Experimentelle Finanzmärkte mit heterogenen Händlern
Experimental financial markets with heterogeneous traders
Wissenschaftsdisziplinen
Informatik (5%); Psychologie (5%); Wirtschaftswissenschaften (90%)
Keywords
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Experimental economics,
Stylized facts,
Value of information,
Asymmetric information,
Financial markets,
Heterogeneous expectations
Welche Rolle spielen Informationen in Finanzmärkten? Wie nützlich sind Informationen und wie werden diese von Händlern bewertet? Wie interagieren heterogen informierte Händler im Markt und welche Handelsstrategien verwenden sie um Gewinne zu erzielen? Wie manifestiert sich diese Interaktion der Händler im Markt in empirisch beobachteten stylized facts`? Das sind einige der kritischsten Fragen der Finanzwirtschaft. Sie waren schon in den letzten Jahren im Zentrum meiner Forschung und sie bilden auch den Kern dieses Forschungsprojekts. Durch die Durchführung und Auswertung von experimentellen Finanzmärkten versuche ich zur Lösung dieser Fragen beizutragen. In den letzten drei Jahren habe ich zusammen mit mehreren Koautoren ein Modell eines Finanzmarktes entwickelt und in Laborexperimenten untersucht. Die wesentlichsten Innovationen unseres Modells sind, erstens dass es dynamisch ist und damit eine der wesentlichen Schwächen anderer Modelle überwindet, die nur eine statische Analyse erlauben. Zweitens gibt es in unserem Modell mehrere Informationsniveaus, während im Großteil der Literatur nur mit zwei Niveaus gearbeitet wird. Mehr Informationsniveaus zu verwenden ist wesentlich, weil es uns erlaubt, über das - wenig überraschende - Ergebnis, dass Insider besser abschneiden als Uninformierte, hinauszugehen. In unseren bisherigen Experimenten finden wir stets, dass Information nicht immer nützlich für jene Händler ist, die sie haben: Während Insider auch in unseren Märkten Überrenditen erzielen, schneiden die am schlechtesten informieren Händler regelmäßig besser (oder zumindest nicht schlechter) ab als mittelmäßig informierte. Dies impliziert, dass es nur dann nützlich ist Informationen zu sammeln, wenn es gelingt an Insiderinformationen zu gelangen. Andernfalls sind diese Bemühungen bestenfalls nutzlos, vielleicht sogar schädlich. Im vorliegenden Projekt entwickle ich unser Modell weiter indem das Eintreffen neuer Informationen einem realistischeren Prozess folgt. Es gibt nun keine Handelsperioden mehr, sondern der Handel findet kontinuierlich statt und die Abstände zwischen dem Eintreffen neuer Informationen folgen einem Poisson-Prozess. Zusätzlich können die Händler nun selbst entscheiden wie viel Information sie kaufen wollen, d.h. die Wahl des Informationsniveaus wird endogen. Mit dem Projekt will ich vier Forschungsfragen bearbeiten: (i) Die Untersuchungen zum Nutzen von Informationen in Märkten mit heterogen informierten Händlern sollen fortgesetzt werden. (ii) Die für Finanzmärkte üblichen stylized facts` konnten wir bisher auch in unseren Märkten feststellen. Es wird fixer Bestandteil jedes Treatments sein zu überprüfen, ob diese empirischen Eigenschaften auftreten und wie sie von der Marktgestaltung beeinflusst werden. (iii) Die Experimente sollen weiters Daten dazu liefern, wie die Händler Information bewerten bzw. wie viel Information sie kaufen, wenn die Wahl des Informationsniveaus endogen ist. (iv) Händler in unseren Märkten verwenden verschiedene Handelsstrategien: v.a. finden wir Fundamentalanalysten, Chartisten und Arbitrageure. Deren Interaktionen spielen eine wesentliche Rolle für das Marktgeschehen und sie stellen daher einen weiteren wichtigen Untersuchungspunkt dar.
- Universität Innsbruck - 10%
- Yale University - 100%