Unser eigener Schatten der Kulturrevolution
Our own shadow of the Cultural Revolution
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Sozialwissenschaften (10%); Psychologie (10%); Sprach- und Literaturwissenschaften (80%)
Keywords
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Cultural Revolution,
China,
Generations,
Psychoanalysis,
Narratives,
Affects
Welche Bedeutung hat die Kulturrevolution für die heutige Gesellschaft Chinas? Beispiele aus Film, und Literatur und Bildender Kunst verdeutlichen einen langen Schatten, dieser ist aber für die Sozialwissenschaften bisher nur schwer wissenschaftlich fassbar. Um dieses jedoch anzugehen, frage ich nicht nach den Kontinuitäten der politischen und gesellschaftlichen Struktur, sondern nach den prozessuralen Kontinuitäten, also welche Formen des damals geschaffenen maoistischen Deutungs- und Identitätsmuster noch heute valide sind und in Familien eingeübt, gelebt, und an die Kinder weitergegeben werden. Dieses Forschungsprojekt sieht sich als Teil eines "emotional turns" in den Sozialwissenschaften. Mit der Subjektivität der Wahrnehmungen und ihrer Wertigkeit für das Individuum werden die Wirkmächtigkeit von politischen Konzepten anhand von autobiographischen Schriften sowie mit Interviews von 6 Paaren (je ein Elternteil und ein Kind) in ihrem subjektiven Wirkungszusammenhang analysiert. Dieses Projekt versucht hierzu die methodischen Ansätze zur generationellen Weitergabe in Familien aus Soziologie, Sozialpsychologie in der Sinologie zu etablieren und die Kulturrevolution nicht in ihrem historischen Zeitraum und Begrifflichkeiten, sondern vielmehr in dem bis heute reichenden Bedeutungszeitraum in psychodynamischen Theorien der psychoanalytischen Objektbindung zu erfassen. Objekte deuten auf das Relationale der Persönlichkeit darauf hin, bei der der Verinnnerlichung von Aspekten oder Teilen anderer eine besondere Rolle zukommt. Damit stellt sich so die Frage nach der Art der Integration des Individuums in der Kulturrevolution und wie sich in bestimmtem politischen Denken oder Handeln das Selbst überhaupt erst wahrnehmen kann und darf. Affektmanipulation, so meine Arbeitsthese, ist als Teil von po-litischer Herrschaft und als geschaffene und heute noch relevante emotionale Organisation der Persönlichkeit zu verstehen. Deshalb frage ich nach seinen Beziehungsmuster zu seinen imaginierten und realen Objekten in der Innenwelt wie in der sozialen Umwelt, ihnen zugewiesenen Affekten, politisch geformten Ambivalenzen und den zugelassenen Abwehrmechanismen. Die zu untersuchenden Formen der transgenerationellen Verarbeitung gewinnen an Bedeutung, wenn die Beziehungsmuster und Wünsche auf die nächste Generation übertragen und diese nur wachsen darf, wenn sie eine Trägerfunktion für diese Wünsche erfüllt und sich in die "Maoistische Objektbeziehung" einfügt. Es sind die Illusionen der damaligen kulturrevolutionären Affektmanipulationen, die als solche nicht erkannt werden, auf deren Realisierung jedoch heute in den Familien bestanden wird. Das Center for East Asian Studies an der Stanford University und seine im Umkreis vorhandenden Bibliotheken sind außerhalb Chinas einer der wichtigsten Orte für Sammlungen und Filme. Wang Ban, William Haas Professor in Chinese Studies, der psychoanalytische Ansätze für die Analyse von Film und Literatur zur Kulturrevolution angewandt hat, betreut dieses Projekt dort.
- Universität Wien - 100%
- University of Stanford - 100%