Mitochondriopathien - Netzwerk für Diagnostik und Therapie (GENOMIT)
Mitochondriopathy - Network for diagnostics and therapy (GENOMIT)
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (50%); Klinische Medizin (30%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (20%)
Keywords
-
Mitochondrial disorders,
Next generation sequencing,
Patient repository,
Pathomechnisms,
Data harmonization,
Disease models
Mitochondrien sind die Hauptquelle von ATP, gebildet durch die mitochondriale Atmungskette bzw. oxidative Phosphorylierung (OXPHOS). OXPHOS ist ein komplexer biochemischer Prozess unter der Kontrolle zweier Genome, dem nukleären und mitochondrialen, unter Einbeziehung hunderter Gene. ATP Mangel führt zu zellulärer Fehlfunktion und letztlich zum Zelltod, besonders in Geweben mit hohem Energiebedarf. Dies erklärt die enorme Heterogenität von mitochondrialen Erkrankungen, eine Herausforderung für Diagnostik und klinische Betreuung. Deren Häufigkeit beträgt in Europa ca. 1-2 pro 10.000 Lebendgeburten. Um die Herausforderung von Diagnostik und Behandlung der heterogenen Patientengruppe mit OXPHOS Defekten bewältigen zu können, wurden lokale und nationale Netzwerke gebildet, mit dem Ziel spezialisierte Behandlungszentren für Patienten mit mitochondrialen Erkrankungen zu schaffen. Forschung in einem gemeinsamen, europäischen Ansatz ist notwendig, um Expertisen zu vereinen und um die Anzahl von Patienten in Subgruppen dieser heterogenen mitochondrialen Erkrankungen zu erhöhen. Ein Netzwerk von spezialisierten Zentren in Deutschland, Italien, Frankreich, Israel, Österreich und Belgien (GENOMIT) wurde gebildet, um dieses e-rare Projekt zu beantragen, mit dem Ziel, Diagnostik, molekulares Verständnis and Behandlung von Patienten mit mitochondrialen Erkrankungen in Europa zu verbessern. Dieses Ziel soll durch vier Arbeitspakete erreicht werden: Erstens, Schaffung eines europäischen Katalogs von Datenbanken und Sammlung von Biomaterial von Patienten mit mitochondrialen Erkrankungen. Zweitens, die Entwicklung neuer diagnostischer Protokolle (v.a. Next Generation Sequencing), die für gemeinsame Proben verwendet werden. Drittens, Erweiterung von funktionellen Studien an Genen und Stoffwechselwegen in der Pathophysiologie mitochondrialer Erkrankungen. Viertens, Testen neuer therapeutischer Optionen unter Einbeziehung neuer und verbesserter Tiermodelle. GENOMIT Partner sind als nationale Zentren für die Diagnostik und Therapie von Patienten mit mitochondrialen Erkrankungen aktiv. Zusätzlich sollen die einzigartigen Expertisen der Partner synergistisch innerhalb des Netzwerkes genutzt werden. Die Univ.-Kinderklinik der PMU Salzburg ist ein nationales Zentrum für die Diagnostik von Patienten mit mitochondrialen Erkrankungen, in enger Zusammenarbeit mit der Kinderklinik und dem Institut für Humangenetik der TU München (www.mito-center.org) und darüber hinaus Teil des deutschen Netzwerks für mitochondriale Erkrankungen (www.mitonet.org). Unser Schwerpunkt ist die funktionelle Untersuchung von nativen Proben, wodurch neue Erkrankungen in der mitochondrialen Pyruvatoxidation und ATP Synthese entdeckt wurden. Darüber hinaus werden die Patientenproben mit verschiedenen biochemischen, histologischen und genetischen Techniken untersucht, um die molekularen Ursachen aufzuklären, und Methoden wurden für kleine Probenmengen bei Kindern optimiert. Unser Teil in diesem e-rare Projekt ist hauptsächlich auf das dritte Arbeitspaket von GENOMIT fokussiert, besonders auf die Expertise der funktionellen und biochemischen Charakterisierung der OXPHOS für das Verständnis von molekularen und biochemischen Mechanismen mitochondrialer Erkrankungen. Dies ist Voraussetzung für die Identifizierung neuer Medikamente und Behandlungen. Atmungskettenkomplexdefekte werden unter Verwendung etablierter zellulärer Modelle evaluiert. Unser Projektabschnitt beinhaltet ein weites Spektrum von etablierten Methoden, die den Partnern verfügbar gemacht werden, und beinhaltet die Ziele i) Charakterisierung von neu identifizierten Kandidatengenen ii) Beschreibung von Wegen in der Pathogenese von mitochondrialen Erkrankungen und iii) Validierung von therapeutischen Ansätzen in in-vitro Modellen.
