Bankenrisikoverhalten, Geldpolitik und der Konjunkturzyklus
Bank Risk Taking, Monetary Policy, and the Business Cycle
Wissenschaftsdisziplinen
Wirtschaftswissenschaften (100%)
Keywords
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Bank default,
Bank risk taking,
Business cycle analysis,
Macroprudential policy,
Monetary Policy
Eine weit verbreitete Erklärung für die jüngste Finanzkrise ist die Annahme, dass Geschäfts-banken durch die expansive Geldpolitik der Zentralbanken dazu verleitet wurden, übermäßig hohe Risiken einzugehen. Einerseits sinken mit dem Zinsniveau die Refinanzierungskosten von Banken und anderen Finanzintermediären auf dem Geldmarkt, wodurch ein höherer Verschuldungsgrad und ein höheres Risiko in den Passiva ihrer Bilanzen begünstigt werden. Andererseits könnten Banken sich veranlasst sehen, ihre Standards bei der Kreditvergabe zu senken und infolgedessen mehr riskante Kredite vergeben. Jüngste empirische Forschungsergebnisse auf Basis mikroökonomischer Bankdaten zeigen, dass ein niedrigerer Zinssatz auf sogenannte Übernachtkredite Geschäftsbanken tatsächlich veranlasst, größere Kreditvolumen an Schuldner mit geringeren Sicherheiten zu vergeben. In Afanasyeva und Güntner (2014) belegen wir anhand makroökonomischer Daten, dass dieser Risikokanal der Geldpolitik auch auf aggregierter Ebene, das heißt für den amerikanischen Bankensektor als Ganzes existiert. Im theoretischen Teil der Arbeit formulieren wir dann ein partialanalytisches Kreditvertragsproblem so um, dass der Bank bei der Kreditvergabe eine entscheidende Rolle zukommt. Indem wir den daraus resultierenden, optimalen Kreditvertrag in ein sogenanntes Dynamisches Stochastisches Allgemeines Gleichgewichtsmodell (DSGE-Modell) einbauen, zeigen wir, dass eine expansive Geldpolitik der Zentralbank im Einklang mit unseren empirischen Ergebnissen zu einem temporären Anstieg der Kreditvergabe im Verhältnis zu den Sicherheiten der Schuldner und damit zu einem riskanteren Kreditportfolio des Bankensektors führt. Zugunsten der Lösbarkeit und Interpretierbarkeit des Modells gehen wir in Afanasyeva und Güntner (2014) davon aus, dass eine Bank stets über ausreichend Eigenkapital verfügt, um ausfallende Kredite ohne jeglichen Effekt auf die Einlagen ihrer Gläubiger zu kompensieren. Unser theoretisches Ergebnis, dass sich die Bank optimal verhält, wenn sie ihre Standards bei der Kreditvergabe infolge expansiver Geldpolitik senkt, obwohl dies zu einer höheren Verschuldungsrate und einem höheren Ausfallrisiko der Schuldner führt, berücksichtigt nicht die Möglichkeit, dass bei der individuell optimalen Kreditvergabe Externalitäten auftreten, da die Bank per Definitionem nicht insolvent werden kann. Aus diesem Grund möchte ich im geplanten Forschungsprojekt auf die Annahme verzichten, dass eine Bank unabhängig vom Zustand der Ökonomie immer ausreichend kapitalisiert ist, und Insolvenzen im Finanzsektor explizit zulassen. Unter der Annahme, dass ein bankrottes Finanzinstitut lediglich bis zur Höhe seines Eigenkapitals haftet, entsteht eine Externalität bei der Kreditvergabe, die durch eine explizite Einlagensicherung, wie z.B. in Österreich, oder eine implizite Hilfsgarantie der Regierung noch verstärkt wird, da die Bank ihre Gläubiger, die Anleger von Depositen, nicht für das Risiko eines möglichen Bankrotts kompensieren muss. Infolgedessen wird der Bankensektor als Ganzes unverhältnismäßig viele Kredite vergeben, die Verschuldungsrate der Kreditnehmer erhöhen und sich selbst dadurch in zunehmendem Maße gesamtwirtschaftlichen Schwankungen aussetzen. Diese Externalität im Finanzsektor begründet demnach die Notwendigkeit einer sogenannten makroprudenziellen Regulierung, beispielsweise durch Eigenkapitalvereinbarungen im Sinne der Basler Verträge. 1