Kategorien für eine Naturphilosophie nach Deleuze
Categories for a Deleuzian Philosophy of Nature
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (40%); Philosophie, Ethik, Religion (60%)
Keywords
-
Philosophy,
Opinion,
Conceptual Persona,
Psychosocial Type,
Method,
Gilles Deleuze
Im Zentrum meines Forschungsprojekts steht die Unterscheidung zwischen den psychosozialen Typen und den Begriffspersonen. Gilles Deleuze (19251995) trifft diese Unterscheidung in seinem späten Hauptwerk Was ist Philosophie? (1991), das er gemeinsam mit Félix Guattari (19301992) verfasst. Das späte Hauptwerk besteht in einer zeitgemäßen Naturphilosophie, die auf unsere vom Kapitalismus geprägte Kommunikationsgesellschaft bezogen und mit den Erkenntnissen der modernen Wissenschaft vereinbar ist. Mein Projekt trägt den Titel Kategorien für eine Naturphilosophie nach Deleuze, weil die Liste der Charakterzüge, aus denen sich die Begriffspersonen zusammensetzen, eine Kategorientafel darstellt. Eine Begriffsperson ist ein Hilfsmittel, das der Philosoph erfindet, um mit ihr neue philosophische Ideen oder Begriffe zu erschaffen. Dementsprechend sind ihre Charakterzüge eben Kategorien, welche die Ausübung und Erfahrung des schöpferischen Denkens der Philosophie ermöglichen. Das vorrangige Ziel meines Projekts besteht darin, im Anschluss an Deleuze die präzise Methode einer zeitgemäßen Naturphilosophie zu erarbeiten. Nachdem unsere Denk- und Existenzweisen alle von den herrschenden Meinungen bestimmt werden, muss diese Methode erklären, wie oder auf welchem Weg es überhaupt möglich ist, dem gewöhnlichen Denken der Meinung zu entkommen und neue Begriffe zu erschaffen, die nicht unmittelbar der Meinung angehören. Mein Forschungsprojekt untersucht die Eigenschaften der psychosozialen Typen, denen sich die verschiedenen Denk- und Existenzweisen zuordnen lassen, und befasst sich mit den Charakterzügen der Begriffspersonen, die diesen Eigenschaften zu entsprechen haben. Es leistet dadurch einen wichtigen Beitrag zur Deleuze-Forschung, von der die Verbindungen und Übergänge zwischen den psychosozialen Typen und den Begriffspersonen bisher kaum berücksichtigt werden, und erhöht den internationalen Stellenwert der Deleuze-Forschung, die in Österreich stattfindet, entscheidend. Die Untersuchung der Eigenschaften der psychosozialen Typen soll in eine Typologie münden, die den heute gegebenen gesellschaftspolitischen und ökonomischen Voraussetzungen Rechnung trägt. Die Auseinandersetzung mit den Begriffspersonen soll wiederum darlegen, auf welche Art die Herleitung der Charakterzüge der Begriffspersonen durchzuführen ist, damit schließlich der Versuch unternommen werden kann, die Charakterzüge, die wir heute als Kategorien für das schöpferische Denken der Philosophie benötigen, auch tatsächlich herzuleiten. So führt mein Projekt am Ende die Naturphilosophie von Deleuze auf eine innovative und eigenständige Weise fort und dient einer Erneuerung der Philosophie, die notwendig ist, um sie als ein lebendiges Denken zu entfaltet, das mit den gegebenen Voraussetzungen in Verbindung steht und der Wissenschaft auf der Höhe ihrer Zeit begegnet.
