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Superoszillationen und ihre Zeitenwicklung

Superoscillations and their Time Evolution

Peter Schlosser (ORCID: 0000-0002-7282-6851)
  • Grant-DOI 10.55776/J4685
  • Bewilligungs­summe Erwin Schrödinger
  • Status Beendet
  • Projekt­beginn 01.11.2022
  • Projektende 31.12.2025
  • Bewilligungs­summe 185.340 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Physik, Astronomie (100%)

Keywords

  • Superoscillations,
  • Schrödinger equation,
  • Time evolution,
  • Dirac equation
Abstract Zusammenfassung

Unter dem Begriff "Superoszillation" versteht man das paradoxe Verhalten von Funktionen, Wellen oder Teilchen, schneller zu schwingen als die internen Frequenzen es erwarten lassen würden. Zum Beispiel kann niederfrequentes (rotes) Licht derart interferieren, dass hochfrequentes blaues Licht oder im Extremfall sogar radioaktive Gammastrahlung entsteht. Ziel des Projektes ist nun die Untersuchung superoszillierender quantenmechanischer Teilchen und ihrer Interaktion mit Potentialen. Im Speziellen soll die Frage beantwortet werden, ob superoszillierendes Verhalten zeitlich stabil ist oder ob diese empfindliche Interferenzerscheinung zerstört wird durch die Einwirkung externer Kräfte. Mathematisch gesehen liegt diesem Problem die sogenannte Schrödingergleichung zugrunde, die vom Namensgeber des Stipendiums Erwin Schrödinger im Jahre 1926 aufgestellt wurde und bis heute die Grundlage der nichtrelativistischen Quantenmechanik bildet. Da die vollständige Lösung dieser Gleichung in der Regel nur sehr schwer bis gar nicht berechenbar ist, besteht die Aufgabe darin zumindest die Teile der Lösung zu extrahieren, welche die nötigen Informationen zum Zeitverhalten von Superoszillationen beinhalten. Das größte praktische Anwendungsgebiet von Superoszillationen ist die optische Mikroskopie. Im klassischen Sinne ist die Auflösung eines optischen Mikroskops beschränkt durch die verwendete Lichtfrequenz. D.h. es können keine Objekte untersucht werden dessen Abmessungen kleiner sind als die Wellenlänge des verwendeten Lichts. Durch den gerade beschriebenen Effekt der Superoszillationen kann diese Wellenlänge jedoch künstlich verringert und dadurch das Auflösungsvermögen des Mikroskops vergrößert werden. In diesem Zusammenhang spricht man dann von "optical superresolution". Ein weiteres Problem mit dem sich das Projekt beschäftigt, ist der Umstand, dass unter dem Wort "Superoszillation" zwar der Effekt des "zu starken Schwingens" verstanden wird, verschiedene wissenschaftliche Fachrichtungen in der Vergangenheit dieses Phänomen jedoch problemspezifisch unterschiedlich behandelt haben. Angestrebt wird demnach eine mathematische Theorie sowie eine allgemein gültige präzise Definition einer superoszillierenden Funktion, welche alle existierenden Phänomene umfasst und erklärt.

Superoszillationen sind ein faszinierendes Phänomen in der Physik, mit dem Ursprung in der Optik und Antennentheorie. Es beschreibt das paradoxe Verhalten von Wellen (z.B. Licht), sich dermaßen zu überlagern, sodass die resultierende Welle eine höhere Frequenz besitzt als alle einfallenden Wellen. Zum Beispiel können mehrere rote Lichtquellen so überlagert werden, dass Röntgenstrahlung entsteht. Der zugrundeliegende Effekt ist eine fast vollständige Auslöschung (destruktive Interferenz) aller Wellen. Übrig bleibt ein sehr schwaches Signal jedoch mit hoher Frequenz. Im Jahr 1988 hat der bekannte Physiker Yakir Aharonov dann herausgefunden, dass dieser Frequenzsprung nicht nur bei Licht, sondern auch in der Quantenmechanik auftritt, und dort auf praktisch alle messbare Größen übertragen werden kann. Beispielsweise, der Spin eines Elektrons (welcher den Wert 1/2 besitzt) kann durch Superoszillation einen beliebig großen Wert annehmen. Im Zuge meines Schrödinger Stipendiums habe ich zusammen mit dem Forschungsteam am Politecnico in Mailand, unter der Leitung von Prof. Colombo, untersucht wie stabil dieser Effekt ist. Insbesondere konnten wir zeigen, unter welchen Voraussetzungen dieser sensible Interferenzeffekt der Superoszillation erhalten bleibt, wenn die Teilchen externen Einflüssen ausgesetzt sind. Dies ist insbesondere wichtig für reale Anwendungen, da bei Experimenten nie alle Störeinflüsse ausgeschlossen werden können. Wären Superoszillationen zu empfindlich, wären sie praktisch kaum nutzbar. Eine dieser Anwendungen ist beispielsweise die sogenannte Super-Resolution in der Mikroskopie. Betreibt man Mikroskopie mit superoszillierendem Licht, so hat dieses lokal eine höhere Frequenz und das Bild damit eine höhere Auflösung. Zwar hat man mit sehr kleinen Intensitäten zu kämpfen, mit der aktuellen Technologie und dem Aufkommen von AI, können diese Bilder jedoch rückgerechnet werden. Weiters werden Superoszillation in den verschiedenen Fachgebieten in denen sie Anwendung finden (Mathematik, Physik, Informationstechnologie, ...) unterschiedlich behandelt. Diese Unterschiede machen es schwer Resultate miteinander zu vergleichen oder Methoden anzuwenden. Zusammen mit Prof. Struppa von der Chapman Universität in Kalifornien ist es uns gelungen all diese verschiedenen Ansätze unter einer gemeinsamen mathematischen Theorie zu vereinigen. Diese sollte es in Zukunft einen interdisziplinären Austausch vereinfachen und Ergebnisse vergleichbarer machen.

