Rolle der Retrospleniale Kortex im Gedächtnis
Role of retrosplenial cortex in memory
Wissenschaftsdisziplinen
Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (100%)
Keywords
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Retrosplenial cortex,
Long-term memory,
Contextual fear conditioning,
Adeno-associated Virus,
DREADD
Erinnerungen sind eine bleibende Niederschrift unserer Erlebnisse, welche einen essentiellen Bestandteil unseres Empfindens, unserer sozio-kognitiver Funktion und unserer Identität darstellen. Die biologische Bedeutung der Fähigkeit zu lernen und sich zu erinnern wird durch die Tatsache unterstrichen, dass Vorgänge, wie die synaptische Plastizität ein mögliches zelluläres Korrelat von Lernen evolutionär weitreichend konserviert sind, von Fliegen bis zu Menschen. Weiters sind in vielen Fällen entsprechend vergleichbare biologische, chemische und physikalische Gesetze, sowie die relevanten Gene und Moleküle, entlang der evolutionären Reihe erhalten geblieben. Trotz des enormen Fortschrittes der modernen Neurowissenschaften bleibt vieles in Bezug auf die Mechanismen des Gehirns, welche dem Langzeitgedächtnis unterliegen, unerforscht. Eine der wichtigsten Beiträge in diesem Feld entstammen der Arbeit von Brenda Milner, William Scoville und Wilder Penfield, welche den Hippokampus als zentrale Struktur für räumliches Lernen und Gedächtnis identifizierten. Spätere Studien zeigten weiters, dass Lernen und Gedächtnis nicht auf einen einzige Hirnregion beschränkt sind sondern dass auch andere Areale im Gehirn, va. auch der Neokortex, entscheidend zur Speicherung von Erinnerungen beitragen. Eine der bekanntesten Theorien über Lernen und Gedächtnis, die Konsolidierungs-Theorie, besagt, dass obwohl kürzlich erworbene Erinnerungen hippokampus-abhängig sind, kortikale Mechanismus in weiterer Folge graduell übernehmen. Trotz dieser Sicht gibt es mehr und mehr Evidenz dafür, dass auch posteriore Anteile des Kortex, inklusive des retrosplenialen Kortex eine beständige, zeitunabhängige Rolle in der Erfassung und dem Abrufen von Erinnerungen spielen. Es wird daher in jüngsten Berichten gezeigt, dass der retrospleniale Kortex eine wichtige Rolle in der Verarbeitung von episodischem Gedächtnis in Tiermodellen spielt. Ausgehend von diesen Arbeiten ist das Ziel des gegenwärtigen Projektes, unser Verständnis über die zellulären Mechanismen, mit welchen der retrospleniale Kortex das Langzeitgedächtnis unterstützt und Informationen an andere Kortexareale weiterleitet. Unter Verwendung molekularbiologischer, verhaltensbiologischer, elektrophysioloigscher und bildgebender Verfahren, zielt diese Projekt auf die Identifikation von Neuronen des retrosplenialen Kortex ab, welche eine zentrale Rolle in der Verarbeitung langanhaltender Erinnerungen spielen. Diese relevanten neuronalen Populationen könnten in weiterer Folge neue Angriffspunkte für Therapien von Erkrankungen, welche mit einer Beeinträchtigung des Gedächtnisses einhergehen, darstellen.
- Northwestern University Feinberg School of Medicine - 100%