2-, 3-Octanol und Octansäure bei Essentiellem Tremor
2-, 3-octanol, and octanoic acid in Essential Tremor
Wissenschaftsdisziplinen
Klinische Medizin (100%)
Keywords
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Octanol,
Octanoic Acid,
Accelerometry,
Actigraphy,
Essential Tremor,
Gap Junction
Der Essentielle Tremor (ET) stellt eine der häufigsten Bewegungsstörungen in der Neurologie dar und betrifft 0,4 - 3,9% der Gesamtbevölkerung. Der Tremor spricht meist gut auf medikamentöse Therapie wie Propranolol und Primidon an; Präparate, die jedoch durch häufig beobachtete Nebenwirkungen besonders bei älteren Patienten gekennzeichnet sind. Weiters kommt es bei einem signifikantem Anteil an Patienten mit ET aufgrund des progredienten Krankheitsverlaufs trotz medikamentöser Therapie zu einer behindernden Tremorintensität, die eine relevante Beeinträchtigung bei alltäglichen Tätigkeiten wie Trinken und Schreiben darstellen kann. Die Einnahme von Alkohol führt zu einer signifikanten Reduktion der Tremorintensität bei einem überwiegenden Anteil von Patienten mit ET - eine charakteristische Beobachtung bei Essentiellem Tremor. Aufgrund des akuten und chronischen toxischen Effekts von Alkohol, kann diese Substanz verständlicherweise nicht als symptomatische Therapie bei ET empfohlen werden. Langkettige Alkohole wie Octanol, welche Gap Junctions und Low Threshold Kalzium Kanäle blockieren, reduzieren die Tremorintensität im Harmalin-induzierten Tiermodell des Essentiellen Tremors. Darüber hinaus konnte mit 1-Octanol bei ET-Patienten ein positiver und sicherer Effekt bei Dosen bis zu 64 mg/kg Körpergewicht nachgewiesen werden. Octanol-Isomere (2-Octanol, 3-Octanol) zeigten im Tiermodell ebenso einen Tremor- reduzierenden Effekt. Bis dato existiert keine Studie von 2-Octanol, 3-Octanol und Octansäure (octanoic acid, ein endogener Octanol-Metabolit) bei ET-Patienten. Die vorliegende Studie setzt sich das Ziel, die Sicherheit und Effektivität von 2-, 3-Octanol und Octansäure an 16 Patienten mit alkohol-responsivem Essentiellen Tremor zu untersuchen. Diese Substanzen zeigten bereits einen viel versprechenden Effekt in präklinischen Tests. Weiters sind diese Verbindungen anerkannte und zugelassene Nahrungsergänzungsmittel und weisen den von der FDA verliehenen Status "Generally Recognized As Safe" (GRAS) auf. Diese Substanzen werden in einem doppel-blind, randomisiert, plazebo-kontrolliertem, cross-over Design in einer niedrigen Dosierung getestet, die von der FDA als akzeptable tägliche Einnahmemenge ("Acceptable for Daily Intake" - ADI) empfohlen ist. Als Parameter der Effektivität wird die Änderung der Tremorintensität herangezogen, gemessen anhand von Accelerometrie, Aktigraphie sowie dem Zeichnen von Spiralen. Als zweite Variable wird die Sicherheit der vorgeschlagenen Substanzen definiert. Diesbezüglich werden Laborparameter, Vitalparameter sowie strukturierte Interviews zur Verträglichkeit und Nebenwirkungen systematisch dokumentiert. Diese hiermit vorgeschlagene Studie stellt die erste Untersuchung von neuen medikamentösen Therapieansätzen an ET-Patienten dar.