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Welche B-Zellen sind pathogen in MuSK Myasthenia gravis?

Which B cells are pathogenic in MuSK-Myasthenia gravis?

Inga Koneczny (ORCID: 0000-0002-0567-021X)
  • Grant-DOI 10.55776/J3545
  • Förderprogramm Erwin Schrödinger
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.05.2014
  • Projektende 30.11.2017
  • Bewilligungssumme 150.040 €

Wissenschaftsdisziplinen

Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (100%)

Keywords

    Myasthenia gravis, Muscle-specific Kinase (MuSK), B-cells, Autoimmunity, IgG4, Plasma Cells

Abstract Endbericht

Myasthenia gravis (MG) ist eine Autoimmunerkrankung der Neuromuskulären Synapse, deren Hauptsymptom eine belastungsabhängige Muskelschwäche ist, die auch die Atemmuskulatur betreffen kann. Die Prävalenz in Österreich beträgt 15.7 pro 100.000, wobei die meisten Patienten Antikörper der IgG1 Subklasse gegen den Acetylcholinrezeptor haben. Eine Untergruppe der Patienten hat IgG4 Antikörper gegen die Muskel-spezifische Kinase (MuSK). Die Behandlung besteht zumeist aus symptomatischer Therapie mit Acetylcholinesteraseinhibitoren und/oder Immunsuppression. Obwohl die generelle Pathologie von Myasthenia gravis recht gut untersucht ist, bleiben doch viele grundlegende Fragen zu den Krankheitsmechanismen offen, insbesondere zur Produktion der pathogenen Antikörper. Es ist nicht bekannt welche B-Zell-Population diese Antikörper produziert, noch deren Lokalisation im Körper oder ihr Phänotyp. Daher ist es das Ziel dieses Projekts, diejenigen Zellen zu identifizieren und charakterisieren, welche die pathogenen Antikörper herstellen, und somit das B-Zell-Repertoire zu definieren, welche zur Pathogenese der MG beiträgt. Dazu sollen antigen-spezifische B-Zell-Populationen mithilfe von Durchflusszytometrie und einem am Department für Neurologie der Yale University neu entwickelten MuSK Antigen-Tetramer isoliert werden. Aus diesen Zellen werden Transkriptome generiert, welche die variable Region des IgG der antigen-spezifischen B-Zellen abdecken, und in Folge mit IgG Proteomen verglichen, welche mittels Massenspektrometrie aus antigenspezifischen IgG aus Patientenserum analysiert werden. Dieser Vergleich soll zeigen, welche B-Zell Populationen die pathogenen Antikörper produzieren. MuSK Antikörper gehören überwiegend zur IgG4 Subklasse welche nicht komplementaktivierend wirkt und zudem bi- spezifisch sein kann. IgG4 ist somit eine ungewöhnliche Subklasse für eine Autoimmunerkrankung und die Fc region dieser Antikörper ist daher von besonderem Interesse für MuSK MG und andere IgG4 assoziierten Erkrankungen, wie beispielsweise Pemphigus. Mithilfe der Transkriptome der MuSK spezifischen B-Zellen können chimäre Antikörper generiert werden, welche die variable Region eines MuSK IgG4 und die konstante Region eines MuSK IgG1 enthalten, und umgekehrt. Die chimären Antikörper werden dann mittels spezieller Techniken, welche von der Antragsstellerin entwickelt wurden, auf Pathogenizität in vitro untersucht. Das Projekt wird als Kollaboration zwischen Kevin OConnor (Yale) und Markus Reindl (Innsbruck) durchgeführt, welcher mit ähnlichen Methoden B-Zellen bei entzündlich- entmarkenden Erkrankungen untersucht. Dieses Projekt wird nicht nur zentrale therapeutische Angriffspunkte identifizieren, sondern auch neue Technologien, die auch auf andere Krankheiten anwendbar sind, nach Österreich transferieren. Zudem wird die Pathophysiologie der MG zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht in Österreich erforscht, obwohl diese Krankheit hier mit einer vergleichsweise hohen Prävalenz vorhanden ist. Unser Projekt ist daher ein erster Schritt, zur Etablierung der MG Forschung in Österreich.