Mitochondriopathien sind eine Gruppe von seltenen, vererbten Erkrankungen, die zu sehr unterschiedlichen Krankheitsbildern führen können. Gemeinsam ist den Mitochondriopathien ein Mangel an Energie der Sauerstoff-verbrauchenden Zellen des Körpers. Besonders energiebedürftig sind etwa das Nervensystem, aber auch der Herz- und Skelettmuskel, weshalb diese Organe am häufigsten bei Mitochondriopathien betroffen sind. In den letzten Jahren stand vor allem die Klärung der genetischen Ursachen dieser Krankheiten im Vordergrund, wobei mittlerweile bereits mehr als 250 Gene bekannt sind, die Mitochondriopathien verursachen können.Das multizentrische, internationale Projekt GENOMIT hatte zum Ziel, die Diagnostik und Therapie von Mitochondriopathien voranzutreiben. Dies ist zum einen durch erstmalige Entdeckung und Beschreibung einer Reihe neuer krankheitsverursachender Gene (COQ4, ELAC2, FBXL4, GTPBP3) bei unseren Patienten gelungen. Weiters konnten wir bei einer Reihe weiterer neuer Gendefekte (AGK, BOLA3, ECHS1, FBXL4, HIBCH, MT-TW, MTFMT, NFU1, TTC19, TPK1) über neue Mutationen und Krankheitsbilder berichten sowie die Funktion der betroffenen zellulären Wege besser beschreiben. Zusätzlich wurden zu einigen dieser neuen Defekte mehrere Übersichtsarbeiten verfasst, die den Fachkollegen die Einordnung der neuen genetischen Defekte und Krankheitsbilder erleichtern sollen. Das Projekt GENOMIT war die Grundlage für das Sammeln einer für seltene Erkrankungen großen Anzahl von Patienten mit den gleichen genetischen Defekten. Dies stellt bei seltenen Erkrankungen ein grundsätzliches Problem dar, ist aber die Voraussetzung für die Entwicklung von Therapie-Optionen. Es konnte durch die geleistete Arbeit also ein Grundstein für weitere Studien gelegt werden. Zur Zeit wird an einer Fortsetzung des Projekts im ERA-Net gearbeitet, wobei die Ziele des jetzt abgeschlossenen Projekts weiter verfolgt werden sollen und zusätzlich ein Schwerpunkt auf neue therapeutische Ansätze gelegt wird.
- Marc Muller, University of Liège - Belgien
- Thomas Meitinger, Technische Universität München - Deutschland
- Agnes Rötig, Institut National de la Santé et de la Recherche Médicale - Frankreich
- Simon Edvardson, The Hebrew University of Jerusalem - Israel
- Massimo Zeviani, University of Padua - Italien
Research Output
- 1684 Zitationen
- 20 Publikationen
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2014
Titel Lipid metabolism in mitochondrial membranes DOI 10.1007/s10545-014-9748-x Typ Journal Article Autor Mayr J Journal Journal of Inherited Metabolic Disease Seiten 137-144 -
2014
Titel The spectrum of pyruvate oxidation defects in the diagnosis of mitochondrial disorders DOI 10.1007/s10545-014-9787-3 Typ Journal Article Autor Sperl W Journal Journal of Inherited Metabolic Disease Seiten 391-403 -
2014
Titel Sengers syndrome: six novel AGK mutations in seven new families and review of the phenotypic and mutational spectrum of 29 patients DOI 10.1186/s13023-014-0119-3 Typ Journal Article Autor Haghighi A Journal Orphanet Journal of Rare Diseases Seiten 119 Link Publikation -
2014
Titel Lipoic acid biosynthesis defects DOI 10.1007/s10545-014-9705-8 Typ Journal Article Autor Mayr J Journal Journal of Inherited Metabolic Disease Seiten 553-563 -
2014
Titel Mitochondrial dysfunction: a neglected component of skin diseases DOI 10.1111/exd.12484 Typ Journal Article Autor Feichtinger R Journal Experimental Dermatology Seiten 607-614 Link Publikation -
2012
Titel Homozygous missense mutation in BOLA3 causes multiple mitochondrial dysfunctions syndrome in two siblings DOI 10.1007/s10545-012-9489-7 Typ Journal Article Autor Haack T Journal Journal of Inherited Metabolic Disease Seiten 55-62 -
