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Tractatus contra Graecos - Kritische Edition und Rezeption

Tractatus contra Graecos - Critical Edition and Reception

Andrea Riedl (ORCID: 0000-0001-6842-7965)
  • Grant-DOI 10.55776/J4094
  • Förderprogramm Erwin Schrödinger
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.10.2017
  • Projektende 30.09.2020
  • Bewilligungssumme 156.523 €

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (40%); Philosophie, Ethik, Religion (60%)

Keywords

    Latin-Greek Relations in the Middle Ages, Controversial Theology, Council of Ferrara-Florence (1438-1445), Mendicant Orders, Tractatus contra Graecos (1252), Critical Edition

Abstract Endbericht

Das Konzil von Ferrara-Florenz (1438-1445) stellte den letzten bemerkenswerten, letztlich aber dennoch erfolglosen Versuch im Mittelalter dar, die Kircheneinheit zwischen dem lateinischen Westen und dem griechischen Osten wiederherzustellen. Neben den aggressiven Aktionen, die das Schisma zwischen Ost und West vertieften, gab es ab dem Hochmittelalter aber immer auch parallele Bemühungen, diesen Bruch zu heilen. Ein Meilenstein solcher Bemühungen war das Lebenswerk eines anonymen Dominikaners aus dem Jahr 1252, der sich intensiv mit der griechischen Sprache und Kultur sowie der einschlägigen Literatur und Theologie auseinandersetzte. Auf der Grundlage seiner angelesenen Kenntnisse und Gespräche mit den Griechen war er in der Lage, eine theologische Abhandlung "gegen die Griechen" (Tractatus contra Graecos) in Konstantinopel zu verfassen, die zu einem Bestseller der kontroverstheologischen Literatur zwischen Lateinern und Griechen wurde. Bis in das 15. Jahrhundert übte sie großen Einfluss auf Theologie und Kirche und beeinflusste die Wahrnehmung der griechischen Kirche durch lateinische Autoren. Der tatsächlichen Bedeutung dieser Schrift widerspricht die Tatsache, dass sie heute nur über einen hochgradig fehlerhaften Druck aus dem Jahr 1616 bekannt ist, der den Text bisweilen unverständlich und stellenweise kaum lesbar macht. Das Projekt wird sich daher der Erstellung einer verlässlichen kritischen Edition des lateinischen Tractatus contra Graecos (mit einer deutschen Übersetzung) auf der Basis von bisher 30 bekannten Handschriften widmen, die heute zum Bestand von wissenschaftlichen Bibliotheken in Zentral- und Süd(ost)europa gehören. Auf diese Weise soll der Text rekonstruiert werden, wie er auf den Konzilien des Spätmittelalters (v.a. Basel und Ferrara- Florenz) den zum Teil federführenden Theologen als Handreichung und Informationsquelle über die Griechen und ihre Theologie gedient hatte. Zudem soll der Weg des Textes, d.h. seine Rezeption und Überarbeitungen, von der Zeit seiner Entstehung in Konstantinopel Mitte des 13. Jahrhunderts bis hin zum kirchenpolitisch und ökumenisch hochrelevanten Unionskonzil von Ferrara-Florenz Mitte des 15. Jahrhunderts nachgezeichnet werden: Auf welche Weise beeinflusste der anonyme Autor des Tractatus contra Graecos die theologischen Diskussionen, Themen und Einheitsvorstellungen, die die Beziehungen zwischen Lateinern und Griechen lange Zeit dominierten? Welches Bild vermittelte er seinem lateinischen Publikum von der griechischen Kirche und welche Lösungen schlug er für eine Einigung zwischen beiden Seiten vor? Sowohl die kritische Edition dieses dominikanischen Schlüsselwerkes, als auch die Erforschung seiner Rezeptionsgeschichte stellen einen Beitrag zur besseren Kenntnis des Verhältnisses zwischen Rom und Byzanz im Mittelalter, zwischen der heute konfessionell so genannten Katholischen und Orthodoxen Kirche dar.

