Quantumchaos, Gitter und harmonische Analysis
Quantum Chaos, Lattices, and Harmonic Analysis
Wissenschaftsdisziplinen
Mathematik (70%); Physik, Astronomie (30%)
Keywords
-
Quantum Chaos,
Lattices,
Poissonian pair correlations,
Height functions
Vorliegendes Forschungsprojekt beschäftigt sich mit zwei Arten von Problemen (und deren Anwendungen): A) Verteilungseigenschaften von Zahlenfolgen auf feinen Skalen sowie B) der Geometrie der Zahlen in hoch-dimensionalen Räumen. Die erstgenannten Fragen zielen darauf ab zu messen, wie zufällig sich gewisse (klassische) Zahlenfolgen tatsächlich verteilen. Die angesprochenen Zahlenfolgen kommen häufig aus der Physik; genauer gesagt aus einem neuerem Forschungsbereich, der sich damit beschäftigt, wie sich Chaos in der Quantenmechanik äußert. Eine Antwort hierauf wurde in den 1970ern von den Physikern Barry und Tabor in einer grundlegenden Vermutung vorgeschlagen. Zur Zeit ist diese nur für sehr spezielle Quantensysteme (und auch dort nur zum Teil) verstanden ist. Vereinfachend gesprochen, betrachtet man hierbei wie sich die Energielevel eines typischen Quantensystemes verteilen. Es ist zu erwähnen, dass dabei die Verteilung auf immer feineren Skalen studiert wird. Das steht im scharfen Gegensatz zur z.B. der klassischen Gleichverteilungstheorie (in der Zahlentheorie), wo die Skala fixiert bleibt. In der Tat, es ist ein erklärtes Teilziel derartige Gleichverteilungssätze auf deutlich kleineren Skalen zu untersuchen und, wenn immer möglich, zu verschärfen. Die zweitgenannten Fragen beschäftigen sich mit Gittern - welche man sich als höherdimensionale Varianten eines handelsüblichen Fliegengitters denken kann: Anstatt der üblichen drei Raumdimension kann ein solches allerdings eine beliebige große Anzahl an Raumdimensionen besitzen. Wozu ist das nütze? Zum einen lassen sich diverse Probleme in der Mathematik darauf reduzieren, ob ein (interessantes) Objekt existiert oder nicht. Zum anderen hat sich im Zeitraum der letzten ca. 100 Jahre herausgestellt, dass die Geometrie genauer die Geometrie der Zahlen - einen vereinigenden und teils vereinfachenden Rahmen bereitstellt, um Existenzfragen in geometrische Gitterprobleme zu übersetzen. Letztere sind für gewöhnlich einer breiteren Auswahl an Methoden zugänglich. Daher spielt die Geometrie der Zahlen z.B. in der Kombinatorik, Zahlentheorie, der Theorie der dynamischen System und den Computerwissenschaften eine entscheidende Rolle. Im vorliegenden Projekt gilt der Fokus einem weniger verstanden Aspekt der Geometrie der Zahlen, nämlich der Dimensionsabhägigkeit in folgendem Sinne: Gegeben sei eine unendliche Anzahl von kompatiblen Gitterpunktproblemen. Kompatibel hier bedeutet, einfach gesagt, dass das zweite Gitter eine höher-dimensional Erweiterung des ersten und das dritte Gitter eine höher-dimensional Erweiterung des zweiten Gitters usw. ist. Existiert immer eine (und wenn ja wie viele) Lösung eines Gitterpunktproblems, aus der vorgegebenen Menge von Gitterpunktproblemen in verschiedenen Raumdimensionen, sofern die Dimensionen des zugrundeliegenden Raumes nur hinreichend groß ist? Die eben genannten Gitterpunktprobleme stammen direkt aus Fragen in der (algebraischen) Zahlentheorie und haben Anwendungen in der Logik.
Unsere Welt ist voller hochkomplexer Phänomene: Ein Gramm Wasser enthält mehr als 10^22 Moleküle. Die Bewegung von Wasser zu analysieren, indem man versucht, die Bewegung jedes einzelnen Moleküls zu berechnen, ist zum Scheitern verurteiltes Unterfangen. Ein leistungsfähiges und vielseitiges Werkzeug zur Beschreibung komplexer Systeme ist die Wahrscheinlichkeitstheorie. Diese sagt vorher, dass sich mikroskopische Unregelmäßigkeiten und Schwierigkeiten auf makroskopischen Maßstäben wunderbar aufheben. Viele Naturgesetze werden auf diese Weise ausgesprochen erfolgreich beschrieben. Meine Forschung folgt diesem Leitmotiv. Ich untersuche statistische Eigenschaften arithmetischer Daten und zeige, dass aus mikroskopischer Zufälligkeit einfache Gesetze entstehen. Solche Statistiken sind für verschiedene Bereiche der Mathematik und Physik von zentraler Bedeutung. Mein Hauptaugenmerk liegt auf Statistiken, die durch Quantenchaos motiviert sind. Hier wird untersucht, wie Chaos und die Quantenwelt zusammenpassen. Wissenschaftlich gesehen beschreibt Chaos, dass das zukünftige Verhalten eines Systems, das nicht nur empfindlich, sondern extrem empfindlich gegenüber seinem Ausgangszustand ist. Das bedeutet, dass die Vorhersage was in einem solchen System zukünftig passiert, in der Praxis unerreichbar genaue Informationen erfordert. Chaotische Systeme gibt es überall um uns herum. Ein einfaches Beispiel ist ein Ball, der halbwegs hoch über der Spitze einer Pyramide platziert ist: Um zu entscheiden, ob der Ball nach rechts oder links von der Spitze fällt, sind extrem genaue Informationen über die Anfangsposition des Balls erforderlich. 