Städtische Umwelten im Wandel. Das Beispiel Linz
Urban environments in transition. The case of Linz
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (40%); Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (40%); Soziologie (20%)
Keywords
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Environmental History,
Urban Environments,
Urban History
Thema des Projektes sind Transformationen städtischer Umwelten im Übergang zur Moderne (ca. 1700-1900). Sie werden am Beispiel der Stadt Linz (Region Oberösterreich) mit einem multidisziplinären Ansatz untersucht. Methodisch schließt das Projekt an Forschungen an, die Städte als urbane Ökosysteme betrachten, also Interaktionen zwischen Stadtbewohnern und Umwelt in den Blick nehmen. Wir wissen bislang nicht sehr viel über die Beschaffenheit und die Veränderung von städtischen Umwelten vor dem 20. Jahrhundert. Stadt- wie auch umweltgeschichtliche Forschungen haben sich, wenn sie die Zeit vor 1900 berücksichtigten, mehrheitlich dem Zeitraum nach der Mitte des 19. Jahrhunderts zugewandt. Sie konzentrieren sich damit auf eine Phase, in der Siedlungsverdichtung und Industrialisierung neue Umweltprobleme mit sich brachten und "moderne" Ver- und Entsorgungssysteme in den westeuropäischen Städten eingerichtet wurden ("Assanierung"). Vorindustrielle Städte wurden in der Forschung oftmals sehr stereotyp als schmutzig und von Umweltproblemen - denen die Bewohner/innen kaum Relevanz zumaßen und die dementsprechend lange überdauern konnten - beherrscht interpretiert. Neuere Studien haben jedoch für die Vormoderne auf die zahlreichen Veränderungen städtischer Umwelten durch Bewohner/innen, auf differenzierte und partiell technisch komplexe Lösungen für städtische "Umweltprobleme" hingewiesen. Ausgehend von diesen - bisher noch sehr mosaikartigen - Einzelbefunden will das Forschungsprojekt Beschaffenheit und Veränderungen städtischer Umwelten für eine exemplarische Mittelstadt in einem längeren Zeitverlauf erarbeiten, also Pfade, die zu "modernen" städtischen Umwelten führten, rekonstruieren. Bislang standen Großstädte im Fokus der Forschung, während mittlere und kleinere Städte kaum berücksichtigt wurden. Der Rahmen einer Mittelstadt ermöglicht jedoch eine tiefer gehende Analyse, und auch die Bearbeitung von bislang - im Kontext der städtischen Umweltgeschichte - noch kaum verwendeten Quellen. Im Rahmen des Forschungsprojektes wird Umwelt als Gesamtsystem verstanden, es werden also nicht nur Problembereiche (also Hygiene, Entsorgung oder Verschmutzung betreffend) berücksichtigt. Somit sind auch Fragen nach "Naturräumen" in der Stadt, nach "künstlichen" Umwelten, nach der Versorgung mit Energie und Materialien, auch unter der Perspektive des "Stoffwechsels" einer Stadt zentral. Zudem sollen Aspekte "natürlicher Umwelten" betrachtet werden, also Auswirkungen von Wetter und Klima oder Naturkatastrophen auf die Stadt, zudem politische Prozesse, die städtische Umwelten veränderten und schließlich die Wahrnehmung dieser Umwelten durch Stadtbewohner/innen. Über das Forschungsprojekt könnten Ansätze der Umwelt- und Stadtgeschichte zusammengeführt, diesbezügliche Diskurse initiiert und es könnte das Potential einer Umweltgeschichte vormoderner Städte unterstrichen werden. Wird die Quellenarbeit auch in österreichischen Archiven erfolgen, soll der hier beantragte Forschungsaufenthalt am "Centre for Urban History" (University of Leicester) dazu dienen, die methodischen Ansätze und Hypothesen des Projekts mit ausgewiesenen Experten/innen zu diskutieren und weiterzuentwickeln. Gleichzeitig soll der Aufenthalt auch die Einbindung der eigenen Forschungsergebnisse in internationale Forschungsdiskurse zur Stadtgeschichte vorbereiten.
- University of Leicester - 100%
Research Output
- 4 Zitationen
- 1 Publikationen
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2015
Titel Western European Recycling in a Long-term Perspective DOI 10.1515/jbwg-2015-0011 Typ Journal Article Autor Stöger G Journal Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte / Economic History Yearbook Seiten 267-290