Forschungsstätte: Auslandsphase
  • Polytechnic University of Milan , 24 Monate, Fabrizio Colombo
  • Technische Universität Graz , Daniele Struppa
Forschungsstätte: Rückkehrphase
  • Technische Universität Graz , 14 Monate
Internationale Projektbeteiligte
  • Fabrizio Colombo, Polytechnic University of Milan - Italien

Research Output

  • 83 Zitationen
  • 15 Publikationen
Publikationen
  • 2025
    Titel The $H^{\infty}$-functional calculus for bisectorial Clifford operators
    DOI 10.4171/jst/560
    Typ Journal Article
    Autor Mantovani F
    Journal Journal of Spectral Theory
  • 2025
    Titel Superoscillations in the Hypercomplex Setting
    DOI 10.1007/s12220-025-01995-5
    Typ Journal Article
    Autor Colombo F
    Journal The Journal of Geometric Analysis
    Seiten 164
    Link Publikation
  • 2025
    Titel On a class of oscillatory integrals and their application to the time dependent Schrödinger equation
    DOI 10.1016/j.jmaa.2024.129022
    Typ Journal Article
    Autor Behrndt J
    Journal Journal of Mathematical Analysis and Applications
    Seiten 129022
    Link Publikation
  • 2025
    Titel Quadratic estimates for the H8-functional calculus of bisectorial Clifford operators
    DOI 10.1007/s12220-025-02282-z
    Typ Journal Article
    Autor Colombo F
    Journal The Journal of Geometric Analysis
    Seiten 46
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Schrödinger Operators with d-potentials Supported on Unbounded Lipschitz Hypersurfaces
    DOI 10.1007/978-3-031-31139-0_8
    Typ Book Chapter
    Autor Behrndt J
    Verlag Springer Nature
    Seiten 123-150
  • 2022
    Titel A unified approach to Schrödinger evolution of superoscillations and supershifts
    DOI 10.1007/s00028-022-00770-1
    Typ Journal Article
    Autor Aharonov Y
    Journal Journal of Evolution Equations
    Seiten 26
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Integral representation of superoscillations via complex Borel measures and their convergence
    DOI 10.1090/tran/8983
    Typ Journal Article
    Autor Behrndt J
    Journal Transactions of the American Mathematical Society
    Seiten 6315-6340
    Link Publikation
  • 2024
    Titel Infinite Order Differential Operators Associated with Superoscillations in the Half-Plane Barrier
    DOI 10.1007/s11785-024-01549-7
    Typ Journal Article
    Autor Schlosser P
    Journal Complex Analysis and Operator Theory
    Seiten 110
  • 2024
    Titel Interpolation between domains of powers of operators in quaternionic Banach spaces
    DOI 10.1090/proc/17020
    Typ Journal Article
    Autor Colombo F
    Journal Proceedings of the American Mathematical Society
    Seiten 625-639
  • 2024
    Titel Characterization of continuous homomorphisms on entire slice monogenic functions
    DOI 10.1017/s0013091524000373
    Typ Journal Article
    Autor Pinton S
    Journal Proceedings of the Edinburgh Mathematical Society
    Seiten 892-920
  • 2024
    Titel The H8-Functional Calculi for the Quaternionic Fine Structures of Dirac Type
    DOI 10.1007/s00032-024-00392-x
    Typ Journal Article
    Autor Colombo F
    Journal Milan Journal of Mathematics
    Seiten 73-122
    Link Publikation
  • 2024
    Titel Spectral properties of the gradient operator with nonconstant coefficients
    DOI 10.1007/s13324-024-00966-3
    Typ Journal Article
    Autor Colombo F
    Journal Analysis and Mathematical Physics
    Seiten 108
    Link Publikation
  • 2024
    Titel An introduction to the fine structures on the $S$-spectrum
    DOI 10.48550/arxiv.2410.07251
    Typ Preprint
    Autor Colombo F
    Link Publikation
  • 2024
    Titel The harmonic $H^{\infty}$-functional calculus based on the $S$-spectrum
    DOI 10.4171/jst/492
    Typ Journal Article
    Autor De Martino A
    Journal Journal of Spectral Theory
  • 2022
    Titel Time evolution of superoscillations for the Schrödinger equation on $${\mathbb {R}}\setminus \{0\}$$
    DOI 10.1007/s40509-022-00272-2
    Typ Journal Article
    Autor Schlosser P
    Journal Quantum Studies: Mathematics and Foundations

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