J.W.L. Gleim: Soziale Medien des 18. Jahrhunderts
J.W.L. Gleim: Social Media in the Eighteenth Century
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (20%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (20%); Sprach- und Literaturwissenschaften (60%)
Keywords
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Media,
Letter Writing,
Social Media,
Eighteenth Century Studies,
Johann Wilhelm Ludwig Gleim
Das Forschungsprojekt widmet sich den medialen Praktiken des Lyrikers, literarischen Mäzens und Halberstädter Domsekretärs Johann Wilhelm Ludwig Gleim im Kontext der europäischen Briefkultur des 18. Jahrhunderts. Über drei sich ergänzende Themenbereiche Medialität, Sozialität und Performanz` werden die Verfahrensweisen untersucht, über die sich Gleim und die mit ihm korrespondierenden Zeitgenossen als Teil eines epistolaren Netzwerkes konstituieren. Zu zeigen ist, wie das Subjekt im Zeitalter von Distanzkommunikation und medial vermittelter Präsenz zum Effekt reziproker Konstruktionsprozesse wird. Parallel zur Herausbildung eines emphatischen Subjektbegriffs, der sich etwa in der monologischen Gattung der Autobiographie niederschlägt, entwickelt die Briefkultur des Aufklärungszeitalters eineVorstellungvon Subjekthaftigkeit, die, analog zur digitalen Netzwerkkommunikation der Gegenwart, nicht auf dem Prinzip individueller Autonomie, sondern kollektiver Anerkennung beruht. Ziel ist es, einer Subjekttheorie Sozialer Medien zuzuarbeiten, die in ihrem heuristischen Anspruch auch über das 18. Jahrhundert hinaus reicht und einen Beitrag zur aktuellen Diskussion um das vernetzte Selbst (networked self) in der digitalen Sphäre leistet. Das Projekt wird sich allerdings nicht nur aus theoretischer, sondern auch aus praktischer Perspektive der Medialität von Gleims Korrespondenzen widmen. Ergänzend zur Publikation der mediologischen Analyse in Form einer monographischen Studie wird eine digitale Auswahledition aus Briefen von und an Gleim entstehen. Diese erste Online-Edition von Briefen J.W.L. Gleims dient zum einen dem direkten Zugang zu den Quellen und der Dissemination der Forschungsergebnisse über alternative Darstellungs- und Visualisierungsformen. Zugleich wird die digitale Edition unter Anwendung automatisierter Analyseverfahren aber auch selbst auf die mediologische Untersuchung einwirken. Als gastgebende Institutionen fungieren zwei Institutionen außerhalb Österreichs: das Editionsprojekt Electronic Enlightenment an der Bodleian Library der Universität Oxford, die Universität Halle-Wittenberg und für die Rückkehrphase das Austrian Centre for Digital Humanities der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Das vorliegende Projekt wird außerdem in enger Abstimmung mit dem Gleimhaus/Museum der deutschen Aufklärung in Halberstadt, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und der ERC Forschungsplattform Ego Media am Kings College London durchgeführt. Die einschlägige Expertise der genannten Institutionen im Bereich der Aufklärungsforschung, der Editionswissenschaft, aber auch der interdisziplinären Medienforschung reflektiert den Anspruch, Digital Humanities nicht nur als Anwendung digitaler Techniken auf geistes- und kulturwissenschaftliche Gegenstände, sondern auch als Reflexion auf historische und aktuelle Medienpraktiken mit den Mitteln der Geistes- und Kulturwissenschaften zu verstehen.
- Achim Aurnhammer, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg - Deutschland
- Clare Brant, King´s College London - Vereinigtes Königreich
- Howard Hotson, University of Oxford - Vereinigtes Königreich