Die ökonomische Theorie der Umweltpolitik
The Political Economy of Environmental Policy
Wissenschaftsdisziplinen
Mathematik (17%); Wirtschaftswissenschaften (83%)
Keywords
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Environmental Economics,
Open-access resource,
Trade and Natural Resources,
Climate change,
Dynamic Political Economy,
Markov Perfection
Im Rahmen des beantragten Forschungsprojektes wird eine dynamische Theorie der Umweltpolitik entwickelt; diese dient dazu, spezifische Problemstellungen in Bezug auf Implementierung, Nachhal- tigkeit und Verbindlichkeit von umweltpolitischen Maßnahmen zu untersuchen. Da viele natürliche Ressourcen sehr langsame Regenerationsprozesse aufweisen und weitaus längere Planungshorizonte erfordern als sonstige Politikmaßnahmen, sind die genannten Problemfelder von großer Bedeutung für den Bereich Umweltpolitik. Die entwickelte Theorie wird zudem auf die Politikbereiche Außenhandel und Klimawandel angewendet, die in den letzten Jahren in den Mittelpunkt gesellschaftlicher Debatten gerückt sind. Die entwickelte Theorie vereinigt innovativ zwei Schwerpunkte: (i) Kapitalmärkte und deren inter- temporale Transformationsfunktion und (ii) Allgemeine Gleichgewichtseffekte von Ressourcenknapp- heit. Diese werden in einem Overlapping-Generations-Modell mit zwei Sektoren kombiniert; dies ermöglicht es, die generationsübergreifenden Wohlfahrtseffekte von Umweltpolitik zu untersuchen. Eine Politikmaßnahme zur Senkung des Ressourcenverbrauches verursacht ökonomische Kosten, er- laubt dennoch eine Verringerung von zukünftigen Produktionskosten. Dieser relative Anstieg von zukünftigem Wohlstand wird über den Kapitalmarkt in höhere Vermögenswerte in der Gegenwart transferiert. Umweltpolitik führt zu einer Wohlfahrtsverbesserung, falls die Veränderung in den ge- genwärtigen Vermögenswerten die Kosten der Politikmaßnahme kompensieren kann. Dieser Zusam- menhang zwischen Umweltpolitik und Vermögenswerten wurde bisher wenig untersucht und in beste- hende Modelle nicht einbezogen, weil die meisten Umweltprobleme keine allgemeinen Gleichge- wichtseffekte induzieren. Für die Bereiche Klimawandel und Außenhandel ist eine derart vereinfa- chende Annahme jedoch nicht zutreffend. Viele umweltpolitische Fragen erfordern einen außerordentlich langen Planungshorizont und heute getroffene politische Entscheidungen können in der Zukunft revidiert werden. Um dieser Commit- ment-Problematik Rechnung zu tragen, werden im vorgeschlagenen Projekt unterschiedliche Wähler- modelle und deren Relevanz für generationsübergreifende Wohlfahrt untersucht. Insbesondere wird ein Laissez-faire Szenario mit dem sozialen Optimum und dem Markov-perfekten Gleichgewicht ver- glichen. Das Forschungsprojekt beabsichtigt eine innovative Analyse von umweltökonomischen Fragen unter Verwendung neuester politökonomischer und makroökonomischer Methodik im Allgemeinen und eine Anwendung auf die Politikbereiche Außenhandel und Klimawandel im Speziellen. Die Forschung hierzu wird an der Columbia University und der University of California, Berkeley, als Gastinstitutio- nen und dem International Institute for Applied Systems Analysis als Heimatinstitution durchgeführt.
