Gentherapie in der Temporallappenepilepsie: Virale Überexpression von Neuropeptide
Gene therapy in temporal lobe epilepsy: Viral overexpression of Neuropeptides
DACH: Österreich - Deutschland - Schweiz
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (20%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (80%)
Keywords
-
Mesial Temporal Lobe Epilepsy,
Dynorphin,
Gene Therapy,
In-Vivo Eeg,
Kappa Opioid Receptor,
Anticonvulsant
Ein derzeit ungelöstes Problem der Medizin ist die hohe Anzahl pharmakoresistenter Patienten mit fokalen Epilepsien. Einigen Patienten kann durch die Entfernung des epileptischen Fokus geholfen werden. Es bleibt aber eine große Gruppe von Patienten, die derzeit nicht ausreichend behandelt werden können. Wir und andere haben in den letzten Jahren die Bedeutung von spezifischer Neuropeptide in der Anfallskontrolle gezeigt. Nun wollen wir das Potential einer langfristigen Stimulation der entsprechenden Rezeptoren als neue Behandlung für pharmakoresistente Patienten mit fokalen Epilepsie untersuchen. Da eine Langzeitbehandlung von Epilepsien notwendig ist, wollen wir durch fokale Anwendung von Adeno-assozierten Virus (AAV) basierten Vektoren in einem Tiermodell der TLE untersuchen ob epileptische Anfälle und das Fortschreiten der Epilepsie unterdrückt werden. Wir nehmen wir an, dass die Überexpression von der Neuropeptide durch AAV Vektoren zu einer reduzierten Anfallshäufigkeit, zu verringerten neuronalen Verlusten und zu einer besseren Erhaltung von Hirnfunktionen führt. Wir werden die Effekte der AAV Vektoren auf die Häufigkeit und Dauer von anfallsabhängigen EEG Abnormalitäten wie "sharp-waves", "bursts" und "paroxysmal discharges" nach Injektion von Kainsäure in den dorsalen Hippocampus von Mäusen mittels in-vivo EEG untersuchen. Histochemische Analysen morphologischer und pathologische Veränderungen in Hirnarealen, die in der TLE besonders betroffen sind werden mit Daten aus Verhaltensexperimenten kombiniert. Diese Verhaltensexperimente sollen vor allem solche Hirnfunktionen untersuchen, die sowohl in TLE Patienten als auch im Tiermodell verändert sind. Dabei handelt es sich vorrangig um räumliches Lernen, aber auch um Emotionskontrolle. Ein zentraler Aspekt unserer Untersuchungen wird die Langzeitstabilität positiver Effekte sein, da TLE derzeit nicht geheilt werden kann und Patienten lebenslang behandelt werden müssen. Das Langzeit Ziel unserer Studie ist die Entwicklung dieses präklinischen Modells in eine Gentherapie für Patienten, die an pharmakoresistenten Formen fokaler Epilepsien leiden.
