Wissenschaftsdisziplinen
Erziehungswissenschaften (100%)
Abstract
Was hat ein Kind mit der Sexualität zu schaffen? Diese Frage drängt sich spätestens seit dem Steigen der
statistischen Zahlenwerte über mißbrauchte Kinder auf. Opfer und Täter wollen identifiziert werden. Doch wer sind
die Täter, die Mittäter, wer die Opfer, die "Mitopfer"?
Der Diskurs um die "Kindfrauen", die mit Vladimir Nabokov als "Lolitas" erstmals definiert wurden, verweist auf
ein Brüchigwerden von Grenzen, welche dieser Problematik zugrunde liegen. Die Idee der Kindfrau selbst hebt die
durch die Pädagogik relativierte Grenzziehung zwischen Kindern und Erwachsenen auf und mit ihr die Opposition
Geschlechtlichkeit vs. Nichtgeschlechtlichkeit. Sie trennt die ,,Guten" von den "Bösen" und trägt dies über den
Sexual- und Geschlechterdiskurs aus. Als "Opfer" bieten sich - über kontradiktorische Metaphern der Kindlichkeit
bzw. der Nichtkindlichkeit definiert - Kinder an, deren Rolle - im Diskurs - darin besteht, zu Tätern zu werden.
Es geht in der geplanten Arbeit darum, die selbstverständlichen Fundamente der Pädagogik - "Anwältin" des
Kindes - kritisch zu befragen. Eben dies erlaubt der Rekurs auf den "Lolita-Diskurs". Wie sieht also der Mythos
der "verbotenen Liebe" zu Kindfrauen in seinen verschiedenen Facetten und Wandlungen aus? Welche sind seine
konstituierenden Elemente? Wie verhält sich der Mythos zum Diskurs der Pädophilie? Welche Rolle spielt die
Pädagogik für Mythos und Realität?