2014
Titel Mutations in GTPBP3 Cause a Mitochondrial Translation Defect Associated with Hypertrophic Cardiomyopathy, Lactic Acidosis, and Encephalopathy DOI 10.1016/j.ajhg.2014.10.017 Typ Journal Article Autor Kopajtich R Journal The American Journal of Human Genetics Seiten 708-720 Link Publikation -
2014
Titel HIBCH deficiency in a patient with phenotypic characteristics of mitochondrial disorders DOI 10.1002/ajmg.a.36766 Typ Journal Article Autor Reuter M Journal American Journal of Medical Genetics Part A Seiten 3162-3169 -
2014
Titel Expanding the clinical and molecular spectrum of thiamine pyrophosphokinase deficiency: A treatable neurological disorder caused by TPK1 mutations DOI 10.1016/j.ymgme.2014.09.010 Typ Journal Article Autor Banka S Journal Molecular Genetics and Metabolism Seiten 301-306 -
2012
Titel Mitochondrial myopathy associated with a novel 5522G>A mutation in the mitochondrial tRNATrp gene DOI 10.1038/ejhg.2012.272 Typ Journal Article Autor Baric I Journal European Journal of Human Genetics Seiten 871-875 Link Publikation -
2016
Titel Peculiarities and pitfalls of quantifying mitochondrial energy metabolism in the skin DOI 10.1111/exd.12895 Typ Journal Article Autor Feichtinger R Journal Experimental Dermatology Seiten 101-102 Link Publikation -
2015
Titel Mutations in TTC19: expanding the molecular, clinical and biochemical phenotype DOI 10.1186/s13023-015-0254-5 Typ Journal Article Autor Koch J Journal Orphanet Journal of Rare Diseases Seiten 40 Link Publikation -
2015
Titel Deficiency of ECHS1 causes mitochondrial encephalopathy with cardiac involvement DOI 10.1002/acn3.189 Typ Journal Article Autor Haack T Journal Annals of Clinical and Translational Neurology Seiten 492-509 Link Publikation -
2015
Titel COQ4 Mutations Cause a Broad Spectrum of Mitochondrial Disorders Associated with CoQ10 Deficiency DOI 10.1016/j.ajhg.2014.12.023 Typ Journal Article Autor Brea-Calvo G Journal The American Journal of Human Genetics Seiten 309-317 Link Publikation -
2015
Titel Clinical, biochemical, and genetic spectrum of seven patients with NFU1 deficiency DOI 10.3389/fgene.2015.00123 Typ Journal Article Autor Ahting U Journal Frontiers in Genetics Seiten 123 Link Publikation -
2015
Titel Spectrum of combined respiratory chain defects DOI 10.1007/s10545-015-9831-y Typ Journal Article Autor Mayr J Journal Journal of Inherited Metabolic Disease Seiten 629-640 Link Publikation -
2015
Titel Clinical, morphological, biochemical, imaging and outcome parameters in 21 individuals with mitochondrial maintenance defect related to FBXL4 mutations DOI 10.1007/s10545-015-9836-6 Typ Journal Article Autor Huemer M Journal Journal of Inherited Metabolic Disease Seiten 905-914 Link Publikation -
2013
Titel ELAC2 Mutations Cause a Mitochondrial RNA Processing Defect Associated with Hypertrophic Cardiomyopathy DOI 10.1016/j.ajhg.2013.06.006 Typ Journal Article Autor Haack T Journal The American Journal of Human Genetics Seiten 211-223 Link Publikation -
2013
Titel Mutations in FBXL4, Encoding a Mitochondrial Protein, Cause Early-Onset Mitochondrial Encephalomyopathy DOI 10.1016/j.ajhg.2013.07.016 Typ Journal Article Autor Gai X Journal The American Journal of Human Genetics Seiten 482-495 Link Publikation -
2013
Titel Phenotypic spectrum of eleven patients and five novel MTFMT mutations identified by exome sequencing and candidate gene screening DOI 10.1016/j.ymgme.2013.12.010 Typ Journal Article Autor Haack T Journal Molecular Genetics and Metabolism Seiten 342-352