Im FWF-geförderten Projekt Welche B-Zellen sind pathogen in MuSK Myasthenia gravis wurden Zellen des Immunsystems untersucht die schädliche Autoantikörper gegen das wichtige Protein MuSK im Muskel produzieren könnten. Diese Autoantikörper beeinträchtigen die Reizweiterleitung vom Nerv an den Muskel was zu einer schwerwiegenden Muskelschwäche führt. Patienten mit MuSK Myasthenia gravis sind dadurch stark betroffen, unter anderem können die Antikörper zu einer myasthenen Krise führen, in der die Patienten künstlich beatmet werden müssen. Die Zellen, die diese Antikörper produzieren, konnten trotz verschiedenster Experimente im Blut der Patienten noch nicht identifiziert werden, da es vermutlich nur sehr wenige davon gibt. Es wurden zudem die schädlichen Autoantikörper der IgG4 Klasse untersucht, und es wurde festgestellt, dass diese im Blut der Patienten eine starken Veränderung durchmachen. Sie spalten sich in zwei Hälften, und setzen sich mit den Hälften von andere Antikörpern der IgG4 Klasse neu zusammen. Das Ergebnis sind Antikörper, in denen die eine Hälfte noch das Muskelprotein (MuSK) erkennt, aber die andere Hälfte ein völlig anderes Protein binden kann. Dieser Prozess wird Fab-arm exchange genannt. Das hat Auswirkungen, da sich die Eigenschaften des Autoantikörpers verändern. Zum Beispiel wird die Bindung an das Muskelprotein geschwächt weil nur noch der halbe Antikörper binden kann. Es könnte zudem ein anderes Protein zusätzlich gebunden werden, und die Kreuzvernetzung von MuSK Proteinen wird unterbunden. In vierzehn anderen, schweren Erkrankungen spielen IgG4 Autoantikörper gegen unterschiedlichste Proteine im ganzen Körper ebenfalls eine wichtige Rolle. Auch diese könnten durch den Fab-arm exchange verändert werden. Denkbar wäre, dass man in Zukunft den Fab-arm exchange mit neuen Wirkstoffen medikamentös beeinflussen könnte, oder auch dass man Fab-arm exchange als neuen klinischen Parameter für diagnostischen Tests aufnehmen könnte. Es wurde zudem eine neue Klassifikation für IgG4 Autoimmunerkrankungen entwickelt, um festzustellen, ob die auftretenden IgG4 Autoantikörper schädlich sind. In fünf Erkrankungen, darunter MuSK Myasthenia gravis, wurde die Schädlichkeit der Autoantikörper eindeutig festgestellt. Für diese Erkrankungen wären in Zukunft neue Therapien gegen die IgG4 Klasse von Antikörpern sinnvoll. In einem zusätzlichen Projekt wurden vier Myasthenia gravis Patienten mit Autoantikörpern gegen Lrp4 (Lrp4 Myasthenia gravis) untersucht. In diesen Patienten wurde der Thymus operativ entfernt. Wir haben untersucht, ob sich im Thymus Keimzentren befinden in denen Immunzellen zur Produktion von sehr effizienten Antikörpern ausgebildet werden. Wir fanden keine Keimzentren, aber bei den Patienten trat eine deutliche Verbesserung nach der Operation auf. Daher denken wir, dass der Thymus auf noch unbekannte Weise zur Krankheit beitragen könnte und dass die operative Entfernung des Thymus diesen Patienten helfen könnte. In der Rückkehrphase wurde ein neues preisgekröntes Projekt gestartet, in dem es um die Entdeckung neuer Autoantikörper in MG Patienten geht. Das würde die Diagnostik und die klinische Behandlung und somit auch die Lebensqualität der Patienten deutlich verbessern.

Forschungsstätte(n)
  • Universiteit Maastricht
  • Medizinische Universität Wien

Research Output

  • 411 Zitationen
  • 8 Publikationen
Publikationen
  • 2017
    Titel Exploring the effect of vitamin D3 supplementation on the anti-EBV antibody response in relapsing-remitting multiple sclerosis
    DOI 10.1177/1352458517722646
    Typ Journal Article
    Autor Rolf L
    Journal Multiple Sclerosis Journal
    Seiten 1280-1287
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Characterization of an anti-fetal AChR monoclonal antibody isolated from a myasthenia gravis patient
    DOI 10.1038/s41598-017-14350-8
    Typ Journal Article
    Autor Saxena A
    Journal Scientific Reports
    Seiten 14426
    Link Publikation
  • 2016
    Titel IgG4 autoantibodies against muscle-specific kinase undergo Fab-arm exchange in myasthenia gravis patients
    DOI 10.1016/j.jaut.2016.11.005
    Typ Journal Article
    Autor Koneczny I
    Journal Journal of Autoimmunity
    Seiten 104-115
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Myasthenia gravis.
    Typ Book Chapter
    Autor Koneczny I
  • 2018
    Titel Detection Methods for Autoantibodies in Suspected Autoimmune Encephalitis
    DOI 10.3389/fneur.2018.00841
    Typ Journal Article
    Autor Ricken G
    Journal Frontiers in Neurology
    Seiten 841
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Serological and experimental studies in different forms of myasthenia gravis
    DOI 10.1111/nyas.13592
    Typ Journal Article
    Autor Vincent A
    Journal Annals of the New York Academy of Sciences
    Seiten 143-153
  • 2018
    Titel A New Classification System for IgG4 Autoantibodies
    DOI 10.3389/fimmu.2018.00097
    Typ Journal Article
    Autor Koneczny I
    Journal Frontiers in Immunology
    Seiten 97
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Commentary: Detection Methods for Autoantibodies in Suspected Autoimmune Encephalitis
    DOI 10.3389/fneur.2019.00202
    Typ Journal Article
    Autor Gadoth A
    Journal Frontiers in Neurology
    Seiten 202
    Link Publikation

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