Wie verändern Steuern das Verhalten von Menschen?
How Do Taxes Affect People´s Behavior?
Wissenschaftsdisziplinen
Wirtschaftswissenschaften (100%)
Keywords
-
Public Economics,
Income Elasticity,
Income Elasticity,
Tax Evasion,
Taxation,
Behavioral Responses
Die Lohn-und Einkommenssteuer trägt in den meisten Ländern der entwickelten Welt erheblich zu den Einnahmen der öffentlichen Haushalte bei, im Durchschnitt stammt fast ein Drittel des gesamten Steueraufkommens aus dieser Einnahmequelle (vgl. OECD 2013). Die hohe Belastung des Faktors Arbeit wird häufig als problematisch gesehen. Unter anderem wird kritisiert, dass daraus negative Arbeitsanreize resultieren, welche besonders im Niedriglohnbereich zur Arbeitslosigkeit beitragen können. Damit stellt die Erforschung von individuellen Verhaltensänderungen aufgrund der Lohn-und Einkommensbesteuerung ein zentrales Forschungsfeld der Finanzwissenschaft dar. Auch wirtschaftspolitisch gilt das Ziel, das Einkommenssteuergesetz so zu gestalten, dass fehlgeleitete Verhaltensanreize minimiert werden. Prinzipiell unterscheidet die Finanzwissenschaft zwischen realen Verhaltensreaktionen (etwa aufgrund von Änderungen des Arbeitsangebots) und Steuerumgehungsreaktionen (z.B. durch Steuerhinterziehung). Das vorliegende Forschungsprojekt zielt darauf ab, neue Erkenntnisse bezüglich beider Arten von Steuerausweichreaktionen zu gewinnen. In den letzten Jahren hat sich eine innovative Forschungsliteratur herausgebildet, welche große administrative Steuerdaten in Kombination mit schlüssigen Identifikationsstrategien nutzt, um reale Verhaltensanpassungen zu messen. Pionierarbeiten dabei sind Saez (2010) und Chetty et al. (2011), deren Methodik darauf basiert, dass Sprungstellen im Steuertarif zu einer Dichtehäufung (Bunching) führen und so eine nicht-parametrische Möglichkeit zur Berechnung der Einkommenselastizität darstellen. Da die Datenanforderungen der Bunching- Methode hoch sind (man benötigt umfangreiche Mikrodaten zu Einkommen), gibt es bislang nur wenige Arbeiten dazu. Das vorliegende Forschungsprojekt macht sich die Einführung eines hohen Eingangssteuersatzes in Österreich 2005 und Zugang zu qualitativ hochwertigen Steuerdaten zunutze, um erste Evidenz über eine nicht-parametrisch identifizierte Einkommenslastizität in Verbindung mit einer Steuerreform zu erbringen. Die Schätzung der Einkommenselastizität auf Basis der Bunching-Methode bei Beachtung einer (gravierenden) Steuertarifreform ist in der Literatur neuartig. Der zweite Teil des Forschungsprojekts beschäftigt sich mit illegalen Verhaltensreaktionen auf Steuern, welche naturgemäß schwer beobachtbar sind. Unzureichende Kontrollen von Seiten der österreichischen Finanzbehörden bezüglich der Inanspruchnahme einer Pendlerpauschale ermöglichen allerdings, das Hinterziehungsverhalten einer großen Gruppe von Steuerzahlern relativ genau über einen längeren Zeitraum beobachten zu können (vgl. Paetzold und Winner 2014). Das Verbinden von Steuer- mit Registerdaten (der Sozialversicherung) bietet die seltene Gelegenheit, Hinterziehungsverhalten zu beobachten und zu analysieren, welche Faktoren dieses erklären können. So lassen sich etwa die verschiedenen Kanäle, welche Steuerzahler bei ihrer Hinterziehungsentscheidung beeinflussen, konkret untersuchen (etwa Familiennetzwerke oder Kollegen am Arbeitsplatz). Des Weiteren kann mithilfe dieser einzigartigen Datenbasis der Frage nachgegangen werden, ob Wissen über Hinterziehungsmöglichkeiten die Hinterziehungsentscheidung stärker beeinflusst als normativer oder sozialer Druck zur Steuerehrlichkeit. Die Beantwortung dieser Frage wäre ein wichtiger Beitrag zu steuerpolitischen als auch wirtschaftspsychologischen Diskussionen, wird doch in vielen Steuerdebatten häufigaufSteuermoralals(einziges) Erklärungsmodell für individuell unterschiedliches Hinterziehungsverhalten verwiesen. Das Forschungsvorhaben hat somit wichtige Implikationen sowohl für das optimale Design von Steuersystemen als auch für die verschiedenen Formen der Steuereinhebung.
