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DigEanna: eine digitale Rekonstruktion des Eanna-Archivs

DigEanna: a Digital Reconstruction of the Eanna Archive

Michael Jursa (ORCID: 0000-0003-2682-8933)
  • Grant-DOI 10.55776/I6927
  • Förderprogramm Einzelprojekte International
  • Status laufend
  • Projektbeginn 01.10.2024
  • Projektende 30.09.2027
  • Bewilligungssumme 391.485 €

Weave: Österreich - Belgien - Deutschland - Luxemburg - Polen - Schweiz - Slowenien - Tschechien

Wissenschaftsdisziplinen

Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)

Keywords

    Babylonia, Temple archive, Administrative History, History of Bureaucracy

Abstract

Das Projekt bietet die erste umfassende Untersuchung eines Archivs von etwa 10.000 babylonischen Keilschrifttafeln, die aus dem Tempel der Göttin Ischtar in der Stadt Uruk im heutigen Süd-Irak stammen. Die Texte datieren in das sechste Jahrhundert v. Chr. und reichen von kurzen Notizen über Briefe bis hin zu langen Listen von Tempelbesitz und komplexen Rechtsdokumenten. Ihre Protagonisten sind ebenso vielfältig und spiegeln die gesamte Bandbreite der babylonischen Gesellschaft jener Zeit wider: von Sklaven über andere Arten von Zwangsarbeitern bis hin zu freien Handwerkern, Priestern, Verwaltern, königlichen Beamten und sogar dem König. Dieses Archiv ist eines der komplexesten Textkorpora der Antike. Es gewährt Einblicke in alle Aspekte des täglichen Lebens in diesem Tempelhaushalt: Wir können Lohnniveaus und Lebensstandards rekonstruieren, wir wissen über die handwerkliche Produktion und die Komplexität der materiellen Kultur Bescheid, wir lesen über den alltäglichen kultischen Betrieb sowie über große Feste. Die Texte dokumentieren auch die verschiedenen Besitztümer, die mit dem Tempelhaushalt verbunden sind: Felder, Gärten, Häuser und den weitläufigen Tempelkomplex selbst, mit seinen religiösen Gebäuden (in deren Zentrum die Statue der Ischtar verehrt wurde), seinen Werkstätten, Vorratshäusern und massiven Mauern. Alle Facetten der Verwaltung dieser komplexen Institution, als wirtschaftliche Einheit, religiöse Institution und, was besonders wichtig ist, als Sitz der lokalen Macht, die zunehmend unter königliche Kontrolle gebracht wurde, spiegeln sich im Archiv wider. Wir sehen die Mikroebene der alltäglichen Praxis durch die große Menge an deskriptiver Dokumentation sowie die Ebene von prozeduralen Richtungsentscheidungen, durch eine Reihe außergewöhnlicher Rechtsdokumente und juristischer Protokolle, die die Tempelgemeinschaft in Interaktion mit dem König und dem königlichen Establishment zeigen. Das Projekt wird die Daten in einer Online-Datenbank katalogisieren. Es wird auch die Verwaltungsstruktur des Tempels und sein bürokratisches System rekonstruieren, indem es die Büros und Schreiber identifiziert, die die Akten und Dossiers produziert haben, in die die Texte gegliedert werden können. Es ist das erste Mal, dass eine so große Gruppe schriftlicher Aufzeichnungen aus dem alten Mesopotamien einer derart umfassenden Analyse unterzogen wird; tatsächlich gibt es nur sehr wenige vergleichbare Fälle in der gesamten Antike. Somit leistet das Projekt nicht nur einen Beitrag zur politischen und sozioökonomischen Geschichte des alten Mesopotamien, sondern betritt auch neues Terrain in der Geschichte der Bürokratie. Die Projektleiter sind Johannes Hackl (Univ. Jena), Michael Jursa (Univ. Wien, Koordinator) und Malgorzata Sandowicz (Univ. Warschau): Spezialisten für Altorientalistik, die auf ein breites Netzwerk von kooperierenden Kollegen und Institutionen zurückgreifen können, darunter u.a. das Deutsche Archäologische Institut und die Yale University.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Simone Mühl, Deutsches Archäologisches Institut - Deutschland
  • Johannes Hackl, Friedrich Schiller Universität Jena - Deutschland
  • Enrique Jimenez, Ludwig-Maximilians-Universität München - Deutschland
  • Kai Lämmerhirt, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg - Deutschland
  • Barbara Helwing, Sonstige Forschungs- oder Entwicklungseinrichtungen - Deutschland
  • Damien Agut - Frankreich
  • Caroline Waerzeggers, Universiteit Leiden - Niederlande
  • Malgorzata Sandowicz, Uniwersytet Warszawski - Polen
  • Agnete Lassen - Vereinigte Staaten von Amerika

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