Opioid-Überdosisprävention aus Implementierungsperspektive
An Implementation Perspective on Opioid Overdose Prevention
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Sozialwissenschaften (35%); Gesundheitswissenschaften (65%)
Keywords
-
Evaluation,
Naloxone,
Fidelity,
Implementation,
Overdose,
Prevention
Die Prävention von Überdosistoden ist eine zentrale Herausforderung für das Gesundheitswesen. Trainingsprogramme, die Wissen über Überdosis-Risiken und Maßnahmen, die im Falle einer Überdosis zu treffen sind, an substanzabhängige Menschen vermitteln sowie die Ausgabe von Naloxon an diese (kurz Überdosis-Präventionsprogramme) tragen zentral hierzu bei. Naloxon wirkt der Atemdepression, die bei einer Überdosis zum Tod führen kann, entgegen. Überdosis-Präventions- programme sind eine zunehmend anerkannte Präventionsmaßnahme. Allerdings ist unzureichend erforscht, welche Trainingskomponenten am wirkungsvollsten sind und welchen Einfluss sie auf das Verhalten der Trainierten im Falle einer (beobachteten) Überdosis haben. Das eingereichte Projekt wird eben diese Fragen in zwei Studien adressieren, die in New York einem Vorreiter bezüglich der Implementierung von Überdosis-Präventionsprogrammen durchgeführt werden. Studie 1 hat zum Ziel, die Implementierung von Überdosis-Präventionsprogrammen in neun Organisationen, die opioidabhängige Menschen behandeln, zu evaluieren. Die Komplexität der Implementierungsprozesse wird dabei durch das Erfassen verschiedener Indikatoren des Implementierungserfolgs berücksichtigt. Diese Indikatoren werden aus Perspektive von TrainerInnen sowie Trainierten und zusätzlich durch Beobachtungen erfasst. Die Studie verwendet innovative Methoden der Messung von Implementationsergebnissen (i.S. der verschiedenen Perspektiven) und der Datenanalyse (i.S. eines Multilevel Ansatzes). Die Analyse der Implementationsergebnisse in Relation zu den Trainingsergebnissen ermöglicht es Kernkomponenten der Trainings und ihrer Implementierung zu identifizieren, die den größten Effekt auf die Trainingsergebnisse im Sinne des Wissenszuwachses der Trainierten und ihrer Fähigkeit eine Überdosis-Situation zu bewältigen haben. Dadurch wird eine wichtige informative Basis geschaffen, um nachfolgende Implementierungsprozesse zu verbessern und sie besser den Praxisbedingungen anzupassen. Studie 2 zielt darauf ab angenommene Assoziationen zwischen verschiedenen Ebenen der Trainingsergebnisse (Lernen, Verhalten und Ergebnisse) zu überprüfen. Das Etablieren des Wissenszuwachses der Trainierten als Prädiktor für die Ergebnisse (i.S. verminderter Überdosis- Todesraten) ermöglicht die systematische Evaluation der Qualität und Wirksamkeit von Überdosis- Präventionsprogrammen in verschiedenen Kontexten, selbst wenn keine ausreichenden Ressourcen für längerfristige Nachuntersuchungen vorhanden sind. Erste Implementierungsschritte von Überdosis-Präventionsprogrammen in Österreich sind für Herbst 2018 mit einem Pilotprojekt in der Steiermark geplant. Die enge Kooperation der Antragstellerin mit dem Projektteam in der Steiermark trägt dazu bei diese Programme in Österreich von Beginn an erfolgreich zu implementieren. Während der Rückkehrphase fokussiert das Projekt die Entwicklung von Richtlinien für österreichische Überdosis-Präventionsprogramme sowie einer Implementierungsstrategie für ein umfassendes Evaluationskonzept dieser Programme. Dadurch soll eine vermehrte Akzeptanz der Relevanz der Implementierungsforschung für die evidenzbasierte Praxis in der österreichischen Gesundheitsversorgung erreicht werden.
