenwelt
Thermal machines in the quantum world
DFG-Forschungsgruppen
Wissenschaftsdisziplinen
Maschinenbau (20%); Physik, Astronomie (80%)
Keywords
- Quantum Thermo Dynamic,
- Thermal Machines,
- Non-Equilibrium Physics,
- Relaxation And Equilibration,
- Ultra Cold Quantum Gases,
- Quantum Fields
Thermodynamik, deren Grundlagen schon im 19. Jahrhundert gelegt wurden, abstrahiert von den (mikroskopischen) Details und schafft damit einen Rahmen, der eine Vielzahl von physikalischen Systemen und Situationen erklärt. Sie wurde so zur Grundlage vieler Technologien die unsere moderne Gesellschaft erst ermöglicht haben. Die Wärmekraftmaschine wandelt Wärme (ungeordnete Energie) in mechanische Energie (Arbeit) um. Beispiele sind Dampfmaschine, Dampfturbine und alle Verbrennungsmotoren. Eine Kraftwärmemaschine transportiert unter Einsatz mechanischer Energie Wärmeenergie von einem niedrigeren Temperaturniveau auf ein höheres. Beispiele sind eine Wärmepumpe oder eine Kältemaschine (Kühlschrank). Ganz neue Fragen - jenseits traditioneller Thermodynamik - ergeben sich allerdings, wenn man eine Beschreibung kleiner Systeme sucht, für die stochastische Fluktuationen relevant sind, oder sogar von Maschinen, für die Quanteneffekte eine zentrale Rolle spielen. In den letzten Jahren wurde begonnen das Potential und die Grenzen der sich so ergebenden Quanten-Thermodynamik und der sich daraus ergebenden thermodynamischen Transformationen, für Verschränkung, Quantenfluktuationen, Quanteninformationsaustausch und Kohärenzen auszuloten. Trotz einiger wichtiger Forschungsergebnisse sind sogar viele konzeptuelle Fragen noch ungeklärt. Vielleicht noch dringlicher fehlen experimentelle Realisierungen, die letztlich das Potential des angedachten Vorteils von Quanteneffekten überzeugend demonstrieren. Diese geplante Forschergruppe stellt sich diesen Herausforderungen. Sie bringt führende Forscherpersönlichkeiten in der Quantenthermodynamik in Experiment - an gefangenen Ionen, ultrakalten Atome oder NV-Zentren - und Theorie zusammen, um neue Ansätze auszuloten. Auf einer Seite sind ganz erhebliche Entwicklungen von experimentellen Plattformen nötig, um echte Quanteneffekte in Arbeit- und Leistungsextraktion tatsächlich nachzuweisen und ausnutzen können. Andererseits sind viele konzeptuelle Fragen noch weit offen: In welchem Sinne können realistische Quantenmaschinen mächtiger als klassische Maschinen sein? Wie thermalisieren kleine (Quanten-) Systeme? Lässt sich die traditionelle Trennung von Systemen und Bäder immer durchführen? Was ist die Rolle von Quantenkorrelationen und Verschränkung? Ist Quantenfehlerkorrektur in diesem Rahmen verstehbar? Die vorgeschlagenen Forschungsarbeiten versprechen nicht nur profunde Einsichten in die Grundlagen von thermodynamischen Prozessen, in einer Welt letztendlich durch Quantenprozesse bestimmt ist, sondern auch technologische Implikationen, etwa hinsichtlich neuer Kühltechniken. Diese Forschergruppe verspricht also letztlich einen Durchbruch hinsichtlich der Frage, ob Quanten- Thermodynamik das Potential aufweist, Quanten-Wärmemaschinen zu verbessern, und schafft einen Rahmen der Diskussion und des Austausches.