Die Temporallappenepilepsie gilt als eine der schwersten und häufigsten Formen fokaler Epilepsien. Viele Patienten entwickeln im Laufe der Erkrankung kognitive Defizite und stumpfen emotional ab. Die hohe Rate an Resistenzen gegen antiepileptische Substanzen (im Durchschnitt 30 % in einzelnen Formen bis zu 80 %) und die schweren Nebenwirkungen der pharmakologischen Behandlung stellen eine bisher ungelöste Herausforderung dar. Alternativen wie die chirurgische Entfernung des epileptogenen Fokus oder tiefe Hirnstimulation können nur bei wenigen Patienten zum Einsatz kommen und können auch keinen Erfolg garantieren. Bei der dringenden Suche nach neuen Therapiekonzepten sind Neuropeptide und deren Rezeptoren interessante Kandidaten, deren Potential noch bei weitem nicht ausgeschöpft ist. Unser neuer Ansatz basiert auf einer Adeno-Associated Virus (AAV) Vektoren mediierten Gentherapie um Neuronen im epileptogenen Fokus mit Präprodynorphin zu transfizieren. Das Ziel war es den reduzierten Bestand an Dynorphinen in Neuronen wieder aufzufüllen um eine Freisetzung bei Bedarf zu ermöglichen. Im Rahmen dieses Projektes ist es uns gelungen den Beweis zu erbringen, dass die AAV-mediierte Expression von Präprodynorphin im voll etablierten epileptogenen Fokus zu einer vollständigen Unterdrückung von Anfällen führt, die über Monate anhält. Darüber hinaus wurde der Verlust räumlichen Lernens und Merkens, der mit Fortschreiten der Epilepsie einhergeht, verhindert. Verlorene Fähigkeiten in diesem Bereich konnten in der chronischen Epilepsie sogar wieder hergestellt. Die neuronale Expression blieb auf den Fokus beschränkt und die Freisetzung war klar von hochfrequenter Stimulation abhängig, so wie sie am Beginn von Anfällen auftritt. Die lokale Anwendung der AAV Vektoren führte weder zu Entzündungsreaktionen noch zu Veränderungen im Verhalten, Befunde die für eine sichere Anwendung sprechen. Die vorklinischen Daten, die in diesem Projekt gesammelt wurden sind sehr vielversprechend, müssen aber noch in anderen Modellen verifiziert werden. Das Endziel wird aber die Entwicklung einer Gentherapie für Menschen mit Temporallappenepilepsie sein. Das neue Format einer Therapie bei Bedarf zeichnet sich durch eine Freisetzung von Dynorphinen nur zu Anfallsbeginn aus, wodurch Gewöhnungseffekte und unerwünschte Nebenwirkungen minimiert werden. Dies ermöglicht die langfristige Unterdrückung von Anfällen und deren verheerenden Folgen.
- Regine Heilbronn, Charité - Universitätsmedizin Berlin - Deutschland
Research Output
- 332 Zitationen
- 8 Publikationen
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2020
Titel The influence of the vocal tract on the attack transients in clarinet playing DOI 10.1080/09298215.2019.1708412 Typ Journal Article Autor Pàmies-Vilà M Journal Journal of New Music Research Seiten 126-135 Link Publikation -
2016
Titel The G-protein biased partial ? opioid receptor agonist 6'-GNTI blocks hippocampal paroxysmal discharges without inducing aversion DOI 10.1111/bph.13474 Typ Journal Article Autor Zangrandi L Journal British Journal of Pharmacology Seiten 1756-1767 Link Publikation -
2015
Titel Sprouty2 and -4 hypomorphism promotes neuronal survival and astrocytosis in a mouse model of kainic acid induced neuronal damage DOI 10.1002/hipo.22549 Typ Journal Article Autor Thongrong S Journal Hippocampus Seiten 658-667 Link Publikation -
2018
Titel In vivo brain GPCR signaling elucidated by phosphoproteomics DOI 10.1126/science.aao4927 Typ Journal Article Autor Liu J Journal Science Link Publikation -
2015
Titel Differences in mitochondrial function in homogenated samples from healthy and epileptic specific brain tissues revealed by high-resolution respirometry DOI 10.1016/j.mito.2015.10.007 Typ Journal Article Autor Burtscher J Journal Mitochondrion Seiten 104-112 Link Publikation -
2017
Titel The Opioid System in Temporal Lobe Epilepsy: Functional Role and Therapeutic Potential DOI 10.3389/fnmol.2017.00245 Typ Journal Article Autor Burtscher J Journal Frontiers in Molecular Neuroscience Seiten 245 Link Publikation -
2014
Titel GPER1 (GPR30) knockout mice display reduced anxiety and altered stress response in a sex and paradigm dependent manner DOI 10.1016/j.yhbeh.2014.09.001 Typ Journal Article Autor Kastenberger I Journal Hormones and Behavior Seiten 628-636 Link Publikation -
2014
Titel A Cycloartane Glycoside Derived from Actaea racemosa L. Modulates GABAA Receptors and Induces Pronounced Sedation in Mice DOI 10.1124/jpet.114.218024 Typ Journal Article Autor Strommer B Journal The Journal of Pharmacology and Experimental Therapeutics Seiten 234-242