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`Biodiversitätswissen verbessern´- Konflikte und Kontroversen

`Improving Biodiversity Knowledge´- Conflicts & Controversies

Alice Vadrot (ORCID: 0000-0002-6043-9846)
  • Grant-DOI 10.55776/J3704
  • Förderprogramm Erwin Schrödinger
  • Status beendet
  • Projektbeginn 15.05.2015
  • Projektende 14.06.2018
  • Bewilligungssumme 158.210 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Sozialwissenschaften (50%); Politikwissenschaften (50%)

Keywords

    Biodiversity Politics, Political Ecology, Biodiversity Knowledge, Science and Technology Studies, Global Earth Observation, Epistemic Selectivities

Abstract Endbericht

Ziel dieses Projektes ist die Analyse der epistemischen und politischen Dimensionen entstehender institutioneller Arrangements an der Schnittstelle zwischen Naturerhaltungs- wissenschaft und Biodiversitätspolitik. Seit der Veröffentlichung des Millennium Ecosystem Assessments (MA) im Jahr 2005 ist das politische und wissenschaftliche Interesse an der Etablierung globaler Expertengremien und der Schaffung einheitlicher Wissensbestände über den Zustand der weltweiten biologischen Vielfalt deutlich angestiegen. Neben der Einrichtung eines intergovernmentalen Biodiversitätsrats im Jahr 2012 und einer Zunahme der globalen Vernetzung wissenschaftlicher Vereinigungen unterliegt auch das Wissen über den Verlust und die Regulierung der Biodiversität zahlreichen Veränderungen. Das Projekt widmet sich der Analyse dieser Dimensionen im Rahmen des Projektes EU-BON und der Implementierung des Globalen Biodiversität Beobachtungsnetzwerkes GEO-BON auf europäischer Ebene. Im Fokus der Analyse stehen innerwissenschaftliche Konflikte innerhalb jener institutionellen Arrangements, die den Prozess der Transformation von Daten über Biodiversität in brauchbares und politikrelevantes Wissen koordinieren. Hierbei steht vor allem die Frage im Vordergrund wie und unter welchen Bedingungen das Epistemische politisch wird. Mit anderen Worten soll der Frage nachgegangen werden, wie sich unterschiedliche Interessen und Konflikte bezüglich der Definition und Ausgestaltung brauchbaren Wissens in institutionelle Arrangements an der Schnittstelle zwischen Naturerhaltungswissenschaft du Biodiversitätspolitik einschreiben. Zu diesem Zweck werde ich die Debatten innerhalb zweier Arbeitsgruppen von GEO-BON und deren Arbeit auf europäischer Ebene empirisch aufarbeiten: Dazu werden die Arbeiten der Arbeitsgruppe zur Integration von Feldforschung und Fernerkundung und jene der Arbeitsgruppe zu Ökosystemdienstleistungen analysiert werden. Hier geht es um die empirische Untersuchung der Interessen, Strategien und Wahrheitsansprüche unter-schiedlicher wissenschaftlicher Gemeinschaften, Disziplinen und Ansätze. Das Ziel ist die analytische Erfassung der Reichweite bestimmter Debatten und deren Zusammenhang mit den übergeordneten politisch-institutionellen Rahmenbedingungen von Biodiversitätspolitik. Dafür ist eine detaillierte Analyse der jeweiligen Grundannahmen, Ideale, Werte und Problemdeutungen von Nöten, die Konflikte und Kontroversen über die Verbesserung von Biodiversitätswissen identifiziert und klassifiziert werden. Forschungsleitende Hypothese ist, dass wissenschaftliche und politische Selbst- verständlichkeiten über die Regulierung des Verlustes der Biodiversität ko-entstehen und dass der Prozess der co-evolution durch innerwissenschaftliche Konflikte innerhalb entstehender institutioneller Arrangements an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik gekennzeichnet ist. Methodologisch greift das Projekt auf qualitative und quantitative Methoden zurück, bestehend aus semi-strukturierten Interviews, teilnehmender Beobachtung und einer Onlinebefragung. Auf theoretischer Ebene soll der Frage nach der Unterschiedlichkeit der Kategorien Konflikte und Kontroversen nachgegangen werden, insbesondere anhand existierender Ansätze aus der Wissenschaftsforschung und der Politischen Ökologie. Das Projekt soll über einen Zeitraum von 3 Jahren durchgeführt werden, wobei ein Forschungsaufenthalt im Ausmaß von zwei Jahren am Centre for Science and Policy (CSaP), University of Cambridge, sowie eine einjährige Rückkehrphase an der Fakultät für Sozialwissenschaften, Institut für Politikwissenschaft, Universität Wien vorgesehen sind, während derer ich mich primär der Analyse der Daten widmen werde und das Manuskript zu einem Nachfolgewerk der im Jahr 2014 erscheinen Monographie The Politics of Knowledge and Global Biodiversity finalisiere.