Das 13. Jahrhundert stellt eine zentrale Epoche für die Geschichte der Beziehungen Ost- und Westkirche dar. Die Eroberung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer im Jahr 1204 und die daran anschließende Etablierung eines sogenannten Lateinischen Kaiserreichs (1204-1261) gilt heute sowohl in der Forschungslandschaft, als auch in den Erinnerungskulturen der Kirchen als signifikantes Ereignis auf der Bruchlinie zwischen dem lateinischen Westen und dem griechischen Osten. Den gerade erst neu gegründeten Mendikantenorden kam vor dem Hintergrund ihres missionarischen Ordensauftrags eine gewichtige Rolle innerhalb der literarisch-theologischen Kontroverse mit den Byzantinern zu. Als Meilenstein dieser Kontroverse präsentiert die vorliegende kritische Edition das Dossier eines anonymen, in Konstantinopel tätigen Dominikaners unter dem Titel "Tractatus contra Graecos" (1252). Dieses Werk, das weite Verbreitung vor allem im Umkreis der (Unions-)Konzilien des 15. Jahrhunderts erfahren hat, stellt auf lateinischer Seite die erste systematische und griechisch-patristisch untermauerte Behandlung jener vier Konfliktpunkte dar, die in dieser Form von nun an standardmäßig auf der Agenda der ost-westlichen Debatten standen (Filioque, Azymen, Purgatorium/Eschatologie und Primat Roms). Zudem bietet der Traktat in Form eines Appendix einen reichen Schatz an klassischen und zeitgenössischen Quellen, die zum Teil singuläre Überlieferungszeugen sind. Vor diesem Hintergrund ist der "Tractatus contra Graecos" ein wertvolles Dokument nicht nur für die Beziehungsgeschichte zwischen östlich und westlich geprägter Theologie, sondern zudem ein Baustein zur Geschichte und Theologie des Dominikanerordens in der noch jungen Randprovinz "Graecia".

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
  • Monumenta Germaniae Historica - 60%
  • University of Notre Dame - 40%

Research Output

  • 3 Zitationen
  • 9 Publikationen
Publikationen
  • 2020
    Titel Unionsgespräche bei den Konzilien des 15. Jahrhunderts. Kiewer Metropoliten als Mittler zwischen Byzanz und Rom, written by Pryymych, Volodymyr
    DOI 10.30965/25890433-04902010-04
    Typ Journal Article
    Autor Riedl A
    Journal Annuarium Historiae Conciliorum
    Seiten 468-470
  • 2020
    Titel Tractatus contra Graecos
    Typ Book
    Autor Andrea Riedl
    Verlag Brepols Publishers
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Franziskus und die Schöpfung. Das Welt-im-Gottesverständnis des Armen von Assisi
    Typ Journal Article
    Autor Andrea Riedl
    Journal Internationale Katholische Zeitschrift Communio
    Seiten 523-539
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Franziskus und die Schöpfung
    DOI 10.57975/ikaz.v49i5.6607
    Typ Other
    Autor Riedl A
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Bis hierher und nicht weiter?! Gedanken zum Hier und Weiter der Ökumene
    Typ Journal Article
    Autor Andrea Riedl
    Journal Geist und Leben
    Seiten 144-151
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Review: Humbertus de Romanis: De predicatione crucis, cura et studio Valentin Portnykh
    Typ Journal Article
    Autor Andrea Riedl
    Journal Archivum Fratrum Praedicatorum
    Seiten 213-215
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Review: G. Kapriev: Lateinische Rivalen in Konstantinopel. Anselm von Havelberg und Hugo Eterianus
    Typ Journal Article
    Autor Andrea Riedl
    Journal Theologische Revue
    Seiten 403-404
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Ausdrucksformen von Kircheneinheit zwischen Lateinern und Griechen: Lyon II (1274) und und Ferrara-Florenz (1438/39)
    Typ Journal Article
    Autor Andrea Riedl
    Journal Ökumenisches Forum. Journal for Ecumenical and Patristic Studies
    Seiten 105-115
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Kirchenbild und Kircheneinheit, Der dominikanische "Tractatus contra Graecos" (1252) in seinem theologischen und historischen Kontext
    DOI 10.1515/9783110697667
    Typ Book
    Verlag De Gruyter
    Link Publikation

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