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Cyclopentadien-Derivate in Bioorthogonalen Reaktionen

Cyclopentadiene Derivatives for Bioorthogonal Cycloadditions

Dennis Svatunek (ORCID: 0000-0003-1101-2376)
  • Grant-DOI 10.55776/J4216
  • Förderprogramm Erwin Schrödinger
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.10.2018
  • Projektende 31.10.2021
  • Bewilligungssumme 167.330 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Chemie (100%)

Keywords

    Kinetics, Click Chemistry, Bioorthgonal, Organic Chemistry, Cycloadditions, Computational Chemistry

Abstract Endbericht

Bioorthogonale Ligationen sind chemische Reaktionen, welche in lebenden Systemen zwei Moleküle verbinden können, ohne mit dem biologischen System zu interferieren. Aus diesem Grund können diese Reaktionen als orthogonal zur Biologie angesehen werden. Dies eröffnet eine Fülle an möglichen, interessanten Anwendungen. Zum Beispiel können diese Reaktionen so genützt werden, dass Tumorgewebe selektiv mit einem bioorthogonalen Reagenz markiert wird. Im Anschluss kann das komplementäre bioorthogonale Reagenz dazu verwendet werden um, mit Hilfe der bioorthogonalen Ligation, Reportermoleküle für die Detektion (Bildgebung) des Tumors oder sogar Wirkstoffe direkt in den Tumor zu bringen. Letzteres würde eine Reduzierung der Nebenwirkung und damit einhergehend einen verbesserten Therapieerfolg sowie Lebensqualität für den Patienten bewirken. Während diese bioorthogonalen Reaktionen wichtige Werkzeuge in einer breiten Auswahl an Forschungsgebieten, von Materialwissenschaft bis zur chemischen Biologie, geworden sind, haben sie dennoch einige Probleme. Das Ziel dieses Projektes ist die Entwicklung und Optimierung einer weiteren bioorthogonalen Ligation, basierend auf einer kürzlich veröffentlichten und vielversprechenden Studie, welche einige der Probleme aktueller Ligationen beheben und als weiteres bioorthogonales Werkzeug dienen kann. Für die Untersuchung und Optimierung dieser Reaktion wird Computerchemie zum Einsatz kommen. Dies bedeutet, dass Quantenmechanik eingesetzt wird um ein Verständnis dieser Reaktionen auf einem fundamentalen Level zu erlangen und experimentelle Resultate vorherzusagen. Zusätzlich zu dem Wissensgewinn um die quantenmechanischen Vorgänge, welche experimentell nur schwer oder gar nicht zugänglich sind, ermöglicht dieser Ansatz eine Reduzierung von Kosten, Abfall und den Risiken assoziiert mit Laborarbeit. Die vielversprechendsten Verbindungen werden anschließend experimentell überprüft. Durch dieses Projekt wird unser Verständnis von bioorthogonale Reaktionen gestärkt und neue bioorthogonale Werkzeuge zur Verfügung gestellt werden.

Denken wir an chemische Reaktionen so haben wir oft das Bild eines Glaskolbens mit einer färbigen, blubbernden Flüssigkeit vor Augen. Während klassische organische Chemie diesem Bild entspricht, gibt es in der modernen Chemie interessante Entwicklungen, die stark von davon abweichen. Von großem Interesse sind hier biokompatible chemische Reaktionen. Das sind Reaktionen zwischen zwei Reaktionspartnern, die so selektiv und schnell ablaufen, dass man sie sogar in Lebewesen durchführen kann. Hiermit kann man gezielt Substanzen verbinden oder auch freisetzen. Dies erlaubt interessante Anwendungen im Bereich der Medizin, zum Beispiel in der bildgebenden Diagnostik wie etwa bei PET-Scans zur Tumordiagnostik. Das gezielte Freisetzen von Substanzen erlaubt es weiters einen Wirkstoff nur im kranken Gewebe freizusetzen, wodurch Wirkung erhöht und Nebenwirkungen verringert werden können. Die Anwendung von solchen chemischen Reaktionen in Lebewesen ist allerdings nicht trivial und kommt mit vielen Herausforderungen. Die Reaktionspartner müssen gewisse Eigenschaften aufweisen, wie eine hohe Stabilität, und dürfen das biologische System nicht negativ beeinflussen. Im Laufe des letzten Jahrzehnts wurden etliche solcher biokompatiblen Reaktionen entwickelt, jedoch hat jede ihre Vor- und Nachteile. Im Rahmen dieses Projekts wurde eine Klasse der biokompatiblen chemischen Reaktionen genauer untersucht. Eine Untersuchung der genauen Wirkungsweise der Reaktion führte dazu, dass die Reaktion weiter optimiert werden konnte und so für einen größeren Einsetzbereich geeignet ist. Die Untersuchung dieser Reaktion erfolgte hauptsächlich mittels Computerchemie. In diesem Feld der Chemie werden Computersimulationen genutzt, um chemische Systeme zu untersuchen und Eigenschaften vorherzusagen. Dies ermöglicht Einblicke in die Chemie die experimentell nicht möglich sind. Diese Erkenntnisse wurden dann genutzt, um bessere Reaktionen zu designen. Die resultierenden Reaktionen wurden dann experimentell im Labor überprüft. Das Projekt wurde an der UCLA in der Gruppe von Prof. Kendall Houk durchgeführt. Professor Houk ist einer der erfolgreichsten Computerchemiker und im Speziellen für eine theoretische Methode bekannt, welche uns erlaubt die Wechselwirkungen zwischen Reaktionspartnern besser zu verstehen. Im Rahmen dieser Arbeit wurde diese Methode extensiv eingesetzt. Weiters wurde ein Computerprogramm entwickelt, um diese Methode vollautomatisiert durchführen zu können. Diese Software wird inzwischen von etlichen Forschungsgruppen verwendet. Unter Verwendung dieser Analysenmethode wurden verschiedene biokompatible Reaktionen untersucht. Hierbei konnten viele wichtige Einblicke in die Interaktionen der Reaktionspartner erlangt werden. Auch die Einflüsse verschiedener struktureller Elemente wurde untersucht. Neben vielen wichtigen Erkenntnisse ist die Identifikation einer neuartigen Wechselwirkungen zwischen Reaktionspartnern von besonderer Bedeutung, welche in einer biokompatible Reaktion festgestellt werden konnte. Dies wurde im prestigeträchtigen "Journal of the American Chemical Society" publiziert (J. Am. Chem. Soc. 2019, 141, 6, 2224-2227).

Forschungsstätte(n)
  • Technische Universität Wien - 100%
  • University of California at Los Angeles - 100%

Research Output

  • 292 Zitationen
  • 12 Publikationen
  • 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 1 Weitere Förderungen
Publikationen
  • 2021
    Titel Computational Exploration of Ambiphilic Reactivity of Azides and Sustmann’s Paradigmatic Parabola
    DOI 10.1021/acs.joc.1c00239
    Typ Journal Article
    Autor Chen P
    Journal The Journal of Organic Chemistry
    Seiten 5792-5804
    Link Publikation
  • 2021
    Titel The Influence of Substitution on Thiol-Induced Oxanorbornadiene Fragmentation
    DOI 10.1021/acs.orglett.1c01164
    Typ Journal Article
    Autor De Pascalis L
    Journal Organic Letters
    Seiten 3751-3754
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Origins of Endo Selectivity in Diels–Alder Reactions of Cyclic Allene Dienophiles
    DOI 10.1002/anie.202101809
    Typ Journal Article
    Autor Ramirez M
    Journal Angewandte Chemie International Edition
    Seiten 14989-14997
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Stable, Reactive, and Orthogonal Tetrazines: Dispersion Forces Promote the Cycloaddition with Isonitriles
    DOI 10.1002/anie.201903877
    Typ Journal Article
    Autor Tu J
    Journal Angewandte Chemie International Edition
    Seiten 9043-9048
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Stable, Reactive, and Orthogonal Tetrazines: Dispersion Forces Promote the Cycloaddition with Isonitriles
    DOI 10.1002/ange.201903877
    Typ Journal Article
    Autor Tu J
    Journal Angewandte Chemie
    Seiten 9141-9146
    Link Publikation
  • 2019
    Titel autoDIAS: a python tool for an automated distortion/interaction activation strain analysis
    DOI 10.1002/jcc.26023
    Typ Journal Article
    Autor Svatunek D
    Journal Journal of Computational Chemistry
    Seiten 2509-2515
  • 2020
    Titel Concerted [4 + 2] and Stepwise (2 + 2) Cycloadditions of Tetrafluoroethylene with Butadiene: DFT and DLPNO-UCCSD(T) Explorations
    DOI 10.1021/acs.joc.0c00222
    Typ Journal Article
    Autor Svatunek D
    Journal The Journal of Organic Chemistry
    Seiten 3858-3864
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Origin of Increased Reactivity in Rhenium-Mediated Cycloadditions of Tetrazines
    DOI 10.33774/chemrxiv-2021-9s0r5
    Typ Preprint
    Autor Turlik A
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Origin of Increased Reactivity in Rhenium-Mediated Cycloadditions of Tetrazines
    DOI 10.1021/acs.joc.1c01564
    Typ Journal Article
    Autor Turlik A
    Journal The Journal of Organic Chemistry
    Seiten 13129-13133
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Secondary Orbital Interactions Enhance the Reactivity of Alkynes in Diels–Alder Cycloadditions
    DOI 10.1021/jacs.8b13088
    Typ Journal Article
    Autor Levandowski B
    Journal Journal of the American Chemical Society
    Seiten 2224-2227
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Origin of Increased Reactivity in Rhenium-Mediated Cycloadditions of Tetrazines
    DOI 10.26434/chemrxiv-2021-9s0r5
    Typ Preprint
    Autor Turlik A
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Isonitrile-responsive and bioorthogonally removable tetrazine protecting groups
    DOI 10.1039/c9sc04649f
    Typ Journal Article
    Autor Tu J
    Journal Chemical Science
    Seiten 169-179
    Link Publikation
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2021
    Titel Theodor Körner Preis
    Typ Research prize
    Bekanntheitsgrad National (any country)
Weitere Förderungen
  • 2022
    Titel ESPRIT
    Typ Research grant (including intramural programme)
    Förderbeginn 2022
    Geldgeber Austrian Science Fund (FWF)

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