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Bewegungsökologie tropischer Amphibien

Movement ecology of tropical amphibians: automated tracking

Andrius Pasukonis (ORCID: 0000-0002-5742-8222)
  • Grant-DOI 10.55776/J3827
  • Förderprogramm Erwin Schrödinger
  • Status beendet
  • Projektbeginn 16.01.2016
  • Projektende 15.03.2018
  • Bewilligungssumme 107.958 €

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (100%)

Keywords

    Movement Ecology, Telemetry, Amphibians, Behavioral Biology, Tropical Biology, Automated Tracking

Abstract Endbericht

Das Wissen über die Bewegung(smuster) von Tieren ist von großer Bedeutung für das Verständnis der Biologie einzelner Arten, der Funktion eines Ökosystems und die globalen Verbreitungsmuster von Organismen. Die Verfolgung von kleinen Tieren in komplexen Habitaten wie zum Beispiel im tropischen Regenwald stellt eine große Herausforderung dar. Tropische Amphibien sind starken Rückschlägen ausgesetzt wobei von den meisten Arten nicht einmal die geringsten Bewegungs- und Ausbreitungsmuster bekannt sind. Die Automatisierung mittels radio tracking ist von grundlegender Bedeutung um lokale Bewegungeneiner großen Zahl von Individuenverschiedener Arten in unterschiedlichsten Lebensräumen zu erfassen. Im vorliegenden Projekt wird ein innovatives automatisiertes radio-tracking-System getestetum dieBewegungs- und Ausbreitungsökologie zweier charismatischer Amphibienarten (Färberfrosch Dendrobates tinctorius, Tngara-Frosch Engystomops pustulosus) in Süd- und Mittelamerika zu untersuchen. Bis jetzt haben sich Studien zu Bewegungsmuster bei Amphibien nahezu ausschließlich auf die gemäßigten Weltregionen beschränkt. Bemerkenswerterweise zeigen tropische Amphibien ein großes Spektrum komplexen Sozialverhaltens wie z.B. aufwändige Brutpflege und aggressive territoriale Verteidigung, wobei die damit verbunden Ortswechsel meistens unbekannt sind. Der Färberfrosch ist eine bunte, giftige, tagaktive und stumme Froschart, welche ihre Larven am Rücken transportiert und in wassergefüllten Baumhöhlen deponiert. Der Tngara-Frosch ist eine versteckt lebende, nacht-aktive Froschlurchart, auffällige Anzeigerufe produziert und Schaumnester in kleinen Waldtümpel anlegt. Beide Arten sind hinsichtlich ihrer Fortpflanzung auf kurzfristig entstehende Wasseransammlungen im Regenwald angewiesen. Es wird untersucht werden wie die Kombination von Umweltparametern, Fortpflanzungsverhalten und die Fähigkeit sich zu orientieren, sich gleichartig bzw. unterschiedlich auf die Bewegungsmuster dieser beiden Arten auswirkt. Über rein deskriptive Wissenschaft hinausgehend werden wir die individuellen Bewegungsmuster mit den kognitiven Möglichkeiten und den populationsgnetischen Mustern verknüpfen. Dieses Wissen ist einerseits die Grundvoraussetzung für das Verständnis evolutionärer Prozesse welche die individuellen Verhaltensweisen und Populationsstrukturen bedingen. Andrerseits spielen heute die Kenntnisse über Bewegungs- und Ausbreitung eine zunehmende Rolle bei naturschutzbiologischen Fragestellungen und Aktivitäten.