Die Lohn-und Einkommenssteuer trägt in den meisten Ländern der entwickelten Welt erheblich zu den Einnahmen der öffentlichen Haushalte bei, im Durchschnitt stammt fast ein Drittel des gesamten Steueraufkommens aus dieser Einnahmequelle (vgl. OECD 2013). Die hohe Belastung des Faktors Arbeit wird häufig als problematisch gesehen. Unter anderem wird kritisiert, dass daraus negative Arbeitsanreize resultieren, welche besonders stark im Niedriglohnbereich wirken. Damit stellt die Erforschung von individuellen Verhaltensänderungen aufgrund der Lohn-und Einkommensbesteuerung ein zentrales Forschungsfeld der Finanzwissenschaft dar. Auch wirtschaftspolitisch gilt das Ziel, das Einkommenssteuergesetz so zu gestalten, dass fehlgeleitete Verhaltensanreize minimiert werden. Prinzipiell unterscheidet die Finanzwissenschaft zwischen realen Verhaltensreaktionen (etwa aufgrund von Änderungen des Arbeitsangebots) und Steuerumgehungsreaktionen (z.B. durch Steuerhinterziehung). Das vorliegende Forschungsprojekt zielt darauf ab, neue Erkenntnisse bezüglich beider Arten von Steuerausweichreaktionen zu gewinnen. Das erste Teil meines Forschungsprojekts macht sich die Einführung eines hohen Eingangssteuersatzes in Österreich (der Grenzsteuersatz steigt von 0 auf 38 Prozent) und Zugang zu qualitativ hochwertigen Steuerdaten zunutze, um reale Verhaltensanpassungen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu schätzen. Die Ergebnisse offenbaren eine eindeutige Reaktion der Beschäftigten auf den hohen Grenzsteuersatz. Besonders stark ausgeprägt ist die Verhaltensanpassung bei Frauen und Zweitverdienern, welche Änderungen ihres Arbeitsangebotes zeigen um der Steuerstufe zu entgehen. Die Ergebnisse legen nahe dass zumindest ein Teil des starken Anstiegs der Teilzeitbeschäftigung von Frauen durch die gesetzten Anreize des Einkommenssteuersystems erklärt werden können. Darüber hinaus wird beobachtet, dass Beschäftigte zunehmend auch andere Kanäle nutzen um ihr zu versteuerndes Einkommen unter dem Eingangssteuersatz zu halten, zum Beispiel mittels der Ausweitung der in Anspruch genommenen Abzugsposten. In Summe deuten die Ergebnisse darauf hin, dass ein hoher Eingangssteuersatz die Einkommensverteilung nicht unerheblich beeinflussen kann. Um dies zu vermeiden empfiehlt sich ein besser ausgestaltetes Steuersystem mit niedrigeren Steuersprüngen am unteren Ende der Verteilung. Der zweite Teil des Forschungsprojekts beschäftigt sich mit illegalen Verhaltensreaktionen auf Steuern, welche naturgemäß nur schwer beobachtbar sind. Die unzureichende Kontrolle seitens der Finanzbehörden bezüglich der Inanspruchnahme der österreichischen Pendlerpauschale ermöglichen allerdings, das Hinterziehungsverhalten einer großen Gruppe von Steuerzahlern- ca. 30% aller steuerpflichtigen Beschäftigten beziehen die Pendlerpauschale relativ genau über einen längeren Zeitraum zu beobachten. Dies bietet die einzigartige Chance zu untersuchen, wie Steuermoral innerhalb von Familien über Generationen hinweg weitergegeben wird.Die Ergebnisse zeigen, dass die Hinterziehungsentscheidung von Kindern signifikant vom Hinterziehungsverhalten der Eltern in der Vergangenheit abhängt. So weisen Kinder von hinterziehenden Vätern eine 25 prozentige höhere Wahrscheinlichkeit auf im Erwachsenenalter selber zu hinterziehen. Dieses Ergebnis hat wichtige steuerpolitische und steueradministrative Implikationen. Wenn Hinterziehungsverhalten tatsächlich über Generationen voneinander abhängt, so haben Maßnahmen welche Steuerhinterziehung heute reduzieren wichtige Übertragungseffekte auf nächste Generationen.
Research Output
- 22 Zitationen
- 3 Publikationen
-
2018
Titel How do taxpayers respond to a large kink? Evidence on earnings and deduction behavior from Austria DOI 10.1007/s10797-018-9493-4 Typ Journal Article Autor Paetzold J Journal International Tax and Public Finance Seiten 167-197 Link Publikation -
0
Titel How do wage earners respond to a large kink? Evidence on earnings and deduction behavior from Austria. Typ Other Autor Paetzold J -
0
Titel The Intergenerational Causal Effect of Tax Evasion: Evidence from a Commuter Tax Allowance in Austria. Typ Other Autor Frimmel W