Das Forschungsprojekt hat Institutionen untersucht, die an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und internationaler Umweltpolitik angesiedelt sind und politikrelevantes Wissens über den Schutz und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt herstellen. Als Fallbeispiele wurden der Weltbiodiversitätsrat (IPBES), die zwischenstaatliche Gruppe zur Erdbeobachtung (GEO) und das Netzwerk zur Beobachtung der Biodiversität (GEO- BON) herangezogen und mit Methoden der teilnehmenden Beobachtung, Fragebögen und semi-strukturierten Interviews untersucht. Das Projekt hat auf Grundlage der gewonnen Daten Konflikte innerhalb der drei Institutionen analysiert und darüber hinaus Konzepte und Methoden weiterentwickelt, um diese empirisch zu beforschen und theoretisch einzuordnen. Auf Grundlage der Erkenntnisse wurden Empfehlungen zur Stärkung von Inklusion und Partizipation insbesondere der Sozial- und Geisteswissenschaften erarbeitet. Ausgangspunkt des Projektes war die Annahme, dass die Einigung auf politikrelevante wissenschaftliche Konzepte, Begriffe und methodologische Ansätze zur Abbildung von Natur mit Konflikten einhergehen, die entlang der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik verlaufen und deren Analyse Rückschlüsse auf epistemische Selektivitäten und die Verteilung und Verschränkung von Macht in der internationalen Politik zulässt. Epistemische Selektivitäten werden sichtbar, wenn politische Akteure zur Untermauerung ihrer Position bestimmte Wissensinhalte und Begrifflichkeiten bevorzugt verwenden und hierdurch ein selektives bzw. unvollständiges Bild einer Problemstellung oder Problemlösungsstrategie erzeugen. In Fällen, in denen dies mit einer Umverteilung von Macht einhergehen könnte, entstehen Konflikte, wodurch bestimmte wissenschaftliche Konzepte und Begriffe politisch aufgeladen und dadurch selbst zu Verhandlungsmaterie werden. Das Projekt hat drei Fälle identifiziert und systematisch untersucht, die kennzeichnend sind für diesen Effekt: 1) Konflikte über die Abbildung und Anerkennung des nichtökonomischen Wertes der Natur durch das Konzept der biokulturellen Diversität und die Gleichstellung und Einbindung lokalen und indigene Wissens, 2) Konflikte um wissenschaftliche Unsicherheit und Big Data in der wissenschaftlichen Untermauerung eines sechsten vom Menschen verursachten Artensterbens und 3) Konflikte um die Nutzung, Verteilung und Legitimation von Satellitendaten in der Entwicklung von Variablen zur Messung des Erfolgs politischer Maßnahmen im Biodiversitätsschutz, insbesondere im Meeresschutz. All drei Fälle zeigen, dass zwischenstaatliche Konflikte im Rahmen der internationalen Biodiversitäts-politik sich in den Einigungsprozessen um legitimes Wissen widerspiegeln und mit globalen Ungleichheiten in der Entwicklung von Forschung- und Dateninfrastrukturen verbunden sind. Diese spielen eine wesentliche Rolle in der Anerkennung jenes (wissenschaftlichen) Wissen, dass zur Darstellung von Natur in internationalen Verhandlungen herangezogen wird.

Forschungsstätte(n)
  • University of Cambridge - 100%

Research Output

  • 365 Zitationen
  • 7 Publikationen
Publikationen
  • 2019
    Titel Weighting the World: IPBES and the Struggle over Biocultural Diversity
    DOI 10.1162/glep_a_00503
    Typ Journal Article
    Autor Hughes H
    Journal Global Environmental Politics
    Seiten 14-37
    Link Publikation
  • 2016
    Titel IPBES disciplinary gaps still gaping
    DOI 10.1038/530160b
    Typ Journal Article
    Autor Vadrot A
    Journal Nature
    Seiten 160-160
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Building authority and relevance in the early history of IPBES
    DOI 10.1016/j.envsci.2020.06.006
    Typ Journal Article
    Autor Vadrot A
    Journal Environmental Science & Policy
    Seiten 14-20
  • 2020
    Titel Policy windows for the environment: Tips for improving the uptake of scientific knowledge
    DOI 10.1016/j.envsci.2017.07.013
    Typ Journal Article
    Autor Rose D
    Journal Environmental Science & Policy
    Seiten 47-54
    Link Publikation
  • 2018
    Titel The social sciences and the humanities in the intergovernmental science-policy platform on biodiversity and ecosystem services (IPBES)
    DOI 10.1080/13511610.2018.1424622
    Typ Journal Article
    Autor Vadrot A
    Journal Innovation: The European Journal of Social Science Research
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Why are social sciences and humanities needed in the works of IPBES? A systematic review of the literature
    DOI 10.1080/13511610.2018.1443799
    Typ Journal Article
    Autor Vadrot A
    Journal Innovation: The European Journal of Social Science Research
    Link Publikation
  • 2018
    Titel The major barriers to evidence-informed conservation policy and possible solutions
    DOI 10.1111/conl.12564
    Typ Journal Article
    Autor Rose D
    Journal Conservation Letters
    Link Publikation

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