Das Bewegungsverhalten von Tieren spielt eine entscheidende Rolle in der Erforschung von artspezifischen Lebensweisen, von Wahrnehmungsvorgängen sowie von kognitiven Fähigkeiten, um in Folge ganze Ökosystemen zu verstehen. Die größte Herausforderung dabei bleibt das Verfolgen kleiner Tiere in komplexen Habitaten, beispielsweise von Fröschen im Regenwald. Ziel dieses Projekts war daher die Erforschung der Bewegungsökologie tropischer Frösche. Im Vordergrund stand dabei der Einflusses von Umweltfaktoren (zB. Wetter, Verfügbarkeit von Wasser), des Fortpflanzungsverhaltens (zB. Territorialität, Brutpflege) und der Orientierungsfähigkeit (zB. Flexible räumliche Erinnerung) auf die Bewegungsmuster von Regenwaldfröschen. Generell war die Raumnutzung der Frösche gekennzeichnet von Standorttreue und geringer Bewegungsfreudigkeit. Dies wurde von einzelnen Bewegungen über größere Entfernung unterbrochen, die im Zusammenhang mit der Nutzung von Ressourcen zur Fortpflanzung standen. Frösche verbrachten Tage und Wochen innerhalb weniger Meter um dann in wenigen Stunden bis zu mehrere hundert Meter zurückzulegen, um Kleinstgewässer aufzusuchen. Im Gegensatz zu Amphibien in temperaten Regionen stellten diese Bewegungen aber keine saisonale Migration dar. Obwohl jeder Frosch individuelle Bewegungsmuster in Abhängigkeit von seinem Fortpflanzungsstatus zeigt, fanden die meisten Bewegungen generell in Zeiten stärkeren Niederschlages bei niedrigeren Temperaturen statt. In Abhängigkeit von der spezifischen Lebensweise und der Verteilung von Ressourcen zur Fortpflanzung gab es auch deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern und den untersuchten Arten. So legen Pfeilgiftfrösche ihre Eier an Land ab, da jedoch die Kaulquappen aquatisch sind, müssen sie von ihren Eltern in Gewässer gebracht werden um zu überleben. Abhängig von der Art wurde dies jeweils entweder von den Männchen oder den Weibchen bewerkstelligt, welche sich dann entsprechend öfter und ausgedehnter bewegten. Jene Arten, die häufigere und dauerhaftere Gewässer, so wie wassergefüllte Pflanzen, nutzten, bewegten sich auf einer kleineren Fläche als jene Arten, die verstreutere und weniger dauerhafte Gewässer, so wie etwa kleine Pfützen am Boden, nutzten. Die Bewegungsmuster aller Arten deuteten klar auf ein genaues räumliches Gedächtnis, insbesondere in Hinblick auf wichtige Ressourcen, was wir, zusammen mit der Orientierungsfähigkeit, auch experimentell mit Pfeilgiftfröschen testeten. Dabei fanden wir deutliche Hinweise dafür, dass diese kleinen Frösche eine gedankliche Karte ihrer Umgebung zur Orientierung nutzen, und dass räumliches Erinnerungsvermögen unerlässlich für das Überleben und die Fortpflanzung dieser Frösche ist. Diese Ergebnisse stehen im deutlichen Gegensatz zu bisherigen Annahmen über Kognition bei Wirbeltieren, welche Amphibien kein fortgeschrittenes Lernvermögen und flexibles Verhalten zusprachen. Unsere Erkenntnisse wirken sich grundlegend auf das Verständnis des Verhaltens von Amphibien, sowie auf potentielle Anwendungen zu ihrem Schutz aus. Das globale Amphibiensterben bedroht tropische Arten besonders, gleichzeitig sind aber gerade dort nicht einmal grundlegende Bewegungsmuster der meisten Arten bekannt. Die zugrundeliegenden Beobachtungen zur Lebensweise und dem Bewegungsverhalten können zur ökologischen Modellierung und in Folge zur Entscheidungsfindung in Umwelt- und Artenschutzfragen herangezogen werden. Darüber hinaus wurden in diesem Projekt neue grundlegende Fragen aufgeworfen, welche der Formulierung und Überprüfung neuer Hypothesen im Bereich der Bewegungsökologie, der Neurobiologie und der tierischen Kognitionsforschung dienen werden.

Forschungsstätte(n)
  • Harvard University - 100%
Nationale Projektbeteiligte
  • Bibiana Rojas Zuluaga, Veterinärmedizinische Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in

Research Output

  • 111 Zitationen
  • 5 Publikationen
Publikationen
  • 2017
    Titel Map-like navigation from distances exceeding routine movements in the three-striped poison frog (Ameerega trivittata)
    DOI 10.1242/jeb.169714
    Typ Journal Article
    Autor Pašukonis A
    Journal Journal of Experimental Biology
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Induced parental care in a poison frog: a tadpole cross-fostering experiment
    DOI 10.1242/jeb.165126
    Typ Journal Article
    Autor Pašukonis A
    Journal Journal of Experimental Biology
    Seiten 3949-3954
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Relying on known or exploring for new? Movement patterns and reproductive resource use in a tadpole-transporting frog
    DOI 10.7717/peerj.3745
    Typ Journal Article
    Autor Beck K
    Journal PeerJ
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Brilliant-thighed poison frogs do not use acoustic identity information to treat territorial neighbours as dear enemies
    DOI 10.1016/j.anbehav.2018.05.008
    Typ Journal Article
    Autor Tumulty J
    Journal Animal Behaviour
    Seiten 203-220
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Naïve Poison Frog tadpoles use bi-modal cues to avoid insect predators but not heterospecific predatory tadpoles
    DOI 10.1242/jeb.243647
    Typ Journal Article
    Autor Szabo B
    Journal Journal of Experimental Biology
    Link Publikation

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