Persönlicher Alltag: Begleitung und kommunikative KI
Personal Sphere: Companionship and ComAI
DFG-Forschungsgruppen
Wissenschaftsdisziplinen
Soziologie (100%)
Keywords
-
Artifical Companionship,
Genre Analysis,
Agency,
Communicative Episodes,
Appropriation,
Personal Sphere
In unserem Forschungsprojekt untersuchen wir die alltägliche Verwendung von Begleitungs-Apps wie z.B. Replika. Immer mehr Menschen nutzen solche Begleitungs-Apps, um mit ihrem privaten Alltag besser zurechtzukommen. Dabei kann es um die Bewältigung von Alltagskrisen wie Einsamkeit, Überforderung, Vergesslichkeit oder um existenzielle Krisen, etwa den Tod eines geliebten Menschen oder auch eines Haustiers gehen. Parallel zu diesem Trend zur digitalen Begleitung in Form von kommunikativer KI beobachten wir generell die Verbreitung von Begleitungsangeboten in der Gesellschaft. Die Begleitung durch Apps wird zwar als künstliche Begleitung (artificial companionship) bezeichnet. Das heißt aber nicht, dass sie weniger real wäre; sie ist nur anders. Diese Unterschiede interessieren uns im Hinblick darauf, wie jeweils kommuniziert wird. Deshalb vergleichen wir diese durch KI-Medientechnik vermittelte Begleitung mit der unmittelbaren Begleitung vor Ort. Für die technische Entwicklung der Begleitungs-Apps wurde auf das Wissen von professionellen Trauerbegleiter*innen zurückgegriffen. Dieses professionelle Wissen untersuchen wir mit der Methode der Diskursanalyse. Damit können wir uns gezielt Texte anschauen, in denen sich Trauerbegleiter*innen über die beste Art des Begleitens austauschen. Trauer- und Alltagsbegleitung sind die beiden Varianten, die wir im Kontrast zueinander anschauen wollen. Denn wir vermuten, dass diese beiden Angebote sich dadurch unterscheiden, wie stark sie in Alltagstätigkeiten eingreifen. Wir gehen davon aus, dass für das Begleiten eine ganz bestimmte Art der Kommunikation wichtig ist. Diese Form kann man erlernen. Man kann an bestimmten Wendungen aber auch erkennen, dass eine Begleitung vorliegt. Begleiten betrifft also nicht nur einzelne Personen, die jeweils individuell begleiten, sondern Begleiten kann von verschiedenen Personen an unterschiedlichen Orten auf sehr ähnliche Weise ausgeführt werden. Begleiten ist also gesellschaftliche Kommunikation, eine wiedererkennbare Gattung, die wir mit der Methode der Gattungsanalyse erforschen. Daran interessiert uns ganz besonders, wie viel sich die Person, die begleitet, und die Person, die begleitet wird, gegenseitig erzählen. Beide wissen im Lauf der Zeit immer mehr voneinander, worauf sie bei der nächsten Begegnung wieder Bezug nehmen können. Falls die begleitete Person mehr aus ihrem Leben erzählt, weil sie vielleicht immer wieder dazu aufgefordert wird, verschiebt sich das Gleichgewicht zwischen den beiden Partner*innen in dieser Begleitungsbeziehung zugunsten der begleitenden Person. Möglicherweise ist die begleitende Person der mächtigere Part in der Begleitungsbeziehung. Aber wie ist das, wenn digitale Medientechnik im Spiel ist: Hat sie dann ebenfalls Macht? Kann diese Technik, die auf künstlicher Intelligenz beruht, Macht über diejenigen ausüben, die diese App nutzen, hat sie Handlungsmacht (Agency)? Das sehen wir uns ganz genau mit der Methode der digitalen Ethnographie an.
- Universität Wien - 100%