Das vorrangige Ziel des Forschungsprojekts bestand darin, in einer Auseinandersetzung mit der Naturphilosophie, die Gilles Deleuze gemeinsam mit Félix Guattari in "Was ist Philosophie?" aus dem Jahr 1991 vorlegt, die Methode des schöpferischen Denkens der Philosophie zu erarbeiten. Im Zentrum des Projekts stand die Unterscheidung zwischen den psychosozialen Typen und den Begriffspersonen, die Deleuze und Guattari in "Was ist Philosophie?" treffen. Eine Begriffsperson ist ein Hilfsmittel, das der Philosoph erfindet, um sein Denken aus den gewöhnlichen, von Meinungen beherrschten Abläufen zu lösen, damit er in der Lage ist, neue philosophische Ideen oder Begriffe zu erschaffen. Obwohl Deleuze und Guattari sie als eines der drei Elemente der Philosophie darstellen, wurden ihre Natur und ihre Funktion, vor allem aber auch ihre Verbindung zu den psychosozialen Typen bis dahin von der Deleuze-Forschung nicht berücksichtigt. Das Projekt zeigte auf, dass die Liste der Charakterzüge, aus denen sich für Deleuze und Guattari jede Begriffsperson zusammensetzt, als eine Tafel von Kategorien, welche die Ausübung und Erfahrung des schöpferischen Denkens der Philosophie ermöglichen, angesehen werden muss. So ist die Begriffsperson dasjenige Element, das es erlaubt, die Methode für das schöpferische Denken als eine präzise Vorgehensweise mit verbindlichen und nachvollziehbaren Ergebnissen zu entwerfen. Diese Methode trägt dem Umstand Rechnung, dass ein Philosoph mit seinen Existenzweisen genauso wie jeder andere psychosoziale Typ in die historische Formation verstrickt ist. Das Forschungsprojekt erweiterte das Feld der Deleuze-Forschung in zweierlei Hinsicht maßgeblich. Erstens indem es die Verbindungen und Übergänge zwischen den psychosozialen Typen und den Begriffspersonen herausarbeitete und eine Neubestimmung der Methode der Philosophie anhand des Elements der Begriffsperson vornahm. Zweitens indem es die Typologie von Deleuze und Guattari herausarbeitete. Ein konkretes Ergebnis des Projekts besteht im Nachweis, dass sie sich bei der Bestimmung der fünf Klassen von Eigenschaften der psychosozialen Typen an Michel Foucault orientieren und dessen Analyse der Machtverhältnisse auf eine Gruppierung territorialer Bewegungen innerhalb des sozialen Felds und der mentalen Landschaft abbilden. Zudem trieb das Forschungsprojekt mit der Historisierung und Periodisierung des Denkens von Deleuze eine differenziertere Auseinandersetzung mit dessen Philosophie voran. Denn es machte deutlich, inwiefern die Verbindungen und Übergänge zwischen den psychosozialen Typen und den Begriffspersonen ein Problem darstellen, das für Deleuze mit den historischen Veränderungen durch die reaktionäre Wende ab Ende der 1970er-Jahre in Frankreich zusammenhängt. Darüber hinaus legte das Forschungsprojekt dar, dass die Philosophie immer wieder nach einer Erneuerung ausgehend von den historischen Veränderungen verlangt, um sich als ein lebendiges Denken entfalten zu können. Damit förderte es auch allgemein das Verständnis von Philosophie, das Philosophie nicht als ein Denken, das sich auf das Ewige und Allgemeine richtet, auffasst, sondern als eine Schöpfung von neuen Begriffen, als eine experimentelle und sich selbst ständig erneuernde Tätigkeit.
- Joseph Vogl, Princeton University - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 1 Publikationen
- 2 Disseminationen
- 2 Wissenschaftliche Auszeichnungen
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2021
Titel Deleuze and Guattari's Conceptual Persona Revisited: The List of Character Traits as a Table of Categories Typ Journal Article Autor Schönher M Journal Cosmos and History: The Journal of Natural and Social Philosophy
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2018
Link
Titel Interview with the Public Relations and Marketing Officer for a press release about the research stay at the Bauhaus-Universität Weimar (September 2018 - August 2019). Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview Link Link -
2021
Link
Titel Organization of the International Conference "Madness, Media, Milieus. Félix Guattari in Context." 17, 18 and 21 June 2021 (online). Typ Participation in an activity, workshop or similar Link Link
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2021
Titel Personal invitation as named speaker to the Workshop "Assembling Milieus: Working the Camera after Fernand Deligny." 28, 29 October 2021, ICI Berlin. Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International -
2019
Titel Personal invitation as named speaker to the Workshop "T(r)opologie: Die Relationalität textueller Räumlichkeit." 20, 21 and 22 February 2019, Humboldt-Universität zu Berlin. Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International