Phänomenologie: linguistisch oder transzendental?
Phenomenology: Linguistic or Transcendental?
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (100%)
Keywords
-
Transcendental Phenomenology,
Linguistic Phenomenology,
Conditions Of Possibility,
Transcendental Idealism,
Language,
The Ordinary
Bernhard Ritter (ORCiD: 0000-0001-7171-7082) Stipendienprogramm Kant hat vorgeschlagen, dass Fortschritte in der Metaphysik durch die Annahme möglich sind, dass sich die Gegenstände nach unserer Erkenntnis richten anstatt umgekehrt. Er initiierte damit eine Form der Argumentation, die sich auf Bedingungen der Möglich- keit von Erkenntnis beruft und diese zum Ausgangspunkt für Konklusionen über die Gegenstände dieser Erkenntnis nimmt. Viele analytische Philosophen des 20. Jahrhun- derts sind zum Schluss gekommen, dass solche Argumente entweder (a) auf eine bloß verbindende Analyse hinauslaufen, die Rekonstruktion begrifflicher Verknüpfungen, oder (b) Schlüsse auf die beste Erklärung darstellen, die ein naturalistisches Bezugssys- tem nahelegen. Zur Erkundung der Möglichkeiten einer ambitionierten Version von (a) wendet sich dieses Projekt Husserls Phänomenologie zu. Kant soll nicht erkannt haben, so Husserl, dass die transzendentale Subjektivität, auf die er sich stützte, dank einer neuartigen Reflexion auf unser Bewusstsein von Dingen unmittelbar zugänglich ist. Die Nähe dieses Ansatzes zur verbindenden Analyse legt nahe, die postkantischen Optionen wie folgt zu charakterisieren: Wenn unsere Behandlungsweise der Bedingun- gen unseres Verhältnisses zur Welt deskriptiv oder phänomenologisch ist, soll dieser An- satz linguistisch oder husserlianisch sein? Die erste Option manifestierte sich historisch bei Wittgenstein, Ryle und J. L. Austin, also nicht in Kontinuität mit einem transzenden- talen Ansatz. Bei Stanley Cavells finden sich allerdings Elemente einer genealogischen Darstellungsform, die versucht, Wittgensteins und Austins Betonung des Gewöhnlichen in ein Narrativ einzubinden, das über den amerikanischen Transzendentalismus bis Kant zurückreicht. Das Projekt hat zum Ziel im weiteren Rahmen einer solchen Geschich- te des apriorischen Transzendentalismus seit 1900 die Grundlagen des Gegensatzes zwischen transzendentaler und linguistischer Phänomenologie zu untersuchen. Der verwendete Methode basiert dabei auf folgender Maxime: Zu wissen, wie wir prinzipiell von einer Position zur anderen gelangen könnten und was uns dazu moti- vieren könnte, heißt zu wissen, wie sich die beiden Positionen zueinander verhalten. Das Ziel ist eine genealogische Erklärung, die in der Lage ist, die zu untersuchende Beziehung von Husserl und Austin so zu betrachten, wie wenn die linguistische Phäno- menologie aus der transzendentalen hervorgegangen wäre.
- University of Copenhagen - 50%
- Universität Graz - 100%
- Université Paris 1 - Panthéon Sorbonne - 50%