Motoren, Kühlschränke und Kraftwerke gehorchen den Gesetzen von Wärme und Arbeit. Gelten diese Gesetze auch dann noch, wenn eine Maschine so klein wird, dass die Quantenphysik das Geschehen bestimmt? In diesem Projekt haben wir ein Laborsystem aufgebaut, in dem sich diese Frage durch Messung und nicht allein durch Theorie beantworten lässt. Das Ergebnis: Die grundlegenden Gesetze bleiben gültig, doch die mikroskopischen Gründe dafür sind überraschend. Unsere Experimente arbeiten mit einer Wolke aus einigen tausend Rubidiumatomen, die auf ein Millionstel Grad über dem absoluten Nullpunkt gekühlt und mit Magnetfeldern über einem Mikrochip festgehalten wird. Bei diesen Temperaturen verlieren die Atome ihre Eigenständigkeit und verhalten sich wie eine einzige kollektive Quantenwelle, die sich nur entlang einer Linie bewegen kann. Sie ist klein genug, um vollständig quantenhaft zu sein, und groß genug, um eine Temperatur, einen Energieinhalt und innere Strömungen zu besitzen. Sie dient damit als Arbeitsmedium einer Wärmekraftmaschine aus einem Quantenfeld und lässt sich präzise präparieren, steuern und fotografieren. Zunächst mussten wir verstehen, was in diesem Gas die Energie transportiert. Das Lehrbuchbild von Schallwellen, die durch die Wolke laufen, erwies sich nur als grobe Näherung. Die tatsächlichen Träger verhalten sich wie Teilchen, die sich weigern, denselben Bewegungszustand zu teilen. Das schützt das Gas bis zu weit höheren Temperaturen vor Unordnung als erwartet und zeigte uns, in welchem Bereich sich die Wolke wie ein sauberes Quantenfeld verhält. Danach wandten wir uns der Information zu. Mit einem Verfahren, das aus Bildserien das vollständige Korrelationsmuster der Wolke rekonstruiert, zeigten wir, dass zwei benachbarte Bereiche Information nur über die Grenzfläche zwischen ihnen teilen und nicht über ihr Volumen - eine für Quantenfelder längst vorhergesagte Regel, die so noch nie gemessen wurde. Darauf aufbauend gelang uns der erste quantitative Test des Landauer-Prinzips in einem echten Vielteilchen-Quantensystem. Es besagt, dass das Löschen von Information immer einen Mindestbetrag an Wärme kostet - die letzte physikalische Grenze für die Energieeffizienz jedes Computers. Unsere Messungen bestätigen es genau und zeigen, woher die Kosten stammen: aus der Information, die System und Umgebung teilen und die Anregungspaare über die Grenze tragen. Schließlich haben wir erstmals direkt gemessen, wie ein solches Quantengas Teilchen und Energie leitet, und dabei gefunden, dass es selbst bei endlicher Temperatur reibungsfrei strömt. Um diese winzigen Ströme aus lichtschwachen Bildern zu gewinnen, haben wir neuronale Netze trainiert, die die physikalischen Erhaltungssätze zwingend einhalten müssen. Diese Ergebnisse sind auch für die Quantentechnologie von Bedeutung: Abwärme und Informationsverlust sind die größten Hindernisse für Quantencomputer und Quantensensoren. Die von der Natur gesetzten Grenzen zu kennen und messen zu können hilft, Geräte zu entwerfen, die ihnen nahekommen.
