Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
French literature,
20th-C,
21st-C,
Ghosts/Spectral Figures,
Literary Fiction,
History,
Identity
Abstract
In französischen Erzähltexten der vergangenen drei Jahrzehnte wimmelt es von bedeutungsvollen Gespenstern.
Zeitgenössische französische Autorinnen und Autoren sind geradezu besessen von spektralen Figuren - von Geist,
Phantom und Apparition, revenant, Doppelgänger und quasi-religiösem Zombie. Diese Geisterfiguren finden sich
bei einer erstaunlichen Anzahl von Autorinnen und Autoren, die ansonsten in ihrem Stil wie in ihren Anliegen
völlig unterschiedlich sind und bilden so ein wahres Paradigma. Das vorliegende Projekt verfolgt zwei
unterschiedliche, aber miteinander verbundene Fragestellungen, um dieses interessante Phänomen, das von der
Kritik bisher kaum beachtet wurde, zu erklären. Die erste Fragestellung wird die Funktion des Geistes in Bezug auf
die obsessive Repräsentation der Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts (die Traumata der Weltkriege, die
Dekolonisation, der Fall des Kommunismus) in der zeitgenössischen französischen Literatur untersuchen. Die
Hypothese lautet, dass literarische Manifestationen des Gespenstes grundlegende Fragen aus der Vergangenheit
aufwerfen, die nie entsprechend gelöst oder verarbeitet wurden. Die zweite Fragestellung wird sich mit einem
weiteren gemeinsamen Anliegen des untersuchten Textcorpus beschäftigen, nämlich mit dem Schreiben von
Identität und der Definition des Ichs. Hier wird die Funktion des Gespenstes in Bezug auf persönliche
Lebenssituationen (moderne Arbeitsbedingungen, der Tod eines geliebte Menschen, Krankheit) wie auf historische
Ereignisse und Entwicklungen beleuchtet.