Jeder Mensch ist bemüht, natürliche Ressourcen für zukünftige Generationen zu bewahren in der Theorie eine beruhigende Annahme. In der Praxis sieht das oft anders aus. Denn nicht jeder Akteur einer Gesellschaft ist auf das Wohl Anderer bedacht und sogar bereit sich dafür einzuschränken. Dies ist gerade im Bereich der Umweltpolitik ein ernstes Problem: Um allfällige Schäden in weiter Ferne zu vermeiden, müssen heute unmittelbar Ausgaben getätigt werden. Im Rahmen dieses Projektes wurde eine neue Theorie entwickelt, die zeigen soll, dass der Wohlstand zukünftiger Generationen durchaus auch Wohlstand für heutige Generationen schaffen kann. Das geht so: Zur Senkung des Ressourcenverbrauchs wird eine Politikmaßnahme verabschiedet, die zum Zeitpunkt der Umsetzung ökonomische Kosten verursacht. Gleichzeit verringert sie aber auch zukünftige Umwelt- und insbesondere Klimaschäden und damit zukünftige Produktionskosten. Dieser relative Anstieg zukünftigen Wohlstands kann sich z.B. in Wirtschaftswachstum, Schaffung von Arbeitsplätzen und höheren Einkommen manifestieren. Das wesentliche Ergebnis des Projektes ist, dass der Kapitalmarkt dazu dienen kann, derartige zukünftige positive Wirtschaftsentwicklungen bereits heute in höhere Vermögenswerte umzusetzen. Dies kann z. B. durch Anlagen in Form von Staatsanleihen, Wertpapieren oder Aktien erfolgen. Ein weiterer Aspekt der in das Projekt einbezogen wurde, ist die mögliche Revidierung heutiger Maßnahmen. So könnte die heute von der Generation X getroffenen Entscheidungen von der nachfolgenden Generation Y wieder abgeschaffter werden können, so dass Generation Z leer ausgeht. Um dieser Commitment-ProblematikRechnung zutragen, werden unterschiedliche WählerInnenmodelle und deren Relevanz für einen generationenübergreifenden Wohlstand analysiert. Insgesamt werden mehrere gesellschaftliche Szenarien aus dem Bereich der Ökonomie und Spieltheorie von Dr. Rezai miteinander verglichen. In Folge werden nun die Vermögenswerte in unterschiedliche Industrien aufgegliedert. So können unterschiedliche Effekte auf unterschiedliche Assetklassen (fossile vs kohlenstofffreie Industrien) verglichen werden.
Research Output
- 466 Zitationen
- 12 Publikationen
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2016
Titel Intergenerational Inequality Aversion, Growth, and the Role of Damages: Occam’s Rule for the Global Carbon Tax DOI 10.1086/686294 Typ Journal Article Autor Rezai A Journal Journal of the Association of Environmental and Resource Economists Seiten 493-522 Link Publikation -
2016
Titel Second-Best Renewable Subsidies to De-carbonize the Economy: Commitment and the Green Paradox DOI 10.1007/s10640-016-0086-3 Typ Journal Article Autor Rezai A Journal Environmental and Resource Economics Seiten 409-434 Link Publikation -
2016
Titel Ecological macroeconomics: Introduction and review DOI 10.1016/j.ecolecon.2015.12.003 Typ Journal Article Autor Rezai A Journal Ecological Economics Seiten 181-185 Link Publikation -
2017
Titel Climate policies under climate model uncertainty: Max-min and min-max regret DOI 10.1016/j.eneco.2017.10.018 Typ Journal Article Autor Rezai A Journal Energy Economics Seiten 4-16 Link Publikation -
2017
Titel Cumulative emissions, unburnable fossil fuel, and the optimal carbon tax DOI 10.1016/j.techfore.2016.10.016 Typ Journal Article Autor Van Der Ploeg F Journal Technological Forecasting and Social Change Seiten 216-222 Link Publikation -
2017
Titel The simple arithmetic of carbon pricing and stranded assets DOI 10.1007/s12053-017-9592-6 Typ Journal Article Autor Van Der Ploeg F Journal Energy Efficiency Seiten 627-639 Link Publikation -
2020
Titel The risk of policy tipping and stranded carbon assets DOI 10.1016/j.jeem.2019.102258 Typ Journal Article Autor Van Der Ploeg F Journal Journal of Environmental Economics and Management Seiten 102258 Link Publikation -
2019
Titel The agnostic's response to climate deniers: Price carbon! DOI 10.1016/j.euroecorev.2018.08.010 Typ Journal Article Autor Van Der Ploeg F Journal European Economic Review Seiten 70-84 Link Publikation -
2021
Titel Optimal carbon pricing in general equilibrium: Temperature caps and stranded assets in an extended annual DSGE model DOI 10.1016/j.jeem.2021.102522 Typ Journal Article Autor Van Der Ploeg F Journal Journal of Environmental Economics and Management Seiten 102522 Link Publikation -
2021
Titel Trade and Resource Sustainability with Asset Markets DOI 10.1007/s13235-021-00400-4 Typ Journal Article Autor Karp L Journal Dynamic Games and Applications Seiten 929-953 Link Publikation -
2018
Titel Economic Growth, Income Distribution, and Climate Change DOI 10.1016/j.ecolecon.2017.10.020 Typ Journal Article Autor Rezai A Journal Ecological Economics Seiten 164-172 Link Publikation -
2018
Titel Simple Rules for Climate Policy and Integrated Assessment DOI 10.1007/s10640-018-0280-6 Typ Journal Article Autor Van Der Ploeg F Journal Environmental and Resource Economics Seiten 77-108 Link Publikation