- Technische Universität Wien - 100%
- Jens Eisert, Freie Universität Berlin - Deutschland, Projektpartner:in
- Eric Lutz, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg - Deutschland
- Ferdinand Schmidt-Kaler, Johannes Gutenberg Universität Mainz - Deutschland
- Fred Jendrzejewski, Universität Heidelberg - Deutschland
- Kilian T. Singer, Universität Kassel - Deutschland
- Janet Anders, Universität Potsdam - Deutschland
- Jörg Wrachtrup, Universität Stuttgart - Deutschland
- Joachim Ankerhold, Universität Ulm - Deutschland
- Gershon Kurizki, Weizmann Institute of Science - Israel
Research Output
- 25 Zitationen
- 19 Publikationen
- 2 Weitere Förderungen
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2026
Titel Quantum limits in timekeeping Typ PhD Thesis Autor Florian Meier Link Publikation -
2025
Titel Optimal limits of continuously monitored thermometers and their Hamiltonian structure DOI 10.1103/physreva.111.l020401 Typ Journal Article Autor Mehboudi M Journal Physical Review A -
2025
Titel Measurement Incompatibility under Loss. DOI 10.1103/s9sp-2fd7 Typ Journal Article Autor Mehboudi M Journal Physical review letters Seiten 100202 -
2025
Titel Experimentally probing Landauer's principle in the quantum many-body regime DOI 10.1038/s41567-025-02930-9 Typ Journal Article Autor Aimet S Journal Nature Physics -
2023
Titel Quantum field machines with cold atoms Typ PhD Thesis Autor Ventura Sabino, Joao David Link Publikation -
2023
Titel Dierent levels of approximations in Open Quantum Systems and their applications Typ PhD Thesis Autor Ricard Ravell Rodríguez -
2025
Titel Bayesian parameter estimation and thermodynamics in equilibrating quantum systems Typ PhD Thesis Autor Julia Boeyens -
2024
Titel Identifying diffusive length scales in one-dimensional Bose gases DOI 10.21468/scipostphyscore.7.2.025 Typ Journal Article Autor Møller F Journal SciPost Physics Core -
2023
Titel Verification of the area law of mutual information in a quantum field simulator DOI 10.1038/s41567-023-02027-1 Typ Journal Article Autor Tajik M Journal Nature Physics -
2023
Titel Experimental observation of curved light-cones in a quantum field simulator. DOI 10.1073/pnas.2301287120 Typ Journal Article Autor Tajik M Journal Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America -
2023
Titel Probe thermometry with continuous measurements DOI 10.1088/1367-2630/ad0e8a Typ Journal Article Autor Boeyens J Journal New Journal of Physics -
2024
Titel Whitham approach to Generalized Hydrodynamics DOI 10.1103/physrevresearch.6.013328 Typ Journal Article Autor Møller F Journal Physical Review Research -
2024
Titel Designing optimal protocols in Bayesian quantum parameter estimation with higher-order operations DOI 10.1103/physrevresearch.6.023305 Typ Journal Article Autor Bavaresco J Journal Physical Review Research -
2022
Titel Emergent Pauli Blocking in a Weakly Interacting Bose Gas DOI 10.1103/physrevx.12.041032 Typ Journal Article Autor Cataldini F Journal Physical Review X Seiten 041032 Link Publikation -
2024
Titel Strongly coupled fermionic probe for nonequilibrium thermometry DOI 10.1088/1367-2630/ad1d75 Typ Journal Article Autor Ravell Rodríguez R Journal New Journal of Physics -
2024
Titel Operational significance of nonclassicality in nonequilibrium Gaussian quantum thermometry DOI 10.1088/1367-2630/ad23a1 Typ Journal Article Autor Mirkhalaf S Journal New Journal of Physics -
2026
Titel How compactness curbs entanglement growth in bosonic systems DOI 10.48550/arxiv.2603.16775 Typ Preprint Autor Aimet S Link Publikation -
2026
Titel Characterizing transport in a quantum gas by measuring Drude weights. DOI 10.1126/science.ads8327 Typ Journal Article Autor Schüttelkopf P Journal Science (New York, N.Y.) Seiten 290-293 -
2026
Titel Quantum mechanical pendulum clock DOI 10.1103/hb36-7m2r Typ Journal Article Autor Brunelli M Journal Physical Review A
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2023
Titel Emergence in Quantum Physics (EMQ) Typ Research grant (including intramural programme) DOI 10.3030/101097858 Förderbeginn 2023 Geldgeber European Research Council (ERC) -
2023
Titel AQuSim: Austrian Quantum Simulation Infrastructure Typ Capital/infrastructure (including equipment) Förderbeginn 2023 Geldgeber Austrian Research Promotion Agency