1977 stellten die renommierten Physiker Sir M. Berry und M. Tabor eine grundlegende Vermutung auf, um den mysteriösen Zusammenhang zwischen Chaos und Quantenphysik aufzuklären. Ein zentraler Punkt ihrer Vermutung ist die Verteilung der Lücken zwischen verschiedenen Energieniveaus eines Quantensystems. Das zufällige Verhalten der Lücken sollte uns dabei helfen, die Spuren des Chaos aufzuspüren. Trotz erheblicher Bemühungen der wissenschaftlichen Gemeinschaft ist die Berry-Tabor-Vermutung immer noch weitgehend offen - selbst in einfachen Fällen. Der Grund liegt auf der Hand: Die verfügbaren mathematischen Werkzeuge reichen nicht aus. Meine Forschung zielt darauf ab, solche Werkzeuge zu schaffen. Ein hervorragender Ausgangspunkt zum Verständnis der Lückenverteilung ist die Untersuchung der sogenannten Paarkorrelationsfunktion. Diese Funktion misst die statistische Abhängigkeit von Punktpaaren. Mathematiker und Physiker erwarten oft, dass die Paarkorrelationsfunktion von Datenpunkten, z.B. Energieniveaus in einem Quantensystem, sich so verhält, als ob die Daten (wirklich) zufällig verteilt wären. In diesem Fall wird die Paarkorrelationsfunktion als Poissonsch bezeichnet. Ein Forschungsschwerpunkt dieses Projekts ist die Entwicklung neuartiger Zählmethoden, die explizite Beispiele (von Zahlenfolgen von mathematischem Interesse) liefern, deren Paarkorrelationsfunktion eine Poissonsch ist. Das ist der Inhalt meiner Zusammenarbeit mit Lutsko und Sourmelidis. Mit Lutsko habe ich die Techniken weiterentwickelt, um Korrelationsfunktionen höherer Ordnung (die mehr als zwei Punkte gleichzeitig betrachten) abzudecken für Zahlenfolgen, welche ausreichend langsam wachsen. Solche Ergebnisse sind noch immer eine Seltenheit. Diese Arbeiten wurden in einem kürzlich von Lutsko verfassten Artikel im Scientific American vorgestellt.
- Technische Universität Graz - 100%
- University of Wisconsin-Madison - 100%
Research Output
- 18 Zitationen
- 14 Publikationen
- 2 Policies
- 2 Disseminationen
- 2 Wissenschaftliche Auszeichnungen
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2024
Titel Smooth discrepancy and Littlewood's conjecture DOI 10.48550/arxiv.2409.17006 Typ Preprint Autor Chow S Link Publikation -
2022
Titel On the correlations of $n^\alpha$ mod 1 DOI 10.4171/jems/1281 Typ Journal Article Autor Technau N Journal Journal of the European Mathematical Society Seiten 4123-4154 Link Publikation -
2022
Titel Counting multiplicative approximations DOI 10.1007/s11139-022-00610-3 Typ Journal Article Autor Chow S Journal The Ramanujan Journal Seiten 241-250 Link Publikation -
2022
Titel Counting multiplicative approximations DOI 10.48550/arxiv.2203.10380 Typ Preprint Autor Chow S -
2022
Titel Gap statistics and higher correlations for geometric progressions modulo one DOI 10.1007/s00208-022-02362-3 Typ Journal Article Autor Aistleitner C Journal Mathematische Annalen Seiten 845-861 -
2021
Titel Correlations of the Fractional Parts of $\alpha n^\theta$ DOI 10.48550/arxiv.2112.11524 Typ Preprint Autor Lutsko C -
2020
Titel Lehmer without Bogomolov DOI 10.48550/arxiv.2012.06339 Typ Preprint Autor Pazuki F -
2023
Titel Density of Rational Points Near Flat/Rough Hypersurfaces DOI 10.48550/arxiv.2305.01047 Typ Preprint Autor Srivastava R Link Publikation -
2023
Titel Rational Points Near Manifolds, Homogeneous Dynamics, and Oscillatory Integrals DOI 10.48550/arxiv.2310.03867 Typ Preprint Autor Schindler D Link Publikation -
2022
Titel Northcott numbers for the house and the Weil height DOI 10.1112/blms.12662 Typ Journal Article Autor Pazuki F Journal Bulletin of the London Mathematical Society Seiten 1873-1897 Link Publikation -
2022
Titel The metric theory of the pair correlation function for small non-integer powers DOI 10.1112/jlms.12647 Typ Journal Article Autor Rudnick Z Journal Journal of the London Mathematical Society Seiten 2752-2772 Link Publikation -
2022
Titel Full Poissonian Local Statistics of Slowly Growing Sequences DOI 10.48550/arxiv.2206.07809 Typ Preprint Autor Lutsko C -
2020
Titel Littlewood and Duffin--Schaeffer-type problems in diophantine approximation DOI 10.48550/arxiv.2010.09069 Typ Preprint Autor Chow S -
2020
Titel Gap statistics and higher correlations for geometric progressions modulo one DOI 10.48550/arxiv.2010.10355 Typ Preprint Autor Aistleitner C
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2023
Titel Lecture on Probabilistic Number Theory Typ Influenced training of practitioners or researchers -
2022
Titel Conversation with the Austrian Education Minister Typ Influenced training of practitioners or researchers
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2022
Titel ASciNA 2022 Young Investigator Award Typ Research prize Bekanntheitsgrad Continental/International -
2022
Titel ARIT 2022 Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International