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Schlaf und Epilepsie: Beitrag des intracerebralen EEGs

Sleep and epilepsy: contribution of intracerebral EEG

Birgit Frauscher (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/J3485
  • Förderprogramm Erwin Schrödinger
  • Status beendet
  • Projektbeginn 15.12.2013
  • Projektende 14.12.2015
  • Bewilligungssumme 63.700 €

Wissenschaftsdisziplinen

Klinische Medizin (100%)

Keywords

    Intracerebral Eeg Recording, EEG vigilance fluctuation, Sleep, REM-sleep motor regulation, Epilepsy, High Frequency Oscillations

Abstract Endbericht

Das intrazerebrale EEG ist eine in der prächirurgischen Epilepsieabklärung etablierte Methode, die die einzigartige Möglichkeit bietet, lokalisationsspezifische Interaktionen zwischen Schlaf und Epilepsie zu erforschen. Erst kürzlich konnte mittels dieser Methode beim Menschen nachgewiesen werden, dass Schlaf kein generalisiertes, sondern ein fokales Phänomen ist. Das Ziel der vorliegenden Studie ist es, neue Erkenntnisse über physiologischen und pathologischen Schlaf beim Menschen zu gewinnen. Es sollen 3 verschiedene Aspekte untersucht werden: 1.) Die Rolle von prä- und postiktalen EEG-Vigilanzschwankungen in Bezug auf epileptische Anfälle während der Wachphase, 2.) Die Analyse der Beziehungen zwischen High Frequency Oscillations (HFOs) - einem innovativen Biomarker für epileptogenes Gewebe - epileptiformer Entladungen und Schlaftransiente, da sowohl HFOs als auch Schlaftransiente thalamisch beeinflusst sind, und 3.) Die Exploration von Schlaf in verschiedenen Gehirnregionen unter Anbetracht der rezenten Ergebnisse zur potentiellen fokalen Genese von Schlaf. Intrazerebrale EEG Ableitungen inkl. Schlafregistrierung von ca. 60 konsekutiven Epilepsiepatienten werden analysiert. Projekt 1 bestimmt EEG Vigilanzschwankungen in einem 30 Minutenzeitfenster vor und nach Manifestation fokaler Anfälle mittels visueller und quantitativer EEG Analyse. Projekt 2 untersucht 5-Minuten Sequenzen verschiedener Schlafstadien und Schlafzyklen, um die Beziehung zwischen HFOs, epileptiformer Entladungen und dem Schlafzyklus, der einzelnen NREM-Schlafstadien und den verschiedenen Schlaftransienten zu erforschen. Projekt 3 untersucht Unterschiede zwischen dem Schlaf im Oberflächen-EEG und lokalisationsspezifischer Schlafmuster. In einer Patientensubgruppe mit Tiefenelektroden in motorischen Cortexarealen soll analysiert werden, ob physiologische rudimentäre REM-Schlaf bezogene Bewegungen idem zu Bewegungen im Wachzustand primär kortikal generiert sind. Das Projekt trägt zur Gewinnung neuer Erkenntnisse über physiologischen und pathologischen Schlaf bei und eröffnet ein innovatives neues Forschungsfeld an der Schnittstelle zwischen Schlaf und Epilepsie. Aus Sicht der Epileptologie trägt das Wissen über die Verteilung von HFOs zu einer besseren Einsatzfähigkeit dieser Methode im klinischen Alltag bei, da eine optimale Selektion von geeigneten Sequenzen für eine HFO-Auswertung mit einer deutlichen Zeitersparnis einhergeht. Aus Sicht der Schlafmedizin führt die Studie zu einer Verbesserung des Verständnisses der Entstehung von Schlaf und seiner motorischen Regulation.

Intrakranielle Elektroenzephalographie (EEG), eingesetzt in der prächirurgischen Epilepsieabklärung, bietet die einzigartige Möglichkeit, wichtige klinische Interaktionen zwischen Schlaf und Epilepsie zu erforschen. Dieses Projekt wandte diese Technik an, um neue Erkenntnisse über Schlafphysiologie und Interaktionen zwischen Schlaf und Epilepsie zu gewinnen. Die wesentlichen Ergebnisse waren: i) Schlaf unterliegt einer lokalen Regulation im Vergleich zur klassischen Sicht von Schlaf als globalem Phänomen; ii) langsame Schlafoszillationen und nicht NREM-Schlaf per se sind notwendig für die Generierung von epileptischer Aktivität; iii) Synchronization ist verantwortlich für die Generierung von epileptischer Aktivität. Schlafspindeln sind wichtig für Gedächtniskonsolidierung und Gehirnentwicklung. Spindeln im Skalp-EEG gehen mit einer weitverbreiteten kortikalen Aktivität einher. Die intrakranielle Beteiligung während Schlafspindeln zeigt kein konsistentes Muster. Ihre Synchronität über verschiedene Hirnregionen ist unerwartet niedrig. Wir untersuchten weiters, ob die Übergänge von NREM- zu REM-Schlaf über verschiedene Hirnregionen hinweg synchron auftreten. Diese Übergänge zeigen sich variabel im intrakraniellen EEG im Vergleich zum Skalp-EEG. Sie folgen keinem konsistenten Muster, was das Konzept von Schlaf als lokales Phänomen unterstreicht. Wir spekulierten, das langsame Schlafoszillationen und nicht NREM Schlaf per se epileptische Spitzen und pathologische Hochfrequenz-Oszillationen (HFOs), ein neuer Biomarker für Epilepsie, triggern. Epileptische Spitzen und HFOs treten vermehrt während langsamer Schlafoszillationen auf. Beide Variablen sind gekoppelt an den Übergang vom aktivierten zum inaktivierten Zustand der Schlafoszillationen. Dies weist auf die Bedeutung von Synchronization für die Aktivierung von epileptischer Aktivität hin. Wir untersuchten weiters die Bedeutung von Desynchronisation. REM Schlaf ohne schnelle Augenbewegungen, das Schlafstadium mit höchster Desynchronisation, zeigt noch geringere Raten an Spitzen und HFOs als REM Schlaf ohne schnelle Augenbewegungen. Epileptische HFOs verglichen mit HFOs in gesunden Hirnregionen sind unterschiedlich an langsame Wellen oder schnelle Augenbewegungen gekoppelt. Zusammenfassend trug dieses Projekt zu einem besseren Verständnis von Schlafphysiologie bei, indem es die Bedeutung von lokalem kortikalem Einfluss auf die Entstehung von Schlaf hervorhob. Weiters trug es zur Klärung von Mechanismen der Epileptogenese im Schlaf bei.

Forschungsstätte(n)
  • McGill University - 100%

Research Output

  • 609 Zitationen
  • 7 Publikationen
Publikationen
  • 2015
    Titel Relationships between interictal epileptic spikes and ripples in surface EEG
    DOI 10.1016/j.clinph.2015.04.059
    Typ Journal Article
    Autor Van Klink N
    Journal Clinical Neurophysiology
    Seiten 143-149
  • 2014
    Titel Scalp spindles are associated with widespread intracranial activity with unexpectedly low synchrony
    DOI 10.1016/j.neuroimage.2014.10.048
    Typ Journal Article
    Autor Frauscher B
    Journal NeuroImage
    Seiten 1-12
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Phase-Amplitude Coupling Is Elevated in Deep Sleep and in the Onset Zone of Focal Epileptic Seizures
    DOI 10.3389/fnhum.2016.00387
    Typ Journal Article
    Autor Amiri M
    Journal Frontiers in Human Neuroscience
    Seiten 387
    Link Publikation
  • 2016
    Titel EEG desynchronization during phasic REM sleep suppresses interictal epileptic activity in humans
    DOI 10.1111/epi.13389
    Typ Journal Article
    Autor Frauscher B
    Journal Epilepsia
    Seiten 879-888
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Facilitation of epileptic activity during sleep is mediated by high amplitude slow waves
    DOI 10.1093/brain/awv073
    Typ Journal Article
    Autor Frauscher B
    Journal Brain
    Seiten 1629-1641
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Sleep influences the intracerebral EEG pattern of focal cortical dysplasia
    DOI 10.1016/j.eplepsyres.2015.03.014
    Typ Journal Article
    Autor Cordeiro I
    Journal Epilepsy Research
    Seiten 132-139
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Interictal Hippocampal Spiking Influences the Occurrence of Hippocampal Sleep Spindles
    DOI 10.5665/sleep.5242
    Typ Journal Article
    Autor Frauscher B
    Journal Sleep
    Seiten 1927-1933
    Link Publikation

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