Klassische Kompositionsaufträge durch Benny Goodman
Classical Compositions Commissioned by Benny Goodman
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (20%); Kunstwissenschaften (80%)
Keywords
-
20th century music,
Clarinet,
Music Market,
Commissioned Compositions,
Benny Goodman,
Jazz
Der Klarinettist und King of Swing Benny Goodman (19091986) gilt als einer der führenden Jazz- Solisten des 20. Jahrhunderts. Es ist kaum bekannt, dass er, nachdem er sich im Jazz etabliert hatte, in den 1930ern damit begann, sich auch klassischem Repertoire zu widmen, sowohl auf der Konzertbühne als auch durch Platteneinspielungen. 1938 erteilte Goodman außerdem seinen ersten Kompositionsauftrag für ein klassisches Werk: Bela Bartk komponierte für ihn das Stück Contrasts für Klarinette, Violine und Klavier. Zahlreiche ähnliche Projekte mit berühmten Komponisten folgten, darunter Aufträge an Darius Milhaud, Paul Hindemith und Aaron Copland. Welche Gründe bewegten Goodman dazu? Nach welchen Maßstäben wählte er die Komponisten aus? Auf welche Weise wiederum reagierten diese auf die Vorstellungen und Fähigkeiten ihres Auftraggebers? Und wie wurden diese Stücke, insbesondere deren Aufführungen und Aufnahmen durch Goodman selbst schließlich von Publikum und Öffentlichkeit wahrgenommen? Goodmans Aktivitäten als Auftraggeber neuer Kompositionen müssen wohl im Kontext seines Bemühens, sich als klassischer Musiker zu etablieren, verstanden werden. Aber auch ein historisches Bewusstsein Goodmans sich selbst in die Musikgeschichte einzuschreiben sollte mitbedacht werden. Auffallend sind die prominenten Namen unter den Komponisten. Offenbar wandte sich Goodman an Personen, die schon einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hatten. Dabei stellt sich weiter die Frage, wie auf der anderen Seite die Komponisten mit ihrem nicht weniger berühmten Auftraggeber, einem etablierten Jazz-Solisten, kompositorisch umgingen und wie dieser künftige Interpret, der sich außerdem jedes Mal für mehrere Jahre exklusive Aufführungsrechte sicherte, den Kompositionsprozess beeinflusst haben mag. Ausgehend von vielfältigem Material (Korrespondenz, Kompositionsskizzen, Konzertkritiken, Aufnahmen) widmet sich dieses Projekt auf der einen Seite erstmals einem nahezu unbekannten Aspektder Karriere eines außergewöhnlichenKünstlers sowieder Entstehungeines hochinteressanten Spektrums des Solo-Repertoires für Klarinette im 20. Jahrhundert. Auf der anderenSeite werden damit zudem ersteErkenntnissezu InstrumentalistInnen als AuftraggeberInnen neuer Kompositionen gewonnen und von der Forschung bisher unbehandelte Fragen nach den Voraussetzungen, Motivationen und Strategien von Seiten der MusikerInnen, nach deren Selbstverständnis, sowie nach dem Austausch und den Beziehungen zwischen KomponistIn und InterpretIn beleuchtet.
Klassische Kompositionsaufträge durch Benny Goodman: Künstlerische Strategien, Bezugnahmen und Kontroversen Um 1938 war der Klarinettist Benny Goodman (1909-1986) zum Inbegriff der Swingmusik und der amerikanischen Unterhaltungsindustrie geworden. Etwa zur gleichen Zeit begann er, sich intensiv mit klassischem Repertoire (im weitesten Sinne) auseinanderzusetzen, es auf der Bühne aufzuführen und aufzunehmen. Außerdem erteilte er seinen ersten Auftrag an einen klassischen Komponisten: Bela Bartk schrieb das Stück Contrasts für Klarinette, Violine und Klavier für Goodman und den Geigenvirtuosen Joseph Szigeti. Es folgten mehrere ähnliche Projekte, darunter Aufträge an Darius Milhaud, Paul Hindemith und Aaron Copland. Welche Gründe, Strategien und künstlerischen Vorstellungen lagen diesen auf Goodmans Seite zugrunde? Wie wurden kreative, soziale und rechtliche Positionen zwischen dem Interpreten als Auftraggeber und den Komponisten als Auftragnehmern ausgehandelt? Wie wirkte sich dies auf das musikalische Ergebnis aus? Das von Elisabeth Reisinger geleitete Projekt ging diesen Fragen auf der Grundlage einer breiten Quellenbasis nach: Die Benny Goodman Papers an der Yale University enthalten handschriftliche und gedruckte Partituren der fraglichen Kompositionen, Briefe, Geschäftspapiere, Zeitungsausschnitte, Fotos usw. Diese wurden ergänzt durch die Untersuchung von z.B. Zeitungsartikeln, Konzertprogrammen und Tonaufnahmen. Goodmans Aktivitäten als Auftraggeber wurzelten nicht nur in künstlerischen und kreativen Interessen. Auch das Streben nach sozialem Prestige und eine Art historisches Bewusstsein spielten eine Rolle. Die Musik, die in diesem Kontext entstand, würde für immer mit seinem Namen verbunden sein. In diesem Sinne war es für Goodmans Wahl der Komponisten entscheidend, dass diese bereits einen gewissen Status in der Branche hatten. Auch für sie waren solche Projekte attraktiv, nicht nur wegen Goodmans wirtschaftlicher Situation, die auf ein hohes Honrorar hoffen ließ. Seine enorme Popularität, vor allem bei der jüngeren Bevölkerung, würde ihrer Musik ein breites Publikum und möglicherweise neue Märkte erschließen. Durch das "Prisma" von Goodmans Beispiel leisten die Ergebnisse dieses Projekts Beiträge zu Diskussionen über künstlerische Identitäten, wirtschaftliche Strukturen im Bereich der Musik, die Geschichte von Tonaufnahmen und Medien, sowie die vielfältigen Überschneidungen und Wechselwirkungen musikalischer Gattungen in den USA in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts.
- Harvard University - 100%
Research Output
- 2 Disseminationen
- 2 Weitere Förderungen
-
2021
Titel Elise Richter Grant Typ Research grant (including intramural programme) Förderbeginn 2021 -
2021
Titel International Communication (presentation of research results at an international conference) Typ Travel/small personal Förderbeginn 2021