Diese Studie führte eine umfassende Bewertung der Programme zur Überdosierungsaufklärung und Naloxonverteilung (Overdose Education and Naloxone Distribution, OEND) in New York City durch, wobei der Schwerpunkt auf der Wirksamkeit dieser Programme bei der Verbesserung des Wissens und der Einstellungen zu Opioidüberdosierungen lag. Die Forschung umfasste 16 OEND-Schulungssitzungen mit 75 TeilnehmerInnen und untersuchte die Beziehung zwischen Implementierungsergebnissen (wie Treue und Akzeptanz) und dem Erfolg der Intervention in Bezug auf Wissens- und Einstellungsänderungen. Die Hauptergebnisse der Studie umfassen: Deutliche Verbesserung von Wissen und Einstellungen: Die TeilnehmerInnen zeigten nach den Schulungen erhebliche Zunahmen ihres Verständnisses von Opioidüberdosierungen und verbesserte Einstellungen zur Bewältigung solcher Situationen. Diese Veränderung wurde mit Hilfe von Vor- und Nachschulungsbewertungen gemessen. Bedeutung der Treue ("fidelity"): Die Treue bei der Durchführung der Schulungen, insbesondere die Einhaltung der vorgegebenen Protokolle durch die TrainerInnen, war ein entscheidender Faktor für die Vorhersage der Wirksamkeit der Schulung zur Verbesserung des Wissens über Überdosierungen. Die Treue wurde aus drei verschiedenen Perspektiven bewertet: die TeilnehmerInnen, die TrainerInnen und eine unabhängige Beobachterin. Besonders bemerkenswert war die Perspektive der unabhängigen Beobachterin bei der Vorhersage von Veränderungen im Wissen über Überdosierungen. Rolle der Schulungsdauer: Die Länge der Schulungssitzungen korrelierte positiv mit den Ergebnissen. Längere Sitzungen waren effektiver bei der Steigerung des Wissens und der Verbesserung der Einstellungen, was darauf hindeutet, dass umfassendere Schulungen zu einem besseren Verständnis und einer besseren Vorbereitung der TeilnehmerInnen führen können. Hohe Akzeptanz und vielfältiger Kontext: Sowohl TrainerInnen als auch TeilnehmerInnen bewerteten das OEND-Programm hinsichtlich der Akzeptanz sehr positiv. Diese positive Aufnahme ist entscheidend für den Erfolg und die Fortführung solcher öffentlichen Gesundheitsinitiativen. Zudem variierten die Schulungssitzungen in Dauer, Gruppengröße und demografischer Zusammensetzung der Zielgruppe. Diese Vielfalt zeigt, dass OEND-Programme anpassungsfähig sind und in verschiedenen Einstellungen und Bevölkerungsgruppen effektiv umgesetzt werden können. Qualität der Schulung und unabhängige Bewertung: Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit einer qualitativ hochwertigen Durchführung von Schulungen zur Überdosierungsprävention. Die unabhängige Bewertung der Schulungstreue erwies sich als ein Schlüsselfaktor bei der Bewertung der Wirksamkeit dieser Programme und deutet darauf hin, dass externe Bewertungen wertvolle Einblicke in den Schulungsprozess und dessen Ergebnisse liefern können. Insgesamt betont die Studie die Bedeutung von OEND-Programmen bei der Bewältigung der Opioidkrise. Sie liefert Belege dafür, dass gut umgesetzte Schulungsprogramme, die sich an Qualitätsprotokollen orientieren und auf die Bedürfnisse verschiedener Gruppen zugeschnitten sind, das Wissen und die Einstellungen zum Management von Opioidüberdosierungen erheblich verbessern können. Diese Erkenntnisse sind besonders relevant für öffentliche Gesundheitsstrategien zur Reduzierung von Opioidüberdosierungstodesfällen und können zukünftige Implementierungen und Anpassungen von OEND-Programmen informieren.
- Columbia University New York - 100%
- Stephen Ross, Bellevue Hospital - Vereinigte Staaten von Amerika
- Edward Nunes, Columbia University New York - Vereinigte Staaten von Amerika
- Sharon Stancliff, Harm Reduction Coalition - Vereinigte Staaten von Amerika
- John Rotrosen, New York University School of Medicine - Vereinigte Staaten von Amerika
- Dean Fixsen, University of North Carolina - Vereinigte Staaten von Amerika
- Marie-Therese Schultes, University of North Carolina - Vereinigte Staaten von Amerika
- John Strang, King´s College London - Vereinigtes Königreich
- Rebecca Mcdonald, King´s College London - Vereinigtes Königreich
Research Output
- 8 Zitationen
- 4 Publikationen
- 2 Weitere Förderungen
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2022
Titel Emotional Reactions of Trained Overdose Responders who use Opioids following Intervention in an Overdose Event DOI 10.1080/08897077.2021.1975870 Typ Journal Article Autor Brandt L Journal Substance Abuse Seiten 581-591 Link Publikation -
2021
Titel Multi-informant Implementation and Intervention Outcomes of Opioid Overdose Education and Naloxone Distribution in New York City DOI 10.1007/s43477-021-00021-4 Typ Journal Article Autor Brandt L Journal Global Implementation Research and Applications Seiten 209-222 Link Publikation -
2021
Titel Multi-informant Implementation and Intervention Outcomes of Opioid Overdose Education and Naloxone Distribution in New York City DOI 10.5167/uzh-210135 Typ Other Autor Brandt Link Publikation -
2021
Titel Impulsive Personality Traits Mediate the Relationship Between Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder Symptoms and Psychiatric Comorbidity among Patients with Severe Alcohol Use Disorder DOI 10.1080/15504263.2021.1944711 Typ Journal Article Autor Brandt L Journal Journal of Dual Diagnosis Seiten 193-206 Link Publikation
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2021
Titel 2021 National Institute on Drug Abuse (NIDA) International Visiting Scientists and Technical Exchange (INVEST) Clinical Trials Network (CTN) Fellowship Typ Fellowship Förderbeginn 2021 Geldgeber National Institutes of Health (NIH) -
2021
Titel 2021 Inaugural Center for Healing Opioid and Other Substance Use Disorders (CHOSEN) Pilot Award Typ Research grant (including intramural programme) Förderbeginn 2021 Geldgeber Columbia University Center for Healing Opioid and Other Substance Use Disorders (CHOSEN)