Linking Arms-Der zentraleuropäische Rüstungssektor 1954-1994
Linking Arms: Central Europe´s Weapons Sector, 1954-1994
Weave: Österreich - Belgien - Deutschland - Luxemburg - Polen - Schweiz - Slowenien - Tschechien
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
-
Czechoslovakia,
Austria,
Cold War,
Transnational History,
Arms Industries
Die Tschechoslowakei und Österreich gehörten zu den größten Rüstungsproduzenten des Kalten Krieges, die beiden Länder werden jedoch selten als zentrale Akteure dieses Konflikts angesehen. Während bisherige Forschungen bereits wichtige Erkenntnisse zum Thema Rüstungsgüter und deren Einsatz in Regionen wie dem Nahen Osten oder Afrika lieferten, sind die Produktionsbedingungen bislang weniger beleuchtet worden. Das Projekt Linking Arms soll sich dieser Forschungslücke annehmen, indem es sich auf die Rolle der ArbeiterInnen der Rüstungsindustrie, der Geschäftsleute und der PolitikerInnen in Österreich und der Tschechoslowakei konzentriert. Dabei wird argumentiert, dass gerade die Tatsache, dass es sich um relativ kleine Länder handelt, den österreichischen und tschechoslowakischen RüstungsvertreterInnen im Vergleich mit größeren Playern einen gewissen Handlungsspielraum ermöglichte, da sie von weniger internationaler Aufmerksamkeit und Kontrolle begleitet waren. Zudem möchten wir zeigen, wie Ähnlichkeiten und historische Verbindungen die Erfahrungen der im mitteleuropäischen Rüstungssektor beschäftigten Menschen auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs trotz der politischen Brüche des Kalten Krieges prägten. Linking Arms möchte außerdem untersuchen, wie noch aus der Zeit der Habsburgermonarchie und später des Zweiten Weltkrieges stammende Infrastruktur, überliefertes technisches know-how und übernommene Produktionstechniken auch nach 1945 die Entwicklung der österreichischen und tschechoslowakischen Rüstungsindustrien beeinflussten. Das Projekt zeigt den Einfluss kleiner Staaten auf den Waffenhandel der Zeit des Kalten Krieges auf und arbeitet dabei auch die Rolle nichtstaatlicher Akteure heraus. Durch die Anwendung eines transnationalen Ansatzes beleuchtet Linking Arms über die damaligen geografischen und ideologischen Grenzen hinweg ebenfalls die beachtliche halblegale Sphäre der Rüstungsgeschäfte des Kalten Krieges, sowie verschiedene Methoden der Umgehung internationaler Sanktionen. Somit bereichert das Forschungsprojekt A) das Feld der Mitteleuropäischen Geschichte, B) den Forschungsstand zum Kalten Krieg, und C) die transnationale Geschichtsschreibung. Gestützt auf Interviews im Sinne der oral history, sowie auf Archivquellen der beteiligten Unternehmen, Behörden und Regierungen nehmen wir einen Vergleich der österreichischen und tschechoslowakischen Produktionstechniken und Vertriebsstrategien vor und machen die Überschneidungen der entsprechenden Netzwerke in beiden Staaten sichtbar. Der WEAVE-grant erlaubt es hierbei, dass sich mehrere ForscherInnen der Thematik grenzübergreifend und aus verschiedenen Perspektiven annähern. Die Rüstungsproduktion beeinflusste die wechselseitigen Interaktionen zwischen ArbeiterInnen, UnternehmerInnen und PolitikerInnen in Mitteleuropa und waren auch für die Beziehungen dieser Region zum Rest der Welt entscheidend. Durch eine Dokumentation dieser Verbindungen zeigt das Projekt, dass die politischen Brüche der Zeit für den Rüstungssektor des mitteleuropäischen Raumes weniger einschneidend waren als bisher angenommen. Durch den Fokus auf die in den Konflikten des Kalten Krieges verbreitetsten und verheerendsten Waffen bringt Linking Arms zwei ansonsten meist getrennt betrachtete Phänomene analytisch zusammen: Die Geschichte der europäischen ökonomischen Stabilität einerseits, und die der außereuropäischen Konflikte andererseits.
- Universität Wien - 100%
- Tomáš Nigrin - Tschechien