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Vertrauen und Visualität: Digitale Alltagspraktiken (TRAVIS)

Trust And Visuality: Everyday digital practices (TRAVIS)

Maria Schreiber (ORCID: 0000-0002-4831-6093)
  • Grant-DOI 10.55776/I6065
  • Bewilligungs­summe International - Multilaterale Initiativen
  • Status beendet
  • Projekt­beginn 01.11.2022
  • Projektende 31.12.2025
  • Bewilligungs­summe 236.778 €
  • Projekt-Website

weitere EU-Initiativen: CHANSE

Wissenschaftsdisziplinen

Medien- und Kommunikationswissenschaften (80%); Soziologie (20%)

Keywords

  • Trust,
  • Visuality,
  • Digital Technologies,
  • Everyday Practices,
  • Digital Transformation,
  • Visual Culture
Abstract Zusammenfassung

Das mangelnde Vertrauen in Institutionen wie Regierungen, Medien oder Gesundheitssysteme wird aktuell immer wieder für soziale, kulturelle und politische Probleme europäischer Gesellschaften verantwortlich gemacht. Zwar untersuchen viele Wissenschaftler*innen die Beziehung zwischen Vertrauen, Technologie und Desinformationen, oft wird jedoch außer Acht gelassen, wie Vertrauen eigentlich im Alltag und in unserer Medienpraxis hergestellt und gelebt wird. Trust And Visuality: Everday digital practices (TRAVIS) ist ein Forschungsprojekt, welches genau diese Prozesse genauer unter die Lupe nimmt, nämlich welche Rolle Bilder für Menschen spielen, wenn es darum geht, Vertrauen rund um Gesundheit und Wohlbefinden zu erfahren, aufzubauen und auszudrücken. Wir haben diesen Fokus aus drei Gründen gewählt: Zum einen nehmen Menschen visuelle Informationen als vertrauenswürdiger wahr als andere kommunikative Modi wie etwa gesprochene oder geschriebene Sprache. Außerdem ist Vertrauen zwar essentiell für das soziale Zusammenleben, jedoch haben sich Vertrauensprozesse dadurch verkompliziert, dass wir zunehmend online kommunizieren: Wir müssen die Vertrauenswürdigkeit unserer Kommunikationspartner*innen und ihrer Intentionen aus dem, was wir am Bildschirm vermittelt und algorithmisch manipuliert sehen, ableiten. Schlussendlich ist auch die Pandemie von Bedeutung, welche gezeigt hat, wie visuelle digitale Repräsentationen individueller (Schrittzähler, Recovery-Selfies) und kollektiver (Visualisierungen von Infektionsraten) Gesundheit immer zentraler für unser Leben werden. Alltägliche, visuelle Kommunikation auf Social Media zu Gesundheitsthemen und persönlicher Gesundheitscontent bieten daher das ideale Forschungsfeld, um Vertrauen besser zu verstehen. TRAVIS untersucht, wie und wieso Menschen manchen visuellen digitalen Inhalten mehr als anderen vertrauen und wie Content Creators und Journalist*innen Vertrauenswürdigkeit mit und durch digitale visuelle Inhalte kreieren. Unsere Forschung findet in vier verschiedenen kulturellen Kontexten statt: Estland, Finnland, Großbritannien und Österreich. Somit ist es möglich, die Perspektiven von nordischen, osteuropäischen/postsowjetischen, angelsächsischen und germanischen Kulturen zu vergleichen jede mit ihren eigenen Traditionen und Vertrauensnormen sowie signifikanten Unterschieden darin, wie viel Vertrauen in verschiedene Institutionen gesteckt wird. Um die gesellschaftliche Relevanz unserer Forschungsergebnisse sicherzustellen, kooperiert TRAVIS mit unterschiedlichen lokalen Initiativen. Zusammen sorgen wir für die Verbreitung von Wissen, Bewusstseinsbildung und Skills für mehr vertrauenswürdige, unvoreingenommene und sozial verantwortliche digitale Visualisierungen und Visualisierungspraktiken (inkl. computergenerierter Bildtechnologien) sowie Verständnis für die sozialen Mechanismen und Bedeutungen der Vertrauenskrise, die das Leben der Europäer*innen betreffen.

Vier Länder, eine Erkenntnis: Vertrauen im Netz ist emotional, fragil und nie individuell Neue europäische Studie entschlüsselt, wie visuelles Vertrauen in sozialen Medien entsteht Was passiert, wenn Ärztinnen und Ärzte auf Instagram posten? Wenn junge Erwachsene sich Rat zu psychischer Gesundheit auf TikTok holen? Wenn Gesundheitsratschläge nicht nur anhand von Fakten beurteilt werden, sondern auch danach, wie etwas aussieht und sich anfühlt? In ganz Europa fällen Menschen blitzschnelle Urteile auf der Grundlage von Bildern, die sie online sehen. Doch wie prägen diese Bilder und Videos das Vertrauen? Unter Beteiligung von Forschenden der Universität Tallinn in Estland, der Universität Salzburg in Österreich, der Universität Tampere in Finnland und der Universität Oxford im Vereinigten Königreich untersuchte TRAVIS (Trust and Visuality in Everyday Digital Practices - Vertrauen und Visualität in alltäglichen digitalen Praktiken), wie Menschen visuelle Informationen in ihrem Alltag deuten und was dies für Vertrauen bedeutet, insbesondere in sensiblen Bereichen wie Gesundheit und Wohlbefinden. Wir haben gefragt, wie Social-Media-User:innen und Content Creators welche Rolle visuelles digitales Vertrauen in ihrem medial vermittelten Alltag spielt, wie Vertrauenspraktiken durch Plattformen und ihre Affordanzen geprägt werden und was digitalen Bildern Vertrauenswürdigkeit verleiht. Gestützt auf unterschiedliche Daten und innovative Methoden analysierten wir die Erfahrungen von User:innen und Content Creators sowie Social-Media-Inhalte und -Plattformen. Wir fanden heraus, dass Vertrauen zu einem großen Teil nicht bloß Informationsverarbeitung ist, sondern sich aus vielen Aspekten der Social-Media-Nutzung zusammensetzt: Im Kontext bildreicher Gesundheitskommunikation in den sozialen Medien ist Vertrauen eine Frage von Gefühlen, von tatsächlichen und imaginierten Beziehungen zu den Creators, von vermutetem Konsens mit nahestehenden Personen, von Beziehungen zwischen Bildern, davon, wie Botschaften stilistisch und rhetorisch vermittelt werden, sowie von ihrer Faktentreue. Vertrauen ist dynamisch, leicht zu verlieren und entsteht plattformübergreifend. Kurz gesagt: Visuelles digitales Vertrauen ist eher relational als individuell, eher dynamisch als statisch, eher emotional als rational und in vielfältiger Weise kontextsensibel. Auch wenn das Aussehen von Inhalten eine zentrale Rolle für Vertrauen spielt, gibt es keine wirklich beständigen visuellen Marker von Vertrauenswürdigkeit, die garantieren würden, dass einem Beitrag vertraut wird. Und das ist vermutlich auch besser so, denn solche Vertrauenssignale würden unweigerlich von manipulativen Akteur:innen missbraucht werden. Das Projekt TRAVIS veröffentlicht(e) seine Ergebnisse sowohl in wissenschaftlichen als auch in populären Medien, und das Forschungsteam arbeitete mit Gesundheitsfachleuten, Pädagoginnen und Pädagogen, Plattformen und öffentlichen Einrichtungen zusammen. Wir danken unserem akademischen Beirat (Anthony McCosker, Sarah Banet Weiser, Stefania Vicari, Jill Walker Rettberg) sowie unseren Kooperationspartnern (Safer Internet Austria, Finnisches Museum für Fotografie, Estnische Gesellschaft der Hausärzte, Zeitung Sirp, UK Safer Internet Centre South West Grid for Learning) dafür, dass sie uns geholfen haben, die Komplexität des Phänomens Vertrauen zu verstehen und aus dessen Vielschichtigkeit praxisrelevante Erkenntnisse zu gewinnen. Projektwebsite https://www.tlu.ee/en/bfm/researchmedit/trust-and-visuality-everyday-digital-practices-travis LinkedIn https://www.linkedin.com/company/travis-trust-and-visuality-everyday-digital-pr%E2%80%A6 Instagram https://www.instagram.com/travis_research/

Forschungsstätte(n)
  • Universität Salzburg - 100%

Research Output

  • 6 Publikationen
  • 1 Policies
  • 7 Disseminationen
Publikationen
  • 2026
    Titel "Das Erste, was man sieht, sind diese muskulösen Körper" - Mediensozialisation und algorithmisierte Körperbilder auf Social Media; In: Mediensozialisation in "smarten" Umgebungen - Selbst- und Sozialwerdung im Kontext von Datafizierung und Automatisierung
    DOI 10.1007/978-3-658-50216-4_11
    Typ Book Chapter
    Verlag Springer Fachmedien Wiesbaden
  • 2025
    Titel Patterns of Surprise and Ambivalence: Studying Social Media Visuality by Way of Aggregated Autoethnography
    DOI 10.17169/fqs-26.2.4182
    Typ Journal Article
    Autor Markham A
    Journal Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research
    Link Publikation
  • 2025
    Titel >>Im Internet kann sich jeder Doktor nennen<<: Vertrauenspraktiken im Umgang mit visuellen Darstellungen medizinischer Expertise; In: Visual Literacy. Bildkompetenzen in den digitalen Medien
    Typ Book Chapter
    Autor Liedtke
    Verlag Halem
    Seiten 98-120
  • 2025
    Titel Postdigitale visuelle Kulturen
    Typ Postdoctoral Thesis
    Autor Maria Schreiber
  • 2023
    Titel Viele Köche verderben den Brei? Qualitatives Datenmanagement anhand des Projektes TRAVIS Ein Praxisbericht
    DOI 10.24989/medienjournal.v47i3.2628
    Typ Journal Article
    Autor Schaffar A
    Journal MedienJournal
  • 2023
    Titel Text on Instagram as emerging genre: A framework for analyzing discursive communication on a visual platform
    DOI 10.24434/j.scoms.2024.01.3882
    Typ Journal Article
    Autor Schreiber M
    Journal Studies in Communication Sciences
Policies
  • 2025 Link
    Titel Public Value Report by Public Broadcast in Austria
    Typ Participation in a guidance/advisory committee
    Link Link
Disseminationen
  • 2024 Link
    Titel Interview newspaper
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link
  • 2025 Link
    Titel Public Value Report by Public Broadcast in Austria
    Typ A formal working group, expert panel or dialogue
    Link Link
  • 2024 Link
    Titel Unfiltered.Cravings Discussion
    Typ A talk or presentation
    Link Link
  • 2024 Link
    Titel Interview newspaper
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link
  • 2024 Link
    Titel Long night of research
    Typ Participation in an open day or visit at my research institution
    Link Link
  • 2023 Link
    Titel Regional "Medien.Zukunft.Salzburg"- public education event month
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
    Link Link
  • 2024 Link
    Titel Science ambassador program
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
    Link Link

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