Die Evolution von Erpressung in wiederholten Spielen
The evolution of extortion in repeated games
Wissenschaftsdisziplinen
Informatik (10%); Mathematik (90%)
Keywords
-
Evolution Of Cooperation,
Repeated Games,
Extortion,
Zero-Determinant Strategies,
Evolutionary Game Theory,
Adaptive Dynamics
In der evolutionären Biologie und den Sozialwissenschaften dienen wiederholte Spiele als wichtiges Analysewerkzeug um individuelle Verhaltensweisen in langfristigen Beziehungen zu beschreiben. In einem wiederholten Spiel können die Akteure ihre Handlungen vom Ausgang der vorherigen Interaktionen abhängig machen, was zu reziproker Kooperation und mutualistischen Symbiosen führen kann. Für den wichtigsten Modellfall wiederholter Interaktionen, das wiederholte Gefangenendilemma, wurde jedoch kürzlich gezeigt, dass ein Spieler auch eine raffinierte Strategie anwenden kann, die es erlaubt die Gegner zu manipulieren und auszubeuten. Eine solche Strategie hat drei wichtige Eigenschaften: (1) Sie stellt sicher, dass die Auszahlungen der Spieler einer linearen Relation folgen, (2) sie bietet einen Anreiz für den Mitspieler zu kooperieren und (3) sie sorgt dafür, dass die Gewinne aus der Kooperation ungleich verteilt werden, sodass die eigene Auszahlung die Auszahlung des Mitspielers um einen festen Prozentsatz übersteigt. Aufgrund der Evolutionstheorie sollten sich Verhaltensweisen, die einen relativen Vorteil versprechen, ausbreiten; die Frage ist daher naheliegend ob sich solche ausbeuterischen Strategien in evolvierenden Populationen durchsetzen können. Wie kürzlich gezeigt wurde, sind die Erfolgsaussichten limitiert: In ausreichend großen Bevölkerungen sind diese ausbeuterischen Strategien instabil und sie fördern sogar die Evolution der Kooperation (anstatt sie zu erschweren). Andererseits, wenn die Bevölkerungszahl klein ist, oder wenn die Spieler aus unterschiedlichen Populationen stammen (die unterschiedlich schnell evolvieren), dann können erpresserische Strategien einen wichtigen Einfluss auf die evolutionäre Dynamik nehmen. Gegenstand des vorliegenden Projektes ist es, die Rolle dieser erpresserischen Strategien in allgemeinen wiederholten Spielen zu bewerten. Dazu werden wir evolutionäre Spieltheorie anwenden um zu untersuchen unter welchen Bedingungen sich solche Strategien durchsetzen und was die Konsequenzen für die Evolution der Kooperation sind. Der Anwendungsbereich erpresserischer Strategien ist dabei nicht auf paarweise Interaktionen beschränkt; solche Strategien existieren auch in großen Gemeinschaftsprojekten mit einer beliebigen Anzahl von Spielern. Diese Einsicht erlaubt es uns ein neues Licht auf kooperatives Verhalten in Public Good Games und dem Freiwilligendilemma zu werfen. Dieser neue Blickwinkel auf wiederholte Spiele kann dann auch dazu verwendet werden, bereits existierende Daten zum menschlichen Verhalten in sozialen Experimenten neu auszuwerten.
Forscher aus verschiedenen Fachrichtungen sind daran interessiert zu verstehen wann Menschen kooperieren (und wieso Menschen im Allgemeinen kooperativer sind als andere Spezies). Direkte Reziprozität bietet eine mögliche Erklärung: in wiederholten Begegnungen lernen Menschen oft nur mit denjenigen zu kooperieren die in der Vergangenheit selbst kooperiert haben. Bis vor vier Jahren war die Scientific Community daher überzeugt dass wiederholte Spiele beinahe automatisch zu Kooperation führen. Im Jahr 2012 passierte jedoch eine bahnbrechende Entdeckung William Press und Freeman Dyson (ein Computerwissenschaftler und ein Physiker) haben gezeigt dass es Strategien für das wiederholte Gefangenendilemma gibt mit denen man seine Mitspieler erpressen und systematisch ausbeuten kann. Diese Entdeckung hat in Frage gestellt, unter welchen Bedingungen direkte Reziprozität überhaupt zu Kooperation führen kann manche Kommentatoren haben schon bemerkt Die Welt der Spieltheorie brennt lichterloh...Mit dem Schrödinger Projekt haben wir zwei Ziele verfolgt. Zum einen konnten wir zeigen, dass die Resultate von Press & Dyson noch viel allgemeiner gelten. Erpresserische Strate- gien gibt es in jedem wiederholten Spiel (unabhängig davon wie oft das Spiel wiederholt wird, und ob es zwei Spieler gibt oder mehrere). Zum anderen haben wir versucht die Erfolgsaussichten dieser erpresserischen Strategien zu quantifizieren. Dazu haben wir einerseits auf Computer Simulationen gesetzt, mit denen wir einen einfachen evolutionären Prozess simuliert haben. Wir haben eine virtuelle Bevölkerung von Individuen betrachtet, die frei zwischen verschiedenen Strategien für das wiederholte Gefangenendilemma wählen konnten (unter der Annahme, dass sie über die Zeit hinweg lernen eher auf erfolgreiche Strategien zurückzugreifen). Bei diesen Simulationen hat sich gezeigt dass erpresserische Strategien nur dann gewählt werden wenn (i) die Bevölkerung sehr klein ist oder (ii) sich manche Spieler dauerhaft auf die Erpresserstrategie festlegen können. Diese zweite Vorhersage haben wir dann in einem Verhaltensexperiment getestet, in dem Studenten gegen ein Computerprogramm gespielt haben. Der Computer verwendete dabei entweder eine Erpresserstrategie, oder eine sehr nachsichtige und kooperative Strategie. Obwohl die Theorie einen Sieg der Erpresser vorhersagt, war die nachsichtige Strategie erfolgreicher. Die Studenten haben sich gegen Ausbeutung gewehrt, sogar dann wenn sie dadurch selber weniger verdienen.Daneben habe ich im Rahmen des Schrödinger Stipendiums auch neue Kollaborationen initiiert, zum Beispiel zur Rolle kooperativer Instinkte und zur evolutionären Bedeutung von Bescheidenheit.
- Harvard University - 100%
Research Output
- 668 Zitationen
- 16 Publikationen
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2014
Titel Cooperation and control in multiplayer social dilemmas DOI 10.1073/pnas.1407887111 Typ Journal Article Autor Hilbe C Journal Proceedings of the National Academy of Sciences Seiten 16425-16430 Link Publikation -
2016
Titel Comparing reactive and memory-one strategies of direct reciprocity DOI 10.48550/arxiv.1601.07970 Typ Preprint Autor Baek S -
2015
Titel Cooperate without Looking in a Non-Repeated Game DOI 10.3390/g6040458 Typ Journal Article Autor Hilbe C Journal Games Seiten 458-472 Link Publikation -
2015
Titel Evolutionary performance of zero-determinant strategies in multiplayer games DOI 10.1016/j.jtbi.2015.03.032 Typ Journal Article Autor Hilbe C Journal Journal of Theoretical Biology Seiten 115-124 Link Publikation -
2015
Titel Partners or rivals? Strategies for the iterated prisoner's dilemma DOI 10.1016/j.geb.2015.05.005 Typ Journal Article Autor Hilbe C Journal Games and Economic Behavior Seiten 41-52 Link Publikation -
2015
Titel Modelling the dynamics of crime and punishment Comment on “Statistical physics of crime: A review” by M.R. D'Orsogna and M. Perc DOI 10.1016/j.plrev.2015.01.020 Typ Journal Article Autor Chakra M Journal Physics of Life Reviews Seiten 22-23 -
2014
Titel Chains between prisoners. Typ Journal Article Autor Hilbe C Journal Eureka. -
2014
Titel Zero-determinant alliances in multiplayer social dilemmas DOI 10.48550/arxiv.1404.2886 Typ Preprint Autor Hilbe C -
2014
Titel Extortion subdues human players but is finally punished in the prisoner’s dilemma DOI 10.1038/ncomms4976 Typ Journal Article Autor Hilbe C Journal Nature Communications Seiten 3976 Link Publikation -
2014
Titel Sanctions as honest signals – The evolution of pool punishment by public sanctioning institutions DOI 10.1016/j.jtbi.2014.04.019 Typ Journal Article Autor Schoenmakers S Journal Journal of Theoretical Biology Seiten 36-46 Link Publikation -
2016
Titel Comparing reactive and memory-one strategies of direct reciprocity Typ Journal Article Autor Baek Sk Journal Scientific Reports -
2016
Titel Coevolutionary interactions between farmers and mafia induce host acceptance of avian brood parasites DOI 10.1098/rsos.160036 Typ Journal Article Autor Chakra M Journal Royal Society Open Science Seiten 160036 Link Publikation -
2016
Titel Asymmetric Power Boosts Extortion in an Economic Experiment DOI 10.1371/journal.pone.0163867 Typ Journal Article Autor Hilbe C Journal PLOS ONE Link Publikation -
2016
Titel Comparing reactive and memory-one strategies of direct reciprocity DOI 10.1038/srep25676 Typ Journal Article Autor Baek S Journal Scientific Reports Seiten 25676 Link Publikation -
2018
Titel The signal-burying game can explain why we obscure positive traits and good deeds DOI 10.1038/s41562-018-0354-z Typ Journal Article Autor Hoffman M Journal Nature Human Behaviour Seiten 397-404 -
0
Titel Abundance of strategies in the iterated prisoner's dilemma in well-mixed populations. Typ